Wochenausblick: Zinserhöhung eingepreist

By   /  March 13, 2017  /  Comments Off on Wochenausblick: Zinserhöhung eingepreist

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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13. März 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Zwar steht am Mittwoch eine US-Notenbankentscheidung an – eigentlich ein Ereignis, dem an den Börsen entgegengefiebert wird. Diesmal scheint aber schon alles ausgemacht: “Die dritte Fed-Leitzinserhöhung ist vorab so gut kommuniziert, dass sie die Märkte kaum belasten dürfte”, kommentiert Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers. Auch die Wahl in den Niederlanden am Mittwoch beunruhige die Börsen kaum, und das zurecht. “Bei allen politischen Risiken: Die verbesserten Konjunkturperspektiven sollten die Finanzmärkte weiterhin dominieren.”
Vergangene Woche hat sich der DAX mehr oder weniger seitwärts bewegt und ist am Freitag bei 11.963 Punkten aus dem Handel gegangen. Am Montagmorgen liegt der Index bei 11.977 Zählern.
Robuster Arbeitsmarkt
Von den US-Börsen fehlen die Impulse: Der Dow Jones schloss am Freitag 0,21 Prozent höher bei 20.903 Punkten, auf Wochensicht steht allerdings ein Minus von knapp einem halben Prozent. Der am Freitag veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht hat die Erwartung einer Leitzinsanhebung durch die amerikanische Notenbank bekräftigt.
Stark diskutiert wird unterdessen ein Bericht, wonach die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik schon früher straffen könnte: Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge wurde bei der EZB-Sitzung am Donnerstag über eine mögliche Zinserhöhung noch vor dem Auslaufen des Anleihekaufprogramms Ende 2017 gesprochen.
Schon hohe Bewertungen
Andreas Hürkamp von der Commerzbank weist darauf hin, dass die Hausse an den Aktienmärkten vor acht Jahren begonnen hat. “Seitdem hat der DAX um 226 Prozent zugelegt.” Ein Ende des Bullenmarktes ist nach Ansicht des Analysten immer noch nicht abzusehen: Die Geldmenge M1 wachse weltweit robust, der Ausblick für Unternehmensgewinne sowie Dividenden sei vielversprechend, und die DAX-Dividendenrendite weiterhin relativ attraktiv. “Jedoch sprechen die weltweit allmählich weniger expansiv werdende Geldpolitik, der durch Brexit und Trump getrübte Exportausblick und die bereits relativ hohe Bewertung am US-Aktienmarkt gegen starke Gewinne des DAX in seinem neunten Bullenjahr.”
Charttechnik: Allzeithoch bleibt Ziel Laut Martin Utschneider von Donner & Reuschel konnte die wichtige Unterstützungsmarke im DAX vor dem Hintergrund der unveränderten Zinspolitik der EZB nachhaltig standhalten. “Damit ist der Blick – wie schon während der letzten Wochen – chart- und markttechnisch weiterhin nach oben gerichtet”, erklärt der technische Analyst. Mittelfristig bleibe die Marke bei 12.391 Zählern, Allzeithoch des DAX, trendfolgendes Ziel. Der MACD-Indikator sowie der Primärtrend seit März 2009 wiesen in diese Richtung. “Trotzdem sollten wichtige Unterstützungen zum proaktiven Risikomanagement beachtet werden”, betont Utschneider. Hier biete sich vor allem die Nackenlinie der zuletzt aufgetretenen Schulter-Kopf-Schulter-Formation bei 11.431 Punkten an. “Davor müssten allerdings die Unterstützungslinien bei 11.920 und 11.821 Zählern reißen, nach aktuellem Stand ist das eher unwahrscheinlich.” Utschneider Dynamik fehlt
Dirk Oppermann von der DZ Bank zufolge lässt sich seit Jahresanfang immer wieder dasselbe Muster erkennen: Einem deutlichen Nachfrageüberschuss am Markt seien im weiteren Handelsverlauf keine direkten Anschlusskäufe gefolgt. Deutliche Kursabschläge seien jedoch noch ausgeblieben, so dass sich mit den Abgaben “in konstruktiver Art und Weise” ein Abbau der zuvor überkauften Situation eingestellt habe. “Der laufende Aufwärtstrend ist damit zwar weiterhin intakt, jedoch als wenig dynamisch zu bezeichnen.” Gelinge auf Basis dieser noch günstigen Charttechnik die Herausbildung eines neuen Bewegungshochs oberhalb von 12.083 Punkten, sei das direkte Anschlusspotenzial auf 12.185 Punkte zu beziffern.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftstermine
Dienstag, 14. März
11.00 Uhr. Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen März. Die DekaBank weist darauf hin, dass die konjunkturellen Frühindikatoren für die Welt, für Europa und für Deutschland spürbar anziehen. Das werde sich auch in der ZEW-Konjunkturlage für Deutschland widerspiegeln, die im März wohl auf den höchsten Wert seit Sommer 2011 angestiegen sei. Auch die ZEW-Konjunkturerwartungen hätten wahrscheinlich zugelegt. Allerdings seien die befragten Finanzmarktanalysten wohl vorsichtiger, mit den Protektionismusdrohungen aus den USA und den Gefahren durch die Populisten in Europa werde die künftige Entwicklung unsicherer.
Mittwoch, 15. März
Parlamentswahl Niederlanden: Viel Beachtung finden wird das Abschneiden des Euro-Gegners Geert Wilders. Es wird zwar ein gutes Ergebnis erwartet, eine Regierungsbeteiligung gilt aber als unwahrscheinlich.
13.30 Uhr. USA: Verbraucherpreise Februar. Nach Ansicht der Commerzbank wird auf den außergewöhnlich kräftigen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,6 Prozent im Januar gegenüber dem Dezember ein deutlich geringeres Plus von 0,1 Prozent im Februar folgen. Dies liege zum einen an den gesunkenen Benzinpreisen, zum anderen habe es im Januar deutliche Preiserhöhungen bei Gütern wie Bekleidung und Neuwagen gegeben.
19.00 Uhr. USA: Notenbank-Entscheidung. Es wird fest davon ausgegangen, dass die Fed abermals die Zinsen anheben wird. Laut DekaBank wird das Statement zum Zinsentscheid im Vergleich zur vorherigen Version nur geringfügige Änderungen beinhalten. Das Hauptaugenmerk gehöre daher den Projektionen sowie der anschließenden Pressekonferenz von Zentralbankchefin Yellen. Korrekturbedarf nach oben gebe es bei der Konjunktur- und Inflationsprognose, zudem sei nicht auszuschließen, dass die FOMC-Mitglieder statt bislang drei Zinsschritten im kommenden Jahr vier erwarteten.
Von: Anna-Maria Borse 13. März 2017, © Deutsche Börse AG

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