„Der Frühling kommt bestimmt“: Ingo Lange vom Meteorologischen Institut im Interview

By   /  March 16, 2017  /  Comments Off on „Der Frühling kommt bestimmt“: Ingo Lange vom Meteorologischen Institut im Interview

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MIL OSI – Source: Universitat Hamburg –

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Welche Daten werden mit dem Wettermast erhoben?

Am Wettermast messen wir zunächst einmal die üblichen meteorologischen Parameter, die immer dazu gehören: Das sind Temperatur und Feuchtigkeit der Luft, Windgeschwindigkeit und -richtung, Luftdruck und natürlich Niederschlag und Sonnenstrahlung. Dazu kommen noch viele weitere Messgrößen. Ein Ceilometer durchleuchtet die Atmosphäre mit einem Infrarot-Laser und liefert Informationen über die Wolken bis in mehrere Kilometer Höhe. Insgesamt sind auf dem Gelände und am Mast von 1,2 Meter Tiefe bis 280 Meter Höhe etwa 50 Geräte und Sensoren installiert. Die meisten Messwerte sind als aktuelle Grafik auf unseren Internetseiten veröffentlicht.

Was ist das Besondere am Hamburger Wetter?

Mit dem Hamburger Wetter verbindet man ja meist zwei Dinge: Viel Wind und ständig Regen. Der Wind ist hier, nicht allzu weit von der Küste entfernt, natürlich deutlich stärker und beständiger als im Süden Deutschlands. Nicht umsonst boomt im Norden die Windkraftbranche. An unserem 280 Meter hohen Mast messen wir in fünf Höhen den Wind genau dort, wo die Rotoren laufen. Mit unseren Daten können zwar auch Ertragsrechnungen durchgeführt werden, interessanter sind für uns aber eher grundlegende Fragen, wie extreme Windereignisse und Turbulenzen oder die Veränderung des Windfeldes mit der Höhe.

Und was den Regen betrifft: Wir messen nicht nur die Menge, sondern auch die Dauer. Und in Hamburg regnet es auf lange Sicht an einem bestimmten Ort in etwa 10 Prozent der Zeit. Das heißt aber auch: zu 90 Prozent ist es trocken!

Welche Arten von Wettervorhersagen werden mit Hilfe der Wetterstationen gemacht und wie präzise ist das?

Als Forschungsstation fließen unsere Daten nicht in die tägliche Wettervorhersage der Wetterdienste ein. Dafür haben wir aber auch die Freiheit, die Anlage so zu gestalten, wie es für wissenschaftliche Fragestellungen geeigneter ist. Indirekt profitieren aber natürlich auch die Wettermodelle von solcher Grundlagenforschung. Denn ob ein Modell den Praxistest besteht, kann nur anhand von Messdaten ermittelt werden. Und je exotischer die Messungen, desto begehrter die Daten.

Wie sehr kann ich mich auf das Regenradar des Meteorlogischen Instituts verlassen?

Unser Regenradar steht auf dem Dach des Geomatikums und hat eine Reichweite von 20 Kilometer. Damit überdeckt es fast das gesamte Stadtgebiet. Das Besondere ist die hohe zeitliche und räumliche Auflösung, die ein aktuelles Radarbild fast in Echtzeit und auf den Häuserblock genau ermöglicht. Allerdings ist es von den Rohdaten des Radars bis zum fertigen Bild ein weiter Weg durch Filter und Algorithmen. Hier wird noch aktive Forschungsarbeit geleistet, an der auch Studierende in ihren Bachelor- und Masterarbeiten Anteil haben.

Forschung bedeutet aber auch, dass wir manchmal Sachen ausprobieren und daher keinen 24/7-Betrieb an 365 Tagen im Jahr garantieren können. Aber schon aus eigenem Interesse ist uns an einem möglichst verlässlichen Betrieb des Regenradars natürlich sehr gelegen. Während des vergangenen Sommers mit seinen vielen kleinen Gewitterzellen hat hier niemand abends das Institut verlassen, ohne zuvor einen Blick auf das Radar zu werfen.

Schlägt sich auch der Klimawandel in den gesammelten Daten nieder?

Der Wettermast misst in seiner jetzigen Form seit 1995. Das sind mehr als 20 Jahre, so dass wir erste, vorsichtige klimatologische Aussagen mit unseren Daten treffen können. So untersucht gerade ein Masterstudent in seiner Abschlussarbeit, ob der Wind in Hamburg und über Deutschland mit der Zeit abnimmt, das so genannte „global stilling“. Die Ergebnisse sind zwar sehr vage, aber mit einer gewissen Tendenz zu einem Ja. Hier bewegen wir uns noch hart an der Nachweisgrenze. Klima beginnt nach gängiger Definition bei einer Zeitspanne von 30 Jahren. Für Parameter, die von Extremen beherrscht werden, wie Stürme und Niederschlag, ist das aber eigentlich auch noch zu kurz.

Wie war der Winter im Durchschnitt in Hamburg und was ist vom Frühling zu erwarten?

Besonders winterlich wird dieser Winter (mal wieder) nicht in Erinnerung bleiben. Meteorologisch am auffälligsten war da noch der Luftdruck. In den drei Wintermonaten Dezember, Januar und Februar lag der Luftdruck an 68 von 90 Tagen über dem jeweiligen Mittelwert. Diese beständige Hochdrucklage sorgte für eher langweiliges Wetter ohne Wind, aber auch ohne Sonne und mit Temperaturen um die Null Grad. Für Schnee brauchen wir mehr Dynamik, für Sonne andere Luftmassen. Und was den Frühling angeht: Er kommt bestimmt.

Links zu den Services des Meteorologischen Instituts:
Red.

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