Anleihen: Zinsen im Rückwärtsgang

By   /  March 31, 2017  /  Comments Off on Anleihen: Zinsen im Rückwärtsgang

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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31. März 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Verkehrte Welten: Seit der Zinsanhebung der US-Notenbank Mitte diesen Monats sind die Zinsen dies- und jenseits des Atlantiks gefallen statt gestiegen. Ein Auslöser war das Scheitern der US-Gesundheitsreform vor genau einer Woche: “Unmittelbar nach der Absage der Abstimmung durch die Republikaner gaben die Renditen für zehnjährige US-Treasuries um 7 Basispunkte nach”, berichtet Marius Schad von der HSH Nordbank. Der Vertrauensvorschuss vieler Marktteilnehmer in eine unternehmerfreundliche Wirtschaftspolitik der neuen US-Administration habe einen erheblichen Dämpfer bekommen.

EZB-Inflationsziel wieder weit weg

Zehnjährige US-Treasuries rentieren aktuell mit 2,42 Prozent nach 2,63 vor dem Fed-Zinsentscheid. Der richtungweisende Euro-Bund-Future liegt am Freitagmittag bei 161,37 Prozent, vor einer Woche waren es 160,18 Punkte – und 159 im Tief Mitte März. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt aktuell bei 0,33 Prozent nach 0,40 Prozent vor einer Woche.
“Die USA geben derzeit den Takt vor”, erklärt Arthur Brunner von der ICF Bank. Zudem verringerten die rückläufigen Inflationszahlen den Druck auf die EZB, ein Ende der expansiven Geldpolitik einzuläuten. Nach 2,2 Prozent im Februar lag die Inflationsrate in Deutschland im März wieder nur bei 1,6 Prozent, in der Eurozone bei 1,5 Prozent nach 2 Prozent im Februar.

Gedrosselte Anleihekäufe

Ab Anfang April, also dem morgigen Samstag, gilt das modifizierte Ankaufprogramm der EZB: Statt Papiere im Volumen von 80 Milliarden Euro wird die Zentralbank dann Anleihen im Wert von nur noch 60 Milliarden Euro im Monat aufkaufen. “Das sollte zumindest die Situation am Sekundärmarkt etwas entspannen”, meint Klaus Stopp von der Baader Bank. Die Wahlen in Frankreich, der Brexit und die Unberechenbarkeit der US-Regierung seien aber nach wie vor die größten Unsicherheitsfaktoren. “Deshalb werden die Investoren sich nicht am Rentenmarkt verabschieden, sondern im Zweifelsfall in kleineren Mengen weiter investieren.”
Floater gesucht Im Bereich der Corporate Bonds wird eine Anleihe der Bayer-Abspaltung Covestro (WKN A169MH) mit Laufzeit bis September 2024 und Kupon von 1,75 Prozent derzeit gut nachgefragt, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet. Bei einem Kurs von 105,64 Prozent ergibt sich aktuell eine Rendite von 0,96 Prozent.
Brunner zufolge sind Floater derzeit beliebt, etwa von der BNP Paribas (WKN PBHKTF). “Damit laufen Anleger in kein Zinsänderungsrisiko.” Im Fall der BNP Paribas-Anleihe wird der Zins zum Beispiel vierteljährlich angepasst. Darüber hinaus hat der Händler auch reges Interesse an soliden Mittelstandsanleihen beobachtet. “Alles, was über 100 Prozent notiert, wird gerne gekauft.” Als Beispiel nennt er die Anleihe des finnischen Finanzdienstleisters Ferratum (WKN A2AAR2), die aktuell bei 103 Prozent gehandelt wird.
Daniel BMW kann nicht überzeugen

Nach Volkswagen kam nun auch BMW mit neuen Bonds auf den Markt – hier aber mit kleinanlegerfreundlicher Stückelung von 1.000 Euro. Die erste Tranche (WKN A19FK5) läuft bis Juli 2020 und bietet 0,125 Prozent, die zweite (WKN A19FK6) bis April 2025 und 0,875 Prozent. “Für Privatanleger ist das angesichts der niedrigen Kupons aber völlig uninteressant, wie die Umsätze hier auch zeigen”, bemerkt Brunner. “Solche Anleihen werden von großen Institutionellen bei Emission gekauft. Im Sekundärmarkt sind die Papiere zu teuer, das gleicht das Risiko nicht mehr aus.”
Etwas besser sieht es bei einer neuen HeidelbergCement-Anleihe aus, ebenfalls mit 1.000 Euro-Stückelung (WKN A19FK2). Endfällig ist der Bond im April 2026, der Kupon liegt bei 1,625 Prozent. “Das wird gut angenommen”, stellt Daniel fest. Rainer Petz von Oddo Seydler berichtet von einer neuen Anleihe des Düngemittelspezialisten K+S (ISIN XS1591416679), die bis 2023 läuft und einen Kupon von 2,625 Prozent aufweist.
von: Anna-Maria Borse, 31. März 2017, © Deutsche Börse AG

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