Unseren Fledermäusen geht die Nahrung aus

By   /  April 9, 2017  /  Comments Off on Unseren Fledermäusen geht die Nahrung aus

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MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

Headline: Unseren Fledermäusen geht die Nahrung aus

Dramatische Rückgänge der Insektenmengen / Pestizidzulassung verschärfen

Deutschlands Fledermäuse erwachen jetzt aus ihrem Winterschlaf. Doch die Nahrungssuche wird für Fledermäuse immer schwieriger. Fledermausforscher des NABU warnten daher auf einer Tagung im hessischen Wetzlar vor einem drohenden starken Rückgang von Mausohr, Zwergfledermaus und Co.

Braunes Langohr – Foto: NABU/Christian Stein

09. April 2017 – „Unsere Fledermäuse ernähren sich grundsätzlich von Insekten. Doch seit einiger Zeit beobachten wir einen alarmierenden Rückgang unter ihnen, dessen Umfang noch keiner genau kennt“, so Karl Kugelschafter, Sprecher der NABU-Bundesfachausschusses Fledermäuse. Betroffen sind nicht nur einzelne Insektenarten, sondern die Gesamtzahl. Für Fledermäuse ist dies eine fatale Aussicht, ebenso für die gesamte Nahrungskette. „Fledermäuse sind auf Insekten angewiesen, genauso wie Mauersegler oder Schwalben. Sterben die Insekten, werden Blumen und Bäume nicht mehr bestäubt. Unsere gesamte Nahrungskette steht mit dem Zustand der Insektenwelt auf der Kippe“, warnte NABU-Präsident Olaf Tschimpke, der die Tagung in Wetzlar eröffnete.Ab der Abenddämmerung jagen unsere 25 heimischen Fledermausarten vor allem Mücken und Nachtfalter. Um zu überleben, muss eine Fledermaus täglich bis zu einem Drittel ihres eigenen Körpergewichts fressen. Das entspricht bis zu zehn Gramm, allein in den Sommermonaten kommt so rund ein Kilogramm Insekten-Nahrung zusammen.

Abstimmen für eine naturfreundlichere Landwirtschaft

Derzeit befragt die EU-Kommission Europas Bürger zu ihren Erwartungen an die zukünftige Landwirtschaftspolitik. Noch bis zum 2. Mai können verschiedene Fragen beantworten werden, unter anderem zum Einsatz von Pestiziden und zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Die Ergebnisse fließen in den Entscheidungsprozess der EU ein, wie die Agrarpolitik ab 2021 ausgestaltet wird. Derzeit machen die Agrar-Subventionen rund 60 Milliarden Euro pro Jahr und 40 Prozent des EU-Haushalts aus. Diese Gelder werden weitgehend ohne Auflagen verteilt. EU-Agrarkommissar Phil Hogan will Ende des Jahres erste Optionen festlegen, im Frühjahr 2018 soll ein konkreter Vorschlag folgen, wie die Subventionen künftig verteilt werden. Zur Online-Konsultation bietet der NABU eine Online-Tool. Interessierte können hier ihre Stimme für eine naturverträglichere Landwirtschaft abgeben.

Neueste Studien werteten die 400 in Wetzlar versammelten Fledermauskundler als Alarmsignal. In Nordrhein-Westfalen haben Untersuchungen unlängst belegt, dass die Gesamtbiomasse der Insekten hier in den vergangenen 15 Jahren um bis zu 80 Prozent zurückgegangen ist. Auch der Blick auf die Rote Liste ist alarmierend: Jede zweite Wildbienenart ist hierzulande inzwischen in ihrem Bestand gefährdet. „Bislang existieren nur einzelne punktuelle Untersuchungen zum Rückgang der Insekten. Das kann nicht die Lösung sein. Wir brauchen endlich ein bundesweites Monitoring, das dauerhaft den Zustand unserer Insektenwelt erfasst“, forderte NABU-Präsident Tschimpke. Schon zur kommenden Legislaturperiode solte dies umgesetzt werden.

Bechsteinfledermaus – Foto: Dietmar Nill

Hauptursache für den Rückgang der Fledermäuse ist – neben dem Verlust an geeignetem Wohnraum – der Einsatz von Insektiziden in einer immer monotoneren intensiven Landwirtschaft. Durch Pflanzenschutzmittel und andere Pestizide sind Insekten oft mehrfach belastet. Nimmt eine Fledermaus solche Insekten auf, reichern sich die Gifte in ihrem Körper an, schwächen die Tiere selbst oder ihren Nachwuchs.Der NABU fordert daher, alle kritischen Insektizide endlich auf ihre Auswirkungen hin zu überprüfen. Erst wenn nachgewiesen ist, dass Stoffe keine schädigenden Folgen für die Ökosysteme haben, können sie zugelassen werden. Außerdem muss die Bundesregierung dafür sorgen, dass der Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft drastisch reduziert wird, auf EU-Ebene muss sie sich zudem für ein grundsätzliches Verbot bienenschädlicher Neonikotinoide einsetzen. Auch die Kommunen sieht der NABU in der Pflicht: Auf ihren eigenen öffentlichen Flächen sollten sie die Anwendung von Glyphosat und weiteren Pestiziden verbieten.

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