Wo enden unsere Körper? Wo beginnt die Technik? Forum über den Menschen als Cyborg

By   /  April 12, 2017  /  Comments Off on Wo enden unsere Körper? Wo beginnt die Technik? Forum über den Menschen als Cyborg

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MIL OSI – Source: Volkswagen Stiftung –

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Nach den beiden Weltkriegen seien Prothesen zum Sinnbild geworden für “eine körperliche und soziale Wiederherstellung”, so Borck. Einerseits haben sie den Menschen an die maschinisierte Arbeitswelt angeschlossen und so zu dessen Entfremdung beigetragen. Andererseits habe ein Nachbau menschlicher Funktionen als Teil einer Aufklärung immer auch die Aussicht auf Erkennen und Verstehen geborgen.
Polarisierung und Verflechtung
Prof. Dr. Cornelius Borck ist sich sicher: “Die polarisierende Gegenüberstellung einer guten Medizin, die dem Menschen Ersatz für Verlorenes bietet, und einer ethisch bedenklichen Optimierung von Körpern muss aufgelöst werden.” Vielmehr seien beide Kategorien untrennbar verflochten, da technische Lösungen immer auch nach den Grundlagen von Funktionen fragten und diese funktional abstrahierten. Der Nachbau eines Sprunggelenks knickt niemals weg und Retina-Prothesen sind auf den Infrarotbereich angewiesen. “Die Verbesserung ist Teil der Ersatzlösung,” erläutert Borck, “da entstehen dann zwangsläufig Cyborgs mit integrierten Nachtsichtgeräten.”
Eingliederung und Normalisierungszwang
Prothesen ermöglichten Menschen mit Behinderung einerseits größere gesellschaftliche Anerkennung und erleichterten ihren Alltag, weist Prof. Dr. Cornelius Borck auf ein weiteres Dilemma hin – hinter ihnen stehe schlimmstenfalls aber auch ein Normalisierungszwang. “Es darf nicht darum gehen, eine Behinderung für die Umgebung unsichtbar zu machen”, ist Borck überzeugt.
Er fordert ausreichend Raum zur Anerkennung abweichender Lebensformen innerhalb der Gesellschaft. Zwar sei es inzwischen nicht mehr stigmatisiert, seine Verletzungen zu zeigen – der US-Soldat Bryan Anderson war beispielsweise als Dreifach-Amputierter auf dem Titelbild des Magazins Esquire. “Aber eine solche Heroisierung hat eben keinerlei Alltagsdimension”, gibt Borck zu bedenken.
Bewegungsmodi und Programmierung
Einen Einblick in praktische Lösungsansätze hat sich Prof. Dr. Hubert Egger für seinen Impulsvortrag vorgenommen. Er lehrt an der Fachhochschule Oberösterreich in Linz im Studiengang Medizintechnik und ist Experte für bionische Prothetik. Zudem forscht er auch in einer angeschlossenen Klinik für plastische und rekonstruktive Chirurgie.
“Mensch und Prothese müssen über das Nervensystem miteinander verbunden werden”, erklärt er. Die High-Tech-Prothesen, die er entwickle, ermöglichten eine aktive Fortbewegung, ihre Hydrauliksysteme setzten elektronisch steuerbar Beschleunigung und Bremsen um. Der Anwender kann über eine Fernbedienung verschiedene Bewegungsmodi programmieren. “Das ist der Stand der Technik,” ergänzt Egger, “das ist bereits kommerziell erhältlich.”

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