Börse Frankfurt Magazin: “Uran – strahlende Aussichten”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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24. April 2017. MÜNCHEN (menthamedia). Die Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 bedeutete einen harten Einschnitt für die Uranbranche. In Japan wurden alle übrigen Atomkraftwerke außer Betrieb gesetzt und in vielen Teilen der Welt stellte man die Kernenergie zur Diskussion. In Deutschland wurde gar ein kompletter Atomausstieg beschlossen. Weil der Uranmarkt schon zum damaligen Zeitpunkt von Überkapazitäten gekennzeichnet war, setzte der Uranpreis im Anschluss an die japanische Tragödie zu einem langjährigen Abwärtstrend an, der bei unter 20 US-Dollar je Pfund mit dem tiefsten Preisniveau seit 12 Jahren Ende des vergangenen Jahres seinen vorläufigen Endpunkt gefunden hat. 2015 hatte der Preis für Uran noch bei rund 40 US-Dollar notiert, im Jahr 2010 wurde das Pfund Uran sogar für mehr als 70 US-Dollar gehandelt.
Zurückgehende Uranproduktion
Für Branchenkenner war es deshalb nur eine Frage der Zeit, bis die größten Uranproduzenten angesichts des unwirtschaftlichen Marktpreises Produktionskürzungen bekannt geben würden. Schon im vergangenen Jahr hat der kanadische Branchenriese Cameco seine Produktion um 7 Millionen Pfund auf 26 Millionen Pfund zurückgefahren. Mit Minen in Kanada, USA, Kasachstan und Australien zählt Cameco zu den führenden Uranproduzenten der Welt. Anfang Januar dieses Jahres gab das staatliche kasachische Unternehmen Kazatomprom eine Kürzung seiner Uranproduktion um 10 Prozent bekannt. Jahrelang hatte die Gesellschaft ungeachtet der Überkapazitäten und des sinkenden Preisniveaus ihre Produktion erhöht und sich damit bis zuletzt einen Marktanteil von 40 Prozent gesichert. Während langfristige Abnahmeverträge zwischen Betreibern von Kernkraftwerken und den Uranproduzenten stets auf einem deutlich höheren Niveau ausgehandelt wurden, drückte das hohe Angebot permanent auf den Spotpreis, der ohnehin nicht wie viele andere Rohstoffe rund um die Uhr, sondern nur einmal wöchentlich festgestellt wird.
Weltweite Investitionen in die Kernenergie
Die Kapazitätskürzungen bei zwei der weltweit größten Anbieter sind ein guter Schritt, um den Markt in ein Gleichgewicht zu bringen. Für die kommenden Jahre skizzieren Branchenexperten schon heute ein Angebotsdefizit. Denn während in Deutschland unbeirrt am Atomausstieg festgehalten wird, investieren viele andere Länder rund um den Globus massiv in den Ausbau der Kernenergie. Insgesamt befinden sich heute weltweit 67 neue Reaktoren und damit mehr als jemals zuvor in der Konstruktionsphase. Das Europäische Atomforum Foratom geht davon aus, dass im Jahr 2050 noch immer 14 EU-Mitgliedstaaten Kernkraftwerke betreiben werden. Das größte Wachstum sieht die Branche derzeit jedoch in Asien, wo gerade die Mega-Städte ihre massiven Probleme mit der Luftverschmutzung kaum ohne emissionsfreie Stromgewinnung aus Atomkraftwerken in den Griff bekommen können.
Ehrgeizige Energieziele in China und Indien
In China entstehen gerade 26 neue Anlagen, im Jahr 2025 möchte man rund 100 Reaktoren am Netz haben und damit in etwa so viele wie die USA, dem momentan größten Produzent von Atomstrom. Indien, wo sich gerade sechs Atomkraftwerke im Aufbau befinden, hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 den Anteil von Atomstrom am Energiemix von zuletzt 3 Prozent auf 25 Prozent zu erhöhen, was umso ambitionierter erscheint, da sich der Strombedarf des Landes in den kommenden 30 Jahren kräftig erhöhen wird. Die japanische Nuclear Regulation Authority hat gerade die Kenkai-Reaktoren 3 und 4 nach den neuen regulatorischen Standards freigegeben und die Zahl der positiv geprüften Reaktoren des Landes damit auf 10 erhöht. Nach Einschätzung des japanischen Institute of Energy Economics werden bis zum März nächsten Jahres 19 Kernkraftwerke ihren Betrieb wieder aufgenommen haben. Weltweit werden Ende des Jahres netto 17 Reaktoren mehr am Netz sein, 2018 kommen weitere 10 Anlagen hinzu, 2019 wird sich die Zahl der weltweiten Atomkraftwerke voraussichtlich nochmals um 12 erhöhen.
Anstieg des Uranpreises fast vorprogrammiert
Die Analysten des kanadischen Researchhauses Cantor Fitzgerald rechnen deshalb mit einem Anstieg der Nachfrage von derzeit 175 Mio. Pfund auf 228 Mio. Pfund Uran im Jahr 2025, der von den bestehenden Produktionsstätten kaum befriedigt werden kann. Zwar befinden sich vielversprechende Uranvorkommen in der Entwicklung, doch die High-Grade- und damit kostengünstigen Projekte im kanadischen Athabasca-Becken werden im besten Fall erst Mitte des kommenden Jahrzehnts die Produktionsreife erlangen, und die größeren Uran-Projekte in Afrika rechnen sich meist erst ab einem Uranpreisniveau von 80 US-Dollar je Pfund. Die Erholung des Uranpreises in den ersten beiden Monaten des Jahres von den Tiefs um 18,50 US-Dollar auf 25 US-Dollar könnte deshalb nur ein Anfang einer langfristigen Aufwärtsbewegung sein, die aber schon kurzfristig an Fahrt gewinnen könnte, denn gerade in den USA laufen zahlreiche zwischen 2005 und 2010 geschlossene Lieferabkommen nun nach und nach aus und müssen neu verhandelt werden. Experten schätzen, dass per 2019 rund 25 Prozent des weltweiten Uranbedarfs bislang nicht über Abnahmeverträge gesichert sind, und per 2025 sogar drei Viertel der benötigten Uranlieferungen noch nicht fixiert wurden. Weitere Preissteigerungen bei Uran scheinen damit so gut wie vorprogrammiert.
24. April 2017. © MenthamediaDas Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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