Wochenausblick: Achtsamkeit bleibt geboten

By   /  April 24, 2017  /  Comments Off on Wochenausblick: Achtsamkeit bleibt geboten

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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24. April 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Anleger atmen nach den Wahlergebnissen aus Frankreich auf und schicken deutsche Aktien mit deutlichen Gewinnen in die neue Woche. Dennoch bleiben die politischen Unwägbarkeiten Thema im Aktienhandel. Gerade mit Blick auf die US-Wirtschaftspolitik sind Markus Reinwand zufolge zu viele Vorschusslorbeeren verteilt worden. Mit den stark stimmungsgetriebenen guten Verbraucher- und Unternehmensumfragen hätten die realwirtschaftlichen Daten nicht ganz mithalten können. “Enttäuschungen scheinen somit vorprogrammiert.”
Übers Ziel hinaus geschossen?
Der Analyst der Helaba bleibt bei seiner bisherigen Bewertung, dass sich Aktien dies- und jenseits des Atlantiks mittlerweile oberhalb des langfristigen Normalbandes bewegen und damit teuer sind. Das Chance-Risiko-Verhältnis von Unternehmensanteilen sei nicht mehr hinreichend attraktiv. Zudem zeichne sich bislang auch keine besser als erwartete Dynamik der Unternehmensgewinne ab. “Nachhaltig höhere Notierungen sind auf Sicht der kommenden Monate unseres Erachtens wenig wahrscheinlich.”So mancher hiesige Anleger sähe das ähnlich und hätte bereits seine Aktienquote etwas zurückgefahren.
Vorsicht angebracht In diesem Zusammenhang geht die Helaba der Frage nach, was an der Börsenregel “Sell in May and go away” statistisch gesehen dran ist. Rückrechnungen bis zum Jahr 1965 belegten eine signifikant niedrigere DAX-Performance von Mai bis Oktober im Vergleich zu November bis April. “Ähnliche Saisonmuster weisen im Übrigen auch die meisten anderen Aktienindizes auf.” Reinwand führt dies im Wesentlichen auf die dramatischen Kursverluste während der Baisse in den Jahren 1990, 2000 bis 2002 und zum Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008 sowie im Zuge der Euro-Staatsschuldenkrise 2011 zurück. Während saisonales Timing keinesfalls alleinige Basis für Anlageentscheidungen sein sollte, sprechen dem Helaba-Analysten zufolge in diesem Jahr aber eine Reihe zusätzlicher Argumente für eine zurückhaltende Positionierung bei Aktien. Reinwand Noch Luft nach oben

Trotz Erleichterungsrallye nach der ersten Runde in Frankreich wird der DAX nach Auffassung von Gregor Bauer zunächst in seinen gegenwärtigen charttechnischen Marken verharren. Mit dramatischen Einbrüchen rechnet der unabhängige technische Analyst nur dann, wenn die Präsidentenanwärterin die Stichwahl gewinnen sollte. Danach sehe es derzeit aber nicht aus, da die Franzosen nicht ganz so europafeindlich seien wie die Engländer. “Positive Reaktionen werden beim DAX aber zunächst nicht zu neuen Allzeithochs führen, der Widerstandbereich zwischen etwa 12.180 und dem Rekord um 12.390 Punkte wird halten”, schätzt Bauer. Allerdings könne es im Verlauf ein spekulativ induziertes kurzzeitiges Überschießen über die Futures-Märkte geben.”Nach unten lässt sich zunächst eine kurzfristige Unterstützung im Bereich um 11.800 DAX-Zähler ausmachen.” Dann folgten massivere Zonen um 11.400 und 10.800 Punkte. “Diese sind aber im Laufe dieser Woche wohl kein Thema.DAX bleibt gen Norden gerichtet
Bislang fällt die Performance des DAX im traditionell eher starken April eher enttäuschend aus, wie Franz-Georg Wenner vom Börsenbrief Index Radar zusammenfasst. Allerdings starteten die Aktienmärkte oft erst in der zweiten Monatshälfte durch. “Noch bleibt den Bullen somit Zeit, die Bilanz aufzupolieren”, urteilt der Charttechniker. Allerdings dürften sich die Käufer nun auch keinen Schwächeanfall mehr leisten. “Nach den jüngsten Verlusten steht der DAX im unteren Bereich des seit Ende Januar bestehenden Aufwärtskanals, der Raum bis 12.000 Punkte lässt.” Schon mehrfach habe dieser Kurskorridor dem Index als Auslöser für Wendepunkte auf beiden Seiten gedient. “Dementsprechend negativ wäre ein Ausbruch nach unten zu werten, Verluste bis 11.850 oder sogar 11.700 Punkte wären zu erwarten.” Als wirklich tragfähig schätzt Wenner gar erst die Zone um 11.400 bis 11.480 Punkte ein.Setze sich hingegen erneut der übergeordnet noch intakte Aufwärtstrend durch, bleibe das Potenzial dennoch limitiert. Die nördliche Begrenzung des Kanals verlaufe im Bereich der Rekordmarke bei 12.400 Punkten. “Eine Trendbeschleunigung darüber hinaus ist kaum zu erwarten, zumal im Mai auch die saisonal günstige Phase ausläuft.”
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Donnerstag, 27. April
13.45 Uhr. Euroraum: EZB-Zinsentscheidung. Zwischenzeitlicher Spekulationen über früher als erwartete Zinserhöhungen im Euroraum zum Trotz erwartet die HSBC weiterhin eine Geldpolitik der ruhigen Hand. EZB-Präsident Mario Draghi und EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sei es mit Hinweis auf mangelndes Lohnwachstum und fehlenden Preisdruck gelungen, entsprechende Erwartungen wieder einzufangen. Zwar stimmten die wirtschaftlichen Vorlaufindikatoren für die Eurozone weiterhin optimistisch, die “harten” Konjunkturdaten hätten bislang den rosigen Eindruck aber nicht bestätigt. Obendrein dürfte auch der Rückgang der Inflation auf 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat Gedankenspiele einer weniger expansiven Geldpolitik eingefangen haben.Freitag, 28. April
11.00 Uhr. Euroraum: Konsumentenpreise April. Einen Tag nach der EZB-Sitzung werden die neuen Inflationsdaten aufgrund der späten Osterfeiertage laut HSBC-Analysten zwar einen Wiederanstieg der Teuerung auf 2 Prozent in der Jahresrate belegen. Der Zenit des Preisanstiegs in der Eurozone werde aber aller Voraussicht nach überschritten sein. Vor diesem Hintergrund sei der April nicht der richtige Zeitpunkt für eine Diskussion um eine Neuausrichtung der hiesigen Geldpolitik.
14.30 Uhr USA: Bruttoinlandsprodukt Januar bis März. Wie in den Jahren zuvor ist die US-Wirtschaft der DekaBank zufolge schwach in das Jahr gestartet. Im ersten Quartal werde das Bruttoinlandsprodukt um lediglich 0,7 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr gewachsen sein. Das Bureau of Economic Analysis bemühe sich zwar, die Probleme mit der unzureichenden Saisonbereinigung zu beheben, diese seien für den schwachen Jahresstart hauptverantwortlich. Das entsprechende Projekt sei aber auf drei Jahre ausgelegt, Verbesserungen wirkten daher nur langsam. Hingegen scheine es mit der Investitionsdynamik nun endlich voran zu gehen.
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Von: Iris Merker
24. April 2017, © Deutsche Börse AG

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