Devisen: Spielball der Austrittsverhandlungen

By   /  April 27, 2017  /  Comments Off on Devisen: Spielball der Austrittsverhandlungen

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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26. April 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Erleichterung über den Ausgang von Runde eins der französischen Präsidentschaftswahlen sorgte für Bewegung an den Devisenmärkten. Gegenüber dem US-Dollar machte die Gemeinschaftswährung seit Wochenbeginn einen Sprung von 1,07 auf 1,09 US-Dollar. Im Verhältnis zum Yen verteuerte sich der Euro von 117 auf 121 Yen.
Analysten gehen mehrheitlich davon aus, dass der pro-europäische Emmanuel Macron bei der Stichwahl am 7. Mai als Sieger über Marine Le Pen hervorgehen wird. Unter anderem sprechen nach Ansicht von Uwe Burkert von der LBBW die Zahlen der Vergangenheit für den parteilosen Präsidentschaftsanwärter. In Frankreich liege die Wahlbeteiligung in der Stichwahl meist ein wenig über der ersten Runde. “2002, als Marine Le Pens Vater Jean-Marie überraschend in die zweite Runde einzog, stieg sie sogar von 72 auf 80 Prozent.” In einem deutlichen Mobilisierungseffekt habe Le Pen Senior seine Stimmenzahl in der Stichwahl lediglich um 700 Tausend auf 5,5 Millionen steigern können. Wahlsieger Chirac hingegen habe auf einen Schlag 20 Millionen Stimmen zusätzlich erhalten. Gegen diese Wahlarithmetik werde Le Pen vermutlich wenig ausrichten können.
Pfund wird Verhandlungsdruck spüren

Politisch getrieben werde auch die britische Währung. Die Aufwertung des Pfund zum Euro nach der Verkündung von Neuwahlen in Großbritannien wurde durch den Auftrieb der Gemeinschaftswährung nach der Wahl in Frankreich weitestgehend wieder neutralisiert. Der Devisenmarkt hofft auf eine eher einvernehmliche Brexit-Lösung, begründet Christian Apelt die zwischenzeitliche Zuversicht. Ohne Auf und Ab kommen die Verhandlungen nach Meinung des Helaba-Analysten allerdings nicht aus. “Selbst wenn es – wie wir erwarten – am Ende einen Kompromiss gibt, wird die zweijährige Verhandlungsphase kompliziert.” Erfahrungsgemäß würden bei EU-Gesprächen erst dann Einigungen erzielt, wenn sie zu scheitern drohen. “Allein deshalb sollte die britische Währung phasenweise unter Druck stehen.”
Weniger Wachstum Insgesamt habe sich das Pfund Sterling nach dem Einbruch im Juni 2016 recht stabil gehalten und teilweise sogar erholt. Einen Grund sieht Apelt in der bislang erstaunlich robusten Konjunktur Großbritanniens, im zweiten Halbjahr vergangenen Jahres habe sich das Wachstum überraschenderweise sogar leicht beschleunigt. Mittlerweile verliere die britische Wirtschaft aber doch an Fahrt. Neben einem vermutlich langsamer wachsenden Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal stiegen die Preise für Wohnimmobilien weniger stark. Auch verbuche der Einzelhandel den stärksten Umsatzrückgang seit 2010. Statt mit 1,8 Prozent werde die britische Wirtschaft im kommenden Jahr mit knapp 1,5 Prozent weniger expandieren. “Die mit dem Brexit einhergehende Unsicherheit sollte sukzessive die Unternehmensinvestitionen belasten.” Apelt Euro mit Aufstiegschancen

Zinsanhebung ja, Zurückführen der Bilanz nein. Dieses Handlungsszenario der Bank of England zeichnet ETF Securities. Dem gegenüber werde Mario Draghi voraussichtlich bald mit dem Tapering beginnen. “Wegen der dramatischen wirtschaftlichen Verbesserungen und den steigenden Inflationserwartungen glauben wir, dass die Europäische Zentralbank ihr Quantitative Easing-Programm mit Ende des Jahres einstellen könnte”, meint James Butterfill, der den Euro in diesem Zusammenhang in den kommenden Monaten auf 1,10 Pfund zusteuern sieht. Aktuell kostet ein Pfund 1,18 Euro. “Die Zentralbanken müssen eine sehr feine Balance zwischen der zweifachen Gefahr von Inflation und Rezession finden.” Das sieht Apelt ähnlich. “Wenn sich im Jahresverlauf abzeichnet, dass sich die EZB allmählich von ihrer extrem expansiven Politik verabschiedet, dürfte der Euro-Pfund-Kurs phasenweise wieder bis 0,90 ansteigen.”
Dollar-Pfund-Kurs mittelfristig stabil

In den USA wird die Zentralbank nach Meinung von Butterfill im Juni erneut handeln. Notenbankchefin Yellen habe im März betont, mit weiteren Erhöhungen – insgesamt erwarten Analysten drei bis vier Zinsschritte in diesem Jahr – nicht zu lange warten zu wollen. “Eine straffere Geldpolitik als vom Markt erwartet, könnte den US-Dollar bis Ende 2017 den Boden wieder finden lassen, den er im ersten Halbjahr verloren hatte”, prognostiziert Butterfill.
“Sowohl die britische als auch die US-Wirtschaft bieten ein gewisses Enttäuschungspotenzial”, urteilt Apelt. Trotz möglichem Druck für das Pfund, sieht die Helaba den US-Dollar im Verhältnis zum Sterling auf mittlere Sicht stabil in etwa auf dem aktuellen Kurs um 1,28.
Yen tendenziell stärker
Die japanische Notenbank sieht derzeit hingegen keinen Handlungsbedarf. Auf ihrer heutigen Sitzung werden die Zentralbanker nach Ansicht der HSBC den Leitzins unverändert bei 0,1 Prozent belassen und zudem nach wie vor eine Rendite von 0 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen anstreben. Steigende Exporte und eine stärker werdende industrielle Aktivität hätten zuletzt zwar zu einer besseren Auslastung des Arbeitsmarktes geführt. “Bisher fehlen aber Anzeichen für einen anziehenden Lohn- und damit auch Inflationsdruck, was eine notwendige Bedingung für einen Richtungsschwenk der Notenbank wäre.” Zudem werde die zum Anfang des Jahres gestartete Aufwertung des Yens anhalten und den Preisdruck weiter dämpfen. Bis Ende 2017 sollte die japanische Währung im Verhältnis zum Greenback weiter in Richtung 110 Yen steuern, wie die HSBC-Analysten erwarten. Der Währung kämen die auf 0 Prozent verharrenden Renditen langlaufender Bonds zugute während gleich laufende Papiere in den USA eher rückläufig tendierten.
von: Iris Merker

26. April 2017, © Deutsche Börse AG

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