„Farbe bekennen für die Demokratie!“

By   /  May 9, 2017  /  Comments Off on „Farbe bekennen für die Demokratie!“

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MIL OSI – Source: DOSB –

Headline: „Farbe bekennen für die Demokratie!“

09.05.2017
Die Diskussionen und Debatten beim Kongress „Allianz für Weltoffenheit“ haben viel Phantasie und Kreativität der Zivilgesellschaft in Deutschland für die Stärkung der Demokratie und der Solidarität deutlich gemacht.

Der gemeinsame Stand von Integration durch Sport, dsj und DOSB auf dem Kongress. Plenum “Stresstest für Demokratie und Weltoffenheit”. Fotos: DOSB/Jörn Neumann

Es sei eine Menge Energie in der Gesellschaft zu spüren, die Herausforderungen für  Weltoffenheit „wirklich anzugehen, etwas dafür zu tun, sich zu engagieren, sich einzusetzen“ lautete das allgemeine Fazit.
Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der den Kongress initiiert hatte, war zuversichtlich, dass die Zivilgesellschaft die Kraft hat, die Probleme anzugehen und zu bewältigen. Allerdings brauche die Gesellschaft mehr „Räume der Begegnungen“, wo Menschen lernen können, einander zu verstehen. Buntenbach betonte, alle Institutionen der Allianz seien Akteure in der Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus und Demokratiefeindlichkeit. „Aber“, mahnte sie, „wir sind auch Adressaten. Das heißt, wir müssen uns auch innerhalb unserer Organisationen mit diesen Themen auseinandersetzen, unsere eigenen Leute mitnehmen und stärken.“
DOSB-Präsident Alfons Hörmann bestätigte diese Sicht. Der organisierte Sport mit dem Dachverband DOSB als größte Bürgervereinigung des Landes sei auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. „Wir sind mit allen Stärken und Schwächen der Nation ausgestattet, um das einfach und analytisch zu formulieren. 30 Prozent unserer Vereine haben mittlerweile Menschen anderer Nationalitäten in ihren Vorstandsteams. 8,6 Millionen Menschen sind ehrenamtlich engagiert. Dennoch sind wir als große Organisation nicht davor gefeit, in all den spezifischen Problemen, so auch des Rechtspopulismus und anderer verwerflicher Gesinnungen immer mal wieder auf Probleme zu stoßen.“ Aber mit den Ethik- und Complianceregeln in den Sportverbänden sei eine entsprechende Struktur geschaffen, um dagegen vorzugehen. „Wir können sie nur dadurch lösen, dass möglichst gut geführt und eng kontrolliert wird.“ Schwarze Schafe werde es immer geben, so Hörmann. „Es gilt, gegen diese vorzugehen. Wir tun es.“
Was auf den Podien im großen Saal des Maternushaus vielfach noch etwas theoretisch klang, war im Foyer beim „Markt der Möglichkeiten“ zum Anfassen ausgelegt. Etliche Broschüren, Aufkleber und Anstecker der Allianzpartner und vielfältiger Unterstützer zeigten klar den praktischen Bezug zu der Aufforderung des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Der formulierte am Ende seiner Grußbotschaft zu Beginn der Veranstaltung: „Farbe bekennen für die Demokratie!“    
Etliche Organisationen von der Arbeiterwohlfahrt, über die Bundeszentrale für politische Bildung, dem Netzwerk für Demokratie und Courage bis zum Zentralrat der Muslime in Deutschland taten dies und stellten hier ihr Initiativen und Projekte vor. Auch der Sport war stark vertreten durch den DOSB, die Deutsche Sportjugend (dsj) und den Landessportbund Nordrhein-Westfalen. 
Alfons Hörmann sagte zuvor, der DOSB stelle sich in seinen Organisationen der gesellschaftlichen Verantwortung. Die Deutsche Sportjugend veranstalte „unzählige Foren und Demokratiekongresse zu diesen Themen“. Mit rund 600.000 Lizenzen sei der Sport der „größte Bildungsträger unseres Landes“.
IdS: Im Kleinen zu zeigen, was im Großen für die Gesellschaft notwendig ist
Am Stand des DOSB erläuterten die Expertinnen des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ (IdS) die Projekte für spezifische Zielgruppen. In Sportvereinen treffen Menschen aus unterschiedlichen sozialen Milieus aufeinander und teilen ihre Freude an der Bewegung. Das Programm „Integration durch Sport“ wirke darauf hin, Menschen mit Migrationshintergrund zum Sport und zu ehrenamtlichem Engagement im Verein zu animieren, sagt Heike Kübler, die Leiterin des Programms beim DOSB. „Nicht allein um diesen Teil ihrer Lebenswelt mitzugestalten, sondern um im Kleinen zu zeigen, was im Großen, für die Gesellschaft, ebenso notwendig ist.“
Viele Menschen würden die emotionale Kraft des Sporttreibens kennen, bei dem ein Gemeinschaftsgefühl entstehe, ohne dass ein sprachliches Verständnis zwingend vorausgesetzt wäre, so Kübler. „In Sportvereinen kann aus dieser Begegnung deutlich mehr entstehen, nämlich gemeinsames Entscheiden und Handeln. Oftmals entwickeln sich daraus Beziehungen, die über den Sport in andere Bereiche des gesellschaftlichen Lebens hineinwirken.“ Allerdings seien vor allem Mädchen, Frauen und ältere Menschen mit Migrationshintergrund deutlich seltener Mitglieder als diejenigen ohne, sagt Kübler. „Diese Personen stärker anzusprechen, ist einer der Schwerpunkte der Integrationsarbeit im Programm von IdS.“
Seit mehr als 25 Jahren fördert die Politik das Bundesprogramm. Der Deutsche Bundestag beschließt die finanzielle Förderung des Programms, das Innenministerium (BMI) und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) setzen den Beschluss um und begleiten die Integrationsarbeit des DOSB. Dabei umfasst die Zusammenarbeit zwischen Sport und Politik längst mehr als funktionale Aspekte, denn die Verantwortlichen in Ministerium und Bundesamt sind zugleich wichtige Berater und Mittler zu anderen gesellschaftlichen Akteuren und Akteurinnen, etwa den Migrantenorganisationen oder Wohlfahrtsverbänden. Innerhalb des organisierten Sports arbeitet der DOSB eng mit allen Landessportbünden und -sportjugenden (LSB) zusammen.
Nähere Informationen zu den Projekten
dsj: Förderung der Vielfalt
Das Herzstück der Integrationsarbeit der Deutschen Sportjugend ist der Materialordner „Sport mit Courage – Vereine und Verbände stark machen gegen Rechtsextremismus“. Dieser Band gibt konkrete Hilfestellung zu den vielfältigen Fragen rund um das Thema Diskriminierung und rassistische Konflikte im organisierten Sport. Neben Informationen zu rechtsextremen Symbolen und Codes enthält er Hinweise zu Satzungsergänzungen und Formulierungsvorschläge zu Mietverträgen von Sporträumen. Das praxisorientierte Kapitel „Pädagogische Tipps“ ist nach Schlagworten untergliedert und gibt zunächst Kurzinformationen zum jeweiligen Thema. Im Anschluss daran folgen Übungen und Aktivitäten, die in der Sportvereinspraxis, bei Trainingslagern oder in den Qualifizierungen für Trainer und Übungsleiterinnen helfen, das jeweilige Thema zu bearbeiten. Die Übungen sind nach Schlagworten unterteilt, wie Antisemitismus, Antiziganismus, Homophobie/Sexismus, Identität, Integration, Kultur, Nationalstolz/Stolz, Rassismus, Rechtsextremismus, Toleranz, Vielfalt und Zivilcourage.
Außerdem stellte die dsj zwei Broschüren vor, die sich mit der interkulturellen Integration auseinandersetzen: „Interkulturelle Öffnung im organisierten Kinder – u. Jugendsport“ heißt die eine Arbeitshilfe, die Jugendorganisationen im Sport helfen kann, sich auf dem Weg zur interkulturellen Öffnung selbst zu analysieren und einzuschätzen. Sie soll dazu anregen, Ansatzpunkte für die interkulturelle Öffnung in der eigenen Organisation zu identifizieren. Wichtigstes Ziel ist die Förderung der Vielfalt und die gegenseitige Anerkennung und Wertschätzung.
Die zweite Broschüre „Interkulturelles Training“ bündelt Materialien und Übungen für den Einsatz in der Jugendarbeit im Sport. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund stellen keine unbedeutende Minderheit dar: Etwa 30 Prozent der in Deutschland lebenden Kinder haben einen Migrationshintergrund. Bei den unter Fünfjährigen liegt ihr Anteil in Städten wie Frankfurt am Main, Nürnberg, Düsseldorf oder Stuttgart bereits über 60 Prozent. Während Jungen in Sportvereinen (Schwerpunkt: Fußball, Basketball und Kampfsportarten) überrepräsentiert sind, spielt Sport in der Freizeit von Mädchen mit Migrationshintergrund eine eher untergeordnete Rolle. Um die besonderen Interessen und Bedürfnisse dieser wachsenden Gruppe ganz bewusst in den Blick zu nehmen, bemüht sich die Deutsche Sportjugend um einen interkulturellen Dialog, zu dem das „Interkulturelle Training“ einen wichtigen Baustein beiträgt.Beide Broschüren werden gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus Mitteln des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP).
Nähere Informationen zu den Handlungsfelder der Deutschen Sportjugend 
LSB NRW: “Das habe ich im Sport gelernt”
Eine herausragende Kampagne für den Sport hat der Landessportbund Nordrhein-Westfalen entwickelt. „Das habe ich im Sport gelernt“ will das Bild des Sports in den Köpfen der Gesellschaft ändern. Sie startete 2015 mit der Botschaft: Nicht nur in Kita, Schule und Studium lernt man für sich und das Leben, sondern auch im Sportverein. „Bildung ist nach moderner Definition ein lebenslanger Lernprozess, der Persönlichkeitsentwicklung und Selbstbestimmung fördert“, heißt es auf der Website des LSB. Genau das geschieht im Sportverein. Wer Sport treibt „lernt am eigenen Leib“ und bildet sich nicht nur in motorischer Hinsicht, sondern zum Beispiel auch in sozialer und kognitiver Weise.
Ausführliche Informationen zum Thema
(Quelle: DOSB)

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