Warum ist der Populismus so populär?

By   /  May 9, 2017  /  Comments Off on Warum ist der Populismus so populär?

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MIL OSI – Source: Bosch Stiftung –

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Von Frankreich nach Holland und zurück

Was also treibt die Leute an? In einer Pause tauscht sich Ivan Fischer bei einer Tasse Kaffee mit Miriam Pepper aus, einer erfahrenen US-amerikanischen Journalistin. “Der wachsende Populismus ist ein globales Problem in den meisten entwickelten Ländern”, sagt Pepper. “Die Menschen fühlen sich, als ob ihre Stimme nicht mehr zähle. Es ist unsere Verantwortung, die Menschen besser zu informieren und ihr Vertrauen zurückzugewinnen.” Nur wie? Sie ist auch gekommen, um die Gemeinsamkeiten zu untersuchen, die zwischen Trump- und Le-Pen-Unterstützern bestehen. Jeder der Teilnehmer bringt eine eigene Perspektive mit, so wie Fischer, der angesichts der Geschichte seiner Heimat dazu beizutragen möchte, dass „balkanize“ in Europa nicht Schule macht. Oder wie Maksim Melnyk aus der Ukraine, der aus einer ganz anderen Geschichte heraus die gleichen Schlussfolgerungen zieht wie Fischer: “Wir glauben an die europäische Idee”, sagt er. “Es schmerzt mich, dass sie im Herzen Europas immer weniger wertgeschätzt wird.”Was Europa ausmacht, das verdeutlichen den Beteiligten einmal mehr die unterschiedlichen Perspektiven. Beispielsweise beim Gespräch mit einem hochrangigen Polizeivertreter über Sicherheit und Terrorismus. “Ich kann es noch immer nicht glauben”, sagt der tunesische Journalist Karim Ben Said. “Ich bin von Frankreich nach Holland und zurück nach Frankreich und wurde kein einziges Mal kontrolliert. Ist das nicht gefährlich?” Nein, offene Grenzen innerhalb der EU sollten eigentlich nicht gefährlich sein, erwidert der Beamte. “Offene Grenzen sind ganz normal für uns.” Natürlich, so räumt er schließlich ein, würden mehr Kontrollen die Polizeiarbeit erleichtern, “aber sie widersprechen der Idee von Europa, der wir dienen”.

Sagen, was gut an der EU ist

Diese Idee von Europa, warum ist sie gerade so in Gefahr? Diese Frage schwebt über der gesamten Studienreise. “Manche Politiker nutzen die Angst”, hat Karim Ben Said beobachtet. “Mir fällt auf, dass die europäischen Politiker selten sagen, warum die EU gut für die Leute ist. Sie warnen immer nur: Ohne die EU gibt es eine ökonomische Krise.” Das könnte ein Fehler sein. Vielleicht sollten sie mal mehr davon reden, was gut ist.So wie es Marine Le Pen macht. Nur andersherum und inhaltlich falsch. “Sie sagt zu den Bauern: Wenn wir austreten, bekommt ihr mehr Unterstützung”, erklärt Arnaud Rousseau, Präsident der Französischen Landwirtschaftsunion und Bürgermeister des 300-Seelen-Dorfes Seine et Marne. Schon 70 Kilometer weg von Paris sind die Einwohner mehrheitlich LePen-Anhänger. Warum ist die Landbevölkerung so offen für Populismus, wollen die Journalisten vom Bauernvertreter wissen. “Es ist schwer geworden, von der Landwirtschaft zu leben”, erklärt der. Verarbeitende Betriebe und Discounter drücken die Preise. “20 Prozent der Bauern in schwieriger ökonomischer Situation sehen die Relevanz der EU nicht mehr.” Dafür müsse man mehr tun, als nur die direkten Zahlen zu vergleichen, mehr als das, was Frankreich in Euro bekommt und was es bezahlt.

“Es gibt keinen Grund sich zurückzulehnen”

“Wie wollen Sie es Ihren Schülern später erklären, dass sie nicht mehr frei reisen und nicht mehr ungehindert Geschäfte treiben können, wenn Ihre Partei eines Tages dafür sorgt, dass Frankreich aus der EU austritt?”, will der Ukrainer Melnyk von einem Front National Kandidaten einige Orte weiter wissen. Ein Austritt werde das Reisen nicht beeinträchtigen, antwortet der – und im Übrigen sei er sehr optimistisch, dass sich seine Partei spätestens bei der nächsten Wahl durchsetze. “Die jungen Leute stehen hinter uns, wir werden wachsen.”Gibt es nach der Wahl ein Weiter wie bisher? “Es gibt keinen Grund sich zurückzulehnen”, warnt ein enger Vertrauter von Wahlsieger Emmanuel Macron im Hintergrundgespräch mit den Journalisten: “Es kommen Wahlen in Italien. Wir müssen den Menschen vermitteln, dass Europa sicher ist.” Die Journalisten nicken nachdenklich. “Das ist die zentrale Frage”, sagt Ivan Fischer schließlich. “Wird der Aufstieg des Populismus stoppen, bevor er ernsten Schaden anrichtet?” Es ist nochmal gut gegangen. Aber die Menschen von den Vorteilen Europas zu überzeugen, das bleibt viel Arbeit.

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