Key Note – Innovationen, FinTechs und Regulierung als Triebkräfte im Zahlungsverkehr

By   /  May 18, 2017  /  Comments Off on Key Note – Innovationen, FinTechs und Regulierung als Triebkräfte im Zahlungsverkehr

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MIL OSI – Source: Deutsche Bundesbank –

Headline: Key Note – Innovationen, FinTechs und Regulierung als Triebkräfte im Zahlungsverkehr

GSK PSD2 Konferenz im Palmengarten

Frankfurt am Main
|
17.05.2017

1 Einleitung
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
herzlich willkommen zur GSK PSD2 Konferenz im Palmengarten. Ein passender Ort für eine solche Veranstaltung. Die lichte Stahl-und-Glas-Konstruktion des Palmenhauses selbst war gegen Ende der industriellen Revolution architektonisch “der letzte Schrei”. Eine solche Konstruktion wurde auch vielfach für Industriebauten genutzt. Die neue Gestaltung des Gesellschaftshauses von 2012 ist dagegen “State-of-the Art” im Zeitalter der digitalen Revolution. Diese Verbindung von Palmenhaus und Gesellschaftshaus macht den Reiz dieser “Location” aus. Und ich denke, ich bin damit hier und heute am richtigen Ort, um mit Ihnen über Zahlungsverkehr, einem traditionellen Spielfeld der alten Finanzindustrie, und seinen grundlegenden Veränderungen durch neue Technik, neue Anbieter und neue Regeln zu sprechen.
150 Jahre nach der industriellen Revolution erleben wir heute die digitale Revolution. Industrie ist nun 4.0, auch der Zahlungsverkehr steckt mitten in dieser Entwicklung. Paul Volcker, der frühere Vorsitzenden der Federal Reserve und Berater des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama soll gesagt haben, dass die letzte echte Innovation der Banken der Geldautomat gewesen sei. Mitnichten. Lassen Sie es mich etwas überspitzt ausdrücken: Inzwischen geht es längst nicht mehr darum, dass das Geld aus dem Automaten kommt, sondern darum, wie es in Sekundenschnelle den Weg in die Smartphones findet. Nicht in Cash, sondern cashless versteht sich.
2 Innovationen im Zahlungsverkehr
Dafür gilt es, die Schnittstelle zum Privatkunden mehr und mehr zu digitalisieren. Dem liegen drei Trends zugrunde:
Erstens, Smartphone und Tablet haben dafür gesorgt, dass sich Kundenerwartungen verändern. Die Menschen sind inzwischen daran gewöhnt, ihr mobiles Endgerät in den unterschiedlichen Lebensbereichen einsetzen zu können – wo und wann sie möchten. Warum sollten Bezahlen oder Banking eine Ausnahme bleiben?Damit verbunden ist zweitens, die Erwartung, dass Zahlungen ebenfalls in Echtzeit stattfinden. Wenn ich eine WhatsApp nach Singapur in Sekunden schicken kann, warum dauert eine Überweisung an den Nachbarn immer noch einen ganzen Arbeitstag?Und drittens, gibt es inzwischen viele neue technische Funktionen, die es grundsätzlich ermöglichen, Zahlungen komfortabler anzustoßen. Wer möchte schon auf seinem Smartphone oder Tablet die IBAN eintippen, um eine Rechnung zu bezahlen?Zu den neuen Funktionen gehören unter anderem die NFC- (Near Field Communication-) Technologie, die es erlaubt, kontaktlos an der Kasse zu bezahlen und digitale Wallets, in denen verschiedenste Zahlungsquellen, also Karten oder Bankdaten, hinterlegt werden können. Auch die biometrische Autorisierung zum Beispiel mittels Fingerabdruck und QR-Codes, in denen etwa alle für eine Überweisung notwendigen Angaben verschlüsselt gespeichert werden können, sind neue Entwicklungen, die zur weiteren Digitalisierung des Zahlungsverkehrs beitragen.
Für den Zahlungsverkehr kommt derzeit die Nutzung des Smartphones als Geldbeutel in Reichweite. Die drei augenfälligsten Einsatzgebiete sind: das Bezahlen im Einzelhandel mit dem Mobiltelefon, Zahlungen an Freunde und Bekannte, sogenannte P2P-Payments und  Mobile-Banking, das heißt die vollständige Abwicklung aller Bankgeschäfte über das Mobiltelefon.
Zum Bezahlen im Einzelhandel: Gerade hat das Institut des Deutschen Einzelhandels (EHI) seine Ergebnisse für das Jahr 2016 veröffentlicht. Von den Umsätzen an der Ladenkasse wurden im vergangenen Jahr zwar immer noch rund 51 Prozent in bar bezahlt. Dies ist nur noch knapp mehr als die Hälfte. Der Trend geht seit Jahren zur Kartenzahlung, die zunehmend auch kontaktlos möglich ist. Das Zahlen mit dem Smartphone ist im Handel allerdings noch eine große Seltenheit. Aber es ist inzwischen wenigstens möglich. Verschiedene Verfahren der Kreditwirtschaft und des Handels werden erprobt. Das Spektrum reicht von Blue Code, über QR-Code bis hin zu Zahlencodes, die der Kunde an der Kasse erfährt und in sein Handy eingibt, um die Zahlung zu initiieren.
Damit könnte das Smartphone eigentlich die Geldbörse ersetzen – vorausgesetzt, es gibt genügend Zahler und genügend Händler, die die jeweilige Zahlmethode nutzen oder akzeptieren. Und genau darin besteht der Knackpunkt. Bislang ist noch keines der mobilen Zahlverfahren genügend weit verbreitet. Kunden dürften kaum daran interessiert sein, mehrere Apps auf ihren Smartphones speichern zu müssen, um mobil bezahlen zu können.
Vielversprechend erscheint die NFC-Technologie, das heißt die Möglichkeit, kontaktlos zu zahlen – sowohl mit Karte als auch mit dem Mobiltelefon. Kleinere Beträge müssen nicht einmal mehr autorisiert werden. Mit “Tap-and-go” könnte sich die Geschwindigkeit an der Kasse somit deutlich erhöhen. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass Bequemlichkeit und Schnelligkeit der Methode Zahler und Händler überzeugen.
Die technischen Voraussetzungen sind im Wesentlichen erfüllt. Bis 2018 sollen alle Terminals im Handel NFC-fähig sein, das heißt, sie können kontaktlose Zahlungen annehmen – von physischen Karten und von Smartphones. Nach den Plänen der Deutschen Kreditwirtschaft sollen bis 2020 alle girocards kontaktlos funktionieren. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken werden bereits heute alle neu ausgegebenen girocards mit dieser Funktion ausgestattet.
Zudem arbeitet die Deutsche Kreditwirtschaft daran, die girocard ins Smartphone zu integrieren, um damit ebenfalls kontaktloses Bezahlen zu ermöglichen. Ein Pilotprojekt der Genossenschaftsbanken ist dazu gestartet. Allerdings sind noch einige Hürden zu überwinden, damit die Bankkunden über das Mobiltelefon mit der girocard bezahlen können. Eine größere, nicht technische Hürde besteht nach Aussagen von Marktteilnehmern u. a. in der Zusammenarbeit mit einem US-amerikanischen Smartphoneanbieter, der seine Schnittstelle nicht öffnen möchte, sondern eher planen dürfte, selbst ein Zahlungsverfahren auf dem attraktiven deutschen Markt einzuführen.
Doch nicht nur an der Ladenkasse, sondern auch bei Zahlungen an Freunde und Bekannte spielt das Smartphone zunehmend eine Rolle. Inzwischen gibt es mehrere Angebote, die diese sogenannten P2P-Zahlungen erleichtern. So können beispielsweise die Kosten für einen gemeinsamen Kino- oder Restaurantbesuch geteilt werden. Ohne IBAN oder Gläubiger-ID können Privatpersonen Geld per Handy-App von einem ihrer Kontakte anfordern oder an ihn senden. Dazu muss der Zahler bzw. Zahlungsempfänger nur die Mobilnummer oder die E-Mail angeben. Bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken sowie einigen privaten Banken ist die P2P-Funktion in die jeweilige Banking-App integriert.
Nutzer können aber auch eine von einer Banking-App unabhängige Lösung verwenden. Hier haben verschiedene FinTechs nutzerfreundliche Angebote. Für diese zumeist jungen Start-Ups besteht die Herausforderung darin, beide Marktseiten – Zahler und Zahlungsempfänger – zu überzeugen, um so die benötigte “kritische Masse” zu erreichen.
Was für junge Start-ups gilt, gilt ebenso für paydirekt. Ursprünglich hatten die deutschen Banken paydirekt als Bezahlsystem für den Onlinehandel entwickelt. Vor kurzem erhielt das Gemeinschaftsunternehmen zusätzlich die Erlaubnis des Bundeskartellamtes, eine P2P-Zahlungsfunktion einzuführen. Damit wäre im Prinzip (fast) jeder Inhaber eines deutschen Girokontos für P2P-Zahlungen erreichbar. Der Erfolg dieser Initiative wird aber erfahrungsgemäß auch davon abhängen, inwieweit die deutschen Banken ihre Angebote bündeln bzw. aufeinander abstimmen.
Wenn es zumindest europaweit um mehrere P2P-Lösungen für einen Markt geht, ist ein gewisses Maß an Kooperation zwischen den Anbietern notwendig. Damit Zahlungen von einem P2P-Dienst zum anderen fließen können, braucht es etwa ein gemeinsames Verzeichnis mit Mobilfunknummern und IBANs. Daran wird zurzeit in einer Arbeitsgruppe des ERPB (Euro Retail Payments Board) gearbeitet.
Damit die Nutzung des Smartphones zum Bezahlen – sowohl an der Kasse als auch P2P – noch bequemer wird, sollte der Zahlvorgang möglichst schnell gehen. Zwar erhält derzeit der Händler oder private Zahlungsempfänger sofort eine Bestätigung über die Zahlung und ggf. eine Garantie. Aber die Buchung erfolgt nicht in Echtzeit, der Empfänger kann also nicht sofort über das Geld verfügen.
Die Lücke zwischen Initiierung und Buchung der Zahlung sollen Instant Payments schließen. Davon profitieren nicht nur P2P-Zahlungen. Instant Payments können auch eine attraktive Bezahlalternative am Point-of-Sale oder im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen sein. Sie eröffnen neue Chancen im Liquiditätsmanagement. Zulieferer etwa könnten Liquiditätsreserven besser ausschöpfen und das “Just-in-time”-Prinzip würde in der gesamten Wertschöpfungskette verankert. Zahlungen würden sich reibungsloser in den Kauf- bzw. Lieferprozess einfügen. In Verbindung mit Apps sowohl für Anwendungen im geschäftlichen Umfeld als auch für private Zwecke – sei es P2P, im Laden oder im Onlinehandel – könnte das digitale Bezahlen einen Schub erhalten.
Wo stehen wir damit heute? Die Vorbereitungen für ein europäisches Echtzeit-Zahlungssystem sind in vollem Gange. Die Spielregeln für Instant Payments unter den Banken sind bereits geklärt. Der European Payments Council (EPC) hat das Regelwerk für Echtzeitzahlungen auf Basis von SEPA-Überweisungen Ende November 2016 finalisiert, es tritt im November 2017 in Kraft.
Noch nicht ganz klar ist, wie die verschiedenen Clearinghäuser europaweit zusammen arbeiten sollen. Zur Unterstützung der geldlichen Abwicklung von Instant Payments prüft das Eurosystem derzeit, ob man einen speziellen Settlement-Service täglich rund um die Uhr [also 24 h / 365 Tage] anbieten sollte. Die EZB führt mit der Unterstützung einiger Clearinghäuser und Banken eine Voruntersuchung durch, in der die Möglichkeiten für einen TARGET Instant Payment Settlement Service – TIPS – analysiert werden. Der so entwickelte Vorschlag wurde mit den Marktteilnehmern konsultiert, die sich rege daran beteiligten. Eine Entscheidung über die Durchführung des Projekts wird der EZB-Rat im Juni dieses Jahres treffen.
Über einzelne Bezahlfunktionen gehen die neuen “mobile only” Banking Angebote weit hinaus. Was Online-Banken für die 2000er Jahre waren, wollen “Mobile Banken” für das digitale Zeitalter werden. Eine Ergänzung, wenn nicht sogar eine Alternative zur bisherigen Bankerfahrung. Kunden können Bankgeschäfte weitgehend ohne Medienbruch und in Echtzeit von überall mit dem Mobiltelefon abwickeln. Das beginnt bei der Kontoeröffnung per Videolegitimation vom heimischen Sofa aus. Gerade hat die BaFin ein neues Rundschreiben zum Videoidentifizierungsverfahren veröffentlicht. In diesem sind nun Prüfkriterien klarer geregelt. Das Verfahren wurde in einigen Punkten vereinfacht.
Weiter geht es mit der sofortigen Bestätigung jeder Kontobewegung per Push-Nachricht. Transaktionen werden automatisch erfasst, kategorisiert und analysiert. Kartenlimits und Einsatzgebiete können fast in Echtzeit in der App angepasst werden. Kunden können sich eine Nachricht schicken lassen, wenn das Konto ins Minus zu laufen droht. Per Fingerdruck können sie einen Überbrückungskredit erhalten, sekundenschnelle Bonitätsprüfung, Bestätigung und Buchung inklusive. Das ist keine Zukunftsmusik mehr. Und das Spektrum an verfügbaren Leistungen wird ständig erweitert. Die Pioniere auf diesem Markt (wie Holvi und N26) bekommen zunehmend Gesellschaft von etablierten Anbietern. So haben einige Sparkassen kürzlich mit Yomo ein reines Mobile Banking-Angebot herausgebracht, die Reisebank will mit Bankomo nachziehen.
3 Neue Anbieter im Zahlungsverkehr
Woher kommen all die neuen Ideen? Und warum scheint gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, dass sie sich in der Breite durchsetzen können? Nun, die entscheidenden Impulse – Smartphone, veränderte Kundenerwartungen und technische Innovationen – habe ich schon benannt. Diese Impulse treffen auf einen neu erwachten Gründergeist. Junge Finanztechnologieunternehmen, FinTechs, nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung und werden dabei von schnell verfügbarem Investitionskapital unterstützt. Je nach Quelle existieren in Deutschland um die 300 FinTechs.
FinTechs sind in unterschiedlichen Segmenten aktiv, unter anderem im Zahlungsverkehr. Sie erschließen aber auch Felder wie die Kreditvermittlung über Crowd Lending und Finanzierung über Crowd Funding. Sie treten als Finanzmanager auf, der eine aggregierte Sicht über verschiedene Konten zeigt und auswertet oder als Anlagenvermittler – Stichwort Robo Advisory. Um nur einige wenige Bereiche zu nennen.
Alle zielen darauf ab, Finanzdienstleistungen durch neue Technologien besser und einfacher zur Verfügung zu stellen. Dabei setzen sie auf die bekannten Zahlungsinstrumente, das heißt Kartenzahlung, Überweisung oder Lastschrift. Die Neuen nutzen also die Infrastruktur von Banken und werden deshalb auch als “Drittanbieter” bezeichnet. Diese Drittdienstleister hat auch die Zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie – PSD2, um die es heute geht, im Blick. Ich komme darauf zurück.
Wirklich neu ist die Gestaltung der Schnittstelle zum Privatkunden. FinTechs bieten oft einen komfortableren Zugang zu Finanzdienstleistungen. Sie greifen einzelne Segmente der Wertschöpfungskette heraus und gestalten sie kreativer, indem sie etwa Ideen aus den sozialen Netzwerken einbeziehen. Aber sie entfalten auch eine disruptive Wirkung, wenn sie als Portal auftreten oder einen “Marktplatz” via App organisieren. Dabei kombinieren sie die Leistungen verschiedener Banken und anderer FinTechs, machen sie vergleichbarer und ermöglichen eine selektivere Nutzung.
Diese innovativen Ansätze brauchen jedoch eine kritische Masse an Nutzern, um erfolgreich zu sein. Da eine solche kritische Masse schwer zu generieren ist, beobachten wir, dass FinTechs inzwischen zunehmend mit etablierten Instituten zusammen arbeiten bzw. sich auf technische Dienstleistungen oder White Label-Lösungen für diese konzentrieren. Solche Kooperationen können für beide Seiten nützlich sein: FinTechs erreichen über den Bankpartner eine große Zahl potenzieller Kunden. Banken wiederum können so ohne lange Entwicklungszeiten innovative Services anbieten. Solange das im Sinne der Kunden erfolgt und sie ihre Zahlungen damit effizienter und sicherer ausführen können, begrüßen wir als Bundesbank diese Entwicklung.
FinTechs haben es geschafft, neue Ideen in den Zahlungsmarkt zu bringen. Selbst wenn sich viele davon vermutlich nicht eigenständig durchsetzen werden, sind sie ein Gewinn für Verbraucher und Händler. Denn sie bringen Inspiration, Innovation und Ideen in den Markt. Und das ist auch gut so – angesichts des zunehmenden Wettbewerbs durch globale Technologiekonzerne. Damit meine ich nicht nur die Internet-Giganten Google, Apple, Facebook, Amazon – die GAFAs. Nein, auch die großen drei Anbieter aus China – Baidu, Alibaba und Tencent – sollten nicht unterschätzt werden. Allein die monatlichen Nutzerzahlen sind erstaunlich: Mit Baidu durchsuchen fast 700 Millionen Chinesen das Internet von ihrem Smartphone aus, mit Alibaba’s Alipay zahlen über 400 Millionen Käufer mobil, und über 800 Millionen Mobilfunknutzer erhalten und senden Geld über Tencent’s WeChat, ein Messaging Dienst, mit integrierter P2P-Zahlungsfunktion.
Vor diesem Hintergrund frage ich mich, ob es nicht angeraten wäre, einen Moment innezuhalten und zu schauen, was wirklich notwendig ist, um die Digitalisierung des europäischen Zahlungsverkehrsmarktes voranzubringen und die Marktteilnehmer für den globalen Wettbewerb zu stärken. Manche regulatorischen Konzepte der Vergangenheit – beispielsweise die Bereiche Kooperation und Wettbewerb, Datensouveränität und Sicherheit– sollten im Lichte der neuen Realitäten überprüft werden. Und hier sollten wir uns nicht in Details verlieren, sondern uns auf die wichtigen Themen konzentrieren.
Noch bis zum 15. Juni können sich Marktteilnehmer an einer Konsultation der Europäischen Kommission zu FinTechs beteiligen. FinTechs werden dabei als Schlüssel zur Überwindung der Fragmentierung des europäischen Retailmarktes gesehen. Sie sollen dafür sorgen, dass Verbrauchern mehr und bessere Finanzdienstleistungen zur Verfügung stehen. So richtig es ist, den regulatorischen Rahmen dafür zu überprüfen, so sehr möchte ich davor warnen, Sonderregelungen für einzelne Marktteilnehmer zu schaffen. Das Prinzip “Same business, same risk, same regulation” muss für alle gelten.
4 Neue Regeln für den Zahlungsverkehr
Denn so wie die Marktteilnehmer mit ihren Strategien das Marktgeschehen prägen, so gibt die Regulierung den Rahmen für dessen künftige Entwicklung vor. Die PSD2 regelt unter anderem die Einbeziehung von Drittanbietern in die Wertschöpfungskette. Konkret geht es um die Beziehungen zwischen Kunden, ihren Banken und den Dritten, also Zahlungsauslösediensten, Kontoinformationsdiensten sowie Drittkartenemittenten. Ziel ist es, den Markt für mehr Wettbewerb zu öffnen und neuen Ideen Raum zu geben. Gleichzeitig soll der Verbraucherschutz gewahrt, Haftungsfragen klarer entschieden und die Sicherheit von Zahlungen erhöht werden.
Die PSD2 hat dafür ein neues Instrument geschaffen: den direkten Zugang zu den von Banken geführten Kundenkonten. Dieses Access-to-Account-Prinzip stellt das bisherige Geschäftsmodell der Banken vor neue Herausforderungen. Drittanbieter, die sich der Bank gegenüber ausweisen, erhalten nach Zustimmung des Kunden Zugang zu seinen Konten, um etwa Zahlungen anzustoßen oder ihm eine aggregierte Sicht auf seine finanzielle Position über verschiedene Konten hinweg liefern zu können. Es gibt solche Dienste schon heute, zum Beispiel SOFORT Überweisung oder Numbrs.
Doch werden sie nun ab 13. Januar 2018 den Anforderungen der PSD2 bzw. des nationalen Umsetzungsgesetzes unterliegen. Grundsätzlich wird durch die Regulierung das Vertrauen in solche Anbieter erhöht. Unter anderem benötigen sie dann eine BaFin-Lizenz für ihre Tätigkeit. Ferner dürfen sie nur jene Kontodaten nutzen, die für die Erbringung ihrer Dienste notwendig sind. Wobei über die Definition, was eigentlich notwendige Daten sind, das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Banken sollen im Gegenzug eine standardisierte Schnittstelle bereitstellen, die diese Daten freigibt. Dabei darf es keine Diskriminierung der Drittdienstleister geben, zum Beispiel im Hinblick auf Verfügbarkeit oder Performance. Andererseits müssen die Kundendaten vor betrügerischem Zugriff geschützt werden.
Mehr Klarheit sollen die zugehörigen regulatorischen technischen Standards, die RTS bringen. Der seit Februar vorliegende Entwurf der EBA regelt die starke Kundenauthentifizierung sowie Ausnahmen davon. Ferner macht er Vorgaben zur Ausgestaltung der Konto-Schnittstelle, um eine sichere Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu gewährleisten. Dem Vernehmen nach wird die Kommission aber noch Änderungen an den RTS vornehmen wollen, bevor sie ihnen zustimmt.
Insgesamt bleiben den Banken aber nur 18 Monate Zeit nach Annahme der RTS durch die Kommission und Parlament, um die Vorgaben umzusetzen. Daher arbeiten europäische Finanzdienstleister bereits heute an den Spezifikationen der Konto-Schnittstelle. Allerdings gilt es sicherzustellen, dass entstehende Lösungen zumindest interoperabel sind und es Drittanbietern erlauben, im gesamten SEPA-Raum tätig zu werden.
5 Fazit
Meine Damen und Herren, Sie sehen: Im Übergang vom industriellen zum digitalen Zeitalter wird das Stichwort “Schnittstelle” zum Schlüsselwort. Nur so entsteht Zugang für neue Anbieter von Services rund um das Bezahlen. So entstehen neue Anwendungen, die nicht nur den Zahlungsverkehr verändern. Verbraucher und Unternehmen können davon profitieren. Dafür braucht es aber ein stabiles Gerüst, das einerseits Verbraucher und andere Nutzer schützt und für einen sicheren Zahlungsverkehr sorgt. Andererseits soll es dem Wettbewerb und neuen Ideen genügend Licht und Raum geben sowie ein Level Playing Field für alle Marktteilnehmer schaffen. Mit der PSD2 ist die Architektur vorgegeben, mit den RTS geht es um die Einzelheiten des Ausbaus. Die Auslegung und konkrete Umsetzung in die Praxis wird darüber entscheiden, wie sich etablierte und neue Anbieter im Markt positionieren und welche digitalen Angebote in Zukunft zu finden sind.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Fußnoten:

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