Börse Frankfurt Magazin: “Börse Toronto – Drehscheibe der Rohstoffbranche”

By   /  May 22, 2017  /  Comments Off on Börse Frankfurt Magazin: “Börse Toronto – Drehscheibe der Rohstoffbranche”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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22. Mai 2017. MÜNCHEN (menthamedia). Im Februar dieses Jahres war der kanadische Aktienindex S&P TSX Composite erstmals über die Marke von 15.700 Punkten geklettert und konnte damit das bisherige Rekordniveau vom September 2014 überbieten. Binnen 12 Monaten war die kanadische Börse zu diesem Zeitpunkt um fast 40 Prozent gestiegen und zählte dank der starken Performance in diesem Zeitraum zu den erfolgreichsten Aktienmärkten der Welt. Vor allem die Erholung des Rohstoffsektors verleiht seit Anfang 2016 kräftig Rückenwind, haben Rohstoffaktien zusammen mit Finanztiteln im kanadischen Auswahlindex doch traditionell eine hohe Gewichtung – jedenfalls spätestens seit der Fusion mit der auf Bergbauunternehmen fokussierten Standard Stock and Mining Exchange im Jahr 1934.
18 handelbare Aktien
Die Wurzeln der kanadischen Börse gehen allerdings bis Mitte des 19. Jahrhunderts zurück, wenngleich das genaue Gründungsdatum mangels geeigneter Unterlagen nicht mit allerletzter Gewissheit bestätigt werden kann. 1852 hatte eine Gruppe kanadischer Unternehmer die Association of Brokers ins Leben gerufen. Die formale Gründung der Börse folgte am 25. Oktober 1861 per Versammlung von gerade einmal 24 Männern. In der täglich nur halbstündigen Handelszeit wurden zunächst lediglich 18 unterschiedliche Wertpapiere, in erster Linie Anteile an Banken und Immobiliengesellschaften, gehandelt. Kostete eine Mitgliedschaft zum Start nur fünf Dollar, wurde die Gebühr 1871 auf 250 Dollar erhöht und stieg bis 1901 schließlich auf 12.000 Dollar. Bis zu diesem Jahr war die Zahl der an der kanadischen Börse notierten Werte auf 100 gestiegen. Gab es in den Anfängen pro Tag nur eine Handvoll Transaktionen, lag das Handelsvolumen zu diesem Zeitpunkt schon fast bei einer Million Aktien täglich.
Börsenboom der Zwanzigerjahre
Zu den Meilensteinen in der Entwicklung der Börse zählt das Jahr 1913, als man ein eigenes Gebäude in der Bay Street bezog und einige technische Neuerungen in den Handel übernahm. Nachrichtenticker versorgten die Händler mit Informationen, während für die Wertpapiere Geld- und Briefkurse gestellt wurden. Weil es im Zuge des Ersten Weltkrieges 1914 zu panikartigen Verkäufen an der Börse gekommen war, wurde der Handel für einen Zeitraum von drei Monaten unterbrochen. In den Folgejahren legten die Aktienkurse dank steigender Gewinne der kanadischen Unternehmen kräftig zu, Anleger wurden zusehends risikofreudiger und spekulierten immer häufiger auf Kredit. Allein zwischen 1924 und 1929 hatte sich das tägliche Handelsvolumen von über 900.000 auf mehr als 10 Millionen Aktien vervielfacht. Der Börsenboom endete mit der Weltwirtschaftskrise, die im Gegensatz zu den USA in Kanada jedoch keinen Ausfall eines Brokers zur Folge hatte.
Mit dem Zusammenschluss mit der Rohstoffbörse zur Toronto Stock Exchange (TSX) entstand 1934 die drittgrößte Börse Nordamerikas mit einem Handelsvolumen von mehr als 500 Millionen Dollar pro Jahr.
Weltweit erste Börse mit Computerhandel
Als der Aufsichtsrat der TSX im Jahr 1955 die Listing-
anforderungen für die notierten Unternehmen verschärfte und eine Meldepflicht für alle Entwicklungen, die Einfluss auf den Aktienkurs haben könnten, einführte, war der Preis für einen Sitz an der TSX bereits auf 100.000 Dollar gegestiegen, das Handelsvolumen auf eine Milliarde Aktien pro Jahr geklettert. Besonders fortschrittlich war die kanadische Börse, als sie 1977 als eine der ersten Börsen mit dem Computer Assisted Trading System den Computerhandel einführte. Das war auch die Geburtsstunde des TSX 300 Composite Index, der fortan als Benchmark-Index für den kanadischen Aktienmarkt galt. 1980 liefen 80 Prozent aller Wertpapiergeschäfte in Kanada über die Toronto Stock Exchange, das Handelsvolumen legte weiter auf 3,3 Milliarden Aktien bzw. knapp 30 Milliarden Dollar pro Jahr zu.
Eigener Börsengang 2002
In den Neunzigerjahren manifestierte die TSX ihre technologische Führerschaft mit der Einführung des Dezimalhandels, 1997 wurde der Handel ausschließlich elektronisch abgewickelt und das Börsenparkett geschlossen. Während zur Jahrtausendwende alle sogenannten Senior Equities über die Toronto Stock Exchange gehandelt wurden, schlossen sich 1999 die Börse Vancouver und die Alberta Stock Exchange, später auch die Winnipeg Stock Exchange zur Canadian Venture Exchange (CDNX) für Junior Equities zusammen. In diesem Jahr legte die TSX den Grundstein für den eigenen Börsengang, der zum 150-jährigen Jubiläum 2002 folgen sollte. Vor dem eigenen IPO übernahm die TSX schließlich auch die CDNX, 2004 folgte die Akquisition der NGX Canada, mit der man in den Handel mit Rohstoffen einstieg und fortan Strom- und Gaskontrakte handelte.
Geplatzte Fusion mit London
2010 bekannt gewordene Pläne über eine Fusion mit der Börse London, durch die man zur größten Rohstoffbörse der Welt aufgestiegen wäre, wurden 2011 aufgrund mangelnder Unterstützung durch die Aktionäre wieder verworfen. Heute betreibt die TSX-Gruppe sämtliche kanadischen Aktienbörsen sowie die NGX, vermarktet die gewonnenen Handelsdaten über TSX Datalinx und stellt technologische Produkte und Dienstleistungen für andere Börsenbetreiber wie bspw. die Shanghai Stock Exchange zur Verfügung.
22. Mai 2017. © MenthamediaDas Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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