Wochenausblick: Nur ein Schnupfen?

By   /  May 22, 2017  /  Comments Off on Wochenausblick: Nur ein Schnupfen?

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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22. Mai 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Überwiegend überzeugende Unternehmenszahlen für das erste Quartal, positive Wirtschaftsdaten parallel zu Diskussionen um die politische Zukunft Trumps verbunden mit der Umsetzbarkeit seiner angekündigten Agenda bestimmen das gegensätzliche Bild an den Kapitalmärkten. Vor diesem Hintergrund büßte der deutsche Leitindex auf Wochensicht rund 1 Prozent ein. Gleichzeitig waren Renten gesucht und Gold verteuerte sich.
“Die Aktienmärkte zeigen sich durchaus angeschlagen”, kommentiert Robert Halver von der Baader Bank. Der klar aufwärts gerichtete VIX, der Index, der die Volatitilität des S&P 500 misst, und die zunehmende Schwankungsbreite deutscher Aktien gemessen am VDAX-New sprächen für sich. Viele Anleger nähmen die aktuellen poltischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten zum Anlass, ihre seit Jahresbeginn üppigen Kursgewinne am Aktienmarkt mitzunehmen.
Alles nur halb so wild
Halver geht davon aus, dass es den massiven Einbruch von Aktien in den USA – und im Schlepptau auch für europäische Werte – abseits gesunder Konsolidierungen nicht geben wird. Die Republikaner würden mit oder ohne Trump versuchen, das operative politische Geschäft aufrechtzuerhalten. Dazu gehörten Diskussionen über Steuersenkungen, die nach Verabschiedung ohnehin frühestens Anfang 2018 in Kraft treten würden. Ohne den derzeitigen Präsidenten erübrige sich gar das für die USA schädliche Thema Handelsprotektionismus und die Federal Reserve könne sich mit ihren Zinserhöhungen Zeit lassen.
“Noch scheinen die Aktienanleger nicht bereit zu sein, die Pferde zu wechseln”, beschreibt Claudia Windt. Ob Präsident Trump über ein Impeachment seines Amtes enthoben werde oder – für die Analystin der Helaba wahrscheinlicher – vor Ende seiner Amtszeit zurücktrete, spiele gar nicht die wichtigste Rolle. “Entscheidender ist, dass er nach nur etwas mehr als 100 Tagen den Eindruck einer “Lame Duck” erweckt, also eines Politikers, der keine größeren Entscheidungen mehr treffen kann.” Trump werde seine vollmundigen wirtschaftspolitischen Ankündigungen nicht umsetzen können, so dass das US-Wachstum nicht über den Trendpfad hinauskomme.
Europa kann vermutlich nicht einspringen
Anleger klammerten sich aber nach wie vor an die Trumpsche Wachstumsfantasie. Alternativ könne vielleicht sogar der Euroraum als Zugpferd für die Weltwirtschaft herhalten. Darin sieht Windt allerdings eine Gefahr. Die Vorschläge des neuen französischen Präsidenten zielten derzeit jedenfalls weniger auf die Stärkung der Wirtschaftskraft seines Landes, sondern mehr auf die bessere gemeinsame Finanzierungskraft.
Abwärtsrisiken bestehen In den Charts erkennt Karen Szola, wie nervös Anleger nach der seit Monaten währenden Rally sind: “Nach dem frischen Allzeithoch bei 12.841 Punkten legte der DAX den Rückwärtsgang ein und sauste dynamisch rund 300 Punkte abwärts”, fasst die technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online zusammen. Szola 

Zwar habe sich der Index danach wieder über dem Unterstützungsniveau bei 12.500 Punkten stabilisiert. “Ein nochmaliger Test dieses Kurslevels könnte aber eine kräftigere Korrektur einleiten.” Diese würde weitere Abgaben bis zu den nächsten Unterstützungen um 12.300 und 12.000 bzw. 11.900 Zählern zur Folge haben. “Zudem klafft noch eine offene Kurslücke zwischen etwa 12.300 und 12.100 DAX-Punkten, die große Anziehungskraft besitzt und ebenfalls demnächst wieder geschlossen werden sollte.”
Komme es zu diesem Korrektur-Szenario, werde sich der jüngste Ausbruch als Bullenfalle entpuppen. “Sollte der 12.000/11.900er-Bereich nicht halten, wäre eine deutlich tiefere Zielzone möglich.” In Betracht käme nach Ansicht von Szola dann der Support um 11.400 Zähler, der zwischen Dezember und Januar als Haltezone gedient habe. Ungeachtet dessen sieht die Charttechnikerin den aus dem Februar 2016 stammenden Aufwärtstrend auch auf dem letztgenannten Kursniveau noch intakt.
“Um also einer ausgeprägteren Konsolidierung zu entgehen, sollte der DAX in den nächsten Tagen zu seiner alten Bestform zurückfinden und ein neues Bewegungshoch markieren.” Dies führe mittelfristig zu neuen Anschlussgewinnen bis auf 13.000 und später 13.200 Punkten. Rückenwind gäben dann auch wieder einige Indikatoren – darunter der Oszillator Slow Stochastik – die nach Durchlaufen ihrer unteren Extremzonen wieder aufwärts streben würden.
Entscheidung steht noch aus
Trotz der kleinen Korrektur in den vergangenen Tagen ist der deutsche Aktienindex mit einem Plus von rund 2 Prozent bislang recht gut durch den Mai gekommen, wie Franz-Georg Wenner vom Börsenbrief Index Radar meint. “Doch für Entwarnung ist es noch viel zu früh, die saisonal schwierigen Monate stehen erst bevor.” Vor allem der Juni sei in den vergangenen zehn Jahren häufig an die Bären gegangen: Die Gewinnwahrscheinlichkeit liege bei lediglich 36 Prozent, im Durchschnitt habe der DAX um mehr als 2 Prozent eingebüßt.
 Wenner rät Anlegern in der neuen Woche die Marke um 12.660 im Blick zu behalten: “Wird die Schwelle zurückerobert, dürfte der Index einen weiteren Anlauf bis an die obere Grenze des seit Monaten bestehenden Aufwärtskanals bei derzeit 12.870 Punkten starten.” Wenner 

Überwiege hingegen der Verkaufsdruck, stelle das alte Rekordhoch von 2015 bei rund 12.380 DAX-Punkten die nächste Zielmarke auf der Unterseite dar. “Setzt auch hier keine Erholung ein, wird der DAX wahrscheinlich die offene Kurslücke zwischen 12.100 bis 12.290 Punkten schließen.” Seit Jahresbeginn sei jedes Gap nach wenigen Tagen bis Wochen gefüllt worden. Falle der hiesige Bluechip-Index unter 12.100 Zähler und durchbreche damit die untere Kanalgrenze, sollten sich Anleger nach Auffassung Wenners auf eine größere Korrektur einstellen.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag 23. Mai
10.00 Uhr. Euroraum: PMI verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungen Mai. Die Stimmung bei den Unternehmen im Euroraum hat in den vergangenen Monaten laut DekaBank einen beachtlichen Höhenflug hingelegt. Dies gelte auch für den Einkaufsmanagerindex und seine zwei Teilkomponenten der Industrie und die Dienstleister. Selbst wenn die politischen Risiken für die europäische Wirtschaft nach den Wahlen in den Niederlanden und Frankreich deutlich zurückgegangen seien, rechnen die Analysten des in Frankfurt ansässigen Unternehmens für den Mai mit einer vermutlich kleinen Verschnaufpause. Ein lediglich leichter Rückgang bringe weiterhin eine sehr gute Stimmung bei den Unternehmen zum Ausdruck und signalisiere einen anhaltenden robusten Aufschwung.
Donnerstag, 25. Mai
OPEC-Treffen. Die Mitglieder der OPEC kommen in Wien zusammen, um über eine Verlängerung der bis Ende Juni geltenden Öl-Produktionskürzung zu beraten. Vonseiten der Ölminister aus Saudi-Arabien und Russland sieht DekaBank den Willen, die Vereinbarung um neun Monate auszudehnen. Ein Beschluss diesbezüglich werde aber keine nachhaltige Verteuerung von Öl nach sich ziehen. Höheren Ölpreisen stünden einerseits die Produktionsausweitung in Libyen und Anzeichen einer Erholung der Ölförderung in Nigeria entgegen. Beide Länder seien aus der Kürzungsvereinbarung ausgenommen worden. Andererseits steige die US-Ölproduktion weiter kräftig an und liege mit 9,3 Millionen Barrels nur noch knapp unter dem Höchststand von 9,6 Millionen Barrels im Juni 2015.
Von: Iris Merker
22. Mai 2017, © Deutsche Börse AG

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