Anleihen: Renzi belastet Italien-Bonds

By   /  June 2, 2017  /  Comments Off on Anleihen: Renzi belastet Italien-Bonds

    Print       Email

MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Anleihen: Renzi belastet Italien-Bonds

2. Juni 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Politische Unsicherheiten haben die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen zuletzt wieder beflügelt. “Vor allem der ergebnislose G7-Gipfel und der US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen, der auf die Entschlossenheit Trumps zu weiteren radikalen Schritten hindeutet, dürften Investoren darin bestärkt haben, auf Sicherheit zu setzen”, meint Marius Schad von der HSH Nordbank. Dazu kam eine Äußerung des früheren italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi, der vorgezogene Neuwahlen schon in diesem Jahr ins Spiel brachte.
Der Euro-Bund-Future liegt am Freitagmorgen bei 162,26 nach 161,71 Prozent vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen werfen aktuell nur noch 0,30 Prozent ab nach 0,33 am vergangenen Freitag. Neue Impulse werden vom US-Arbeitsmarktbericht heute Nachmittag erwartet.
Preisanstieg rückläufig
Die Inflationsrate in der Eurozone fiel im Mai unterdessen wieder niedriger aus: Nach 2 Prozent im April waren es im gerade abgelaufenen Monat wieder nur 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Grund dafür waren vor allem moderat gestiegene Energiepreise und der Wegfall statistischer Sondereffekte. Schon am Montag hatte EZB-Chef Draghi Hoffnungen auf einen baldigen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik gedämpft: Er hatte vor Vertretern des Europaparlaments geäußert, dass ein “außergewöhnliches Maß an geldpolitischer Unterstützung” immer noch nötig sei.
Dennoch geht die Commerzbank davon aus, dass die EZB auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche erste Signale für eine Wende geben wird: “Präsident Draghi steht ein schwieriger Spagat bevor. Denn er muss den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik einleiten, ohne die Märkte zu verschrecken”, meint Michael Leister.
Unabhängig davon stünden italienische Anleihen wohl weiter unter Druck. “Zwar würde das derzeit diskutierte proportionale Wahlsystem mit einer 5 Prozent-Hürde eine von der eurokritischen Fünf-Sterne-Bewegung geführte Regierung unwahrscheinlicher machen, ausgeschlossen wäre eine Grillo-Regierung aber auch dann nicht”, meint Leister. Zudem belaste der wahrscheinliche politische Stillstand bis zu den Wahlen die Stimmung.
US-Wirtschaft brummt
In den USA sieht es der HSH Nordbank zufolge unterdessen weiter nach einer Zinserhöhung Mitte Juni aus: “Die jüngsten Konjunktur- und Preisindikatoren suggerieren eine Fortsetzung des soliden Expansionspfades der Wirtschaft”, bemerkt Schad. Die Kernrate des für die US-Fed wichtigen PCE-Deflators sei mit 2,1 Prozent im ersten Quartal über der Zielrate der Notenbank von 2 Prozent geblieben. Auch die Investitionen in langlebige Wirtschaftsgüter im April hätten den Analystenkonsens deutlich übertroffen, zudem sei das BIP im ersten Quartal mit 1,2 Prozent etwas stärker gestiegen als zunächst erwartet. Dazu seien gute Konsumdaten für den April gekommen.
 Die massive Abwertung der venezolanischen Währung Bolívar durch die Notenbank blieb laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank ohne Auswirkungen auf Anleihen des krisengeschüttelten Landes. Das bis 2020 laufende Papier (WKN A0GKSP) notiert ohnehin nur noch bei 51,29 Prozent, was einer Rendite von 29,06 Prozent entspricht. Goldman Sachs spekuliert auf Rückzahlung der venezolanischen Anleihen: Die US-Bank hat, wie diese Woche bekannt wurde, Papiere des staatlichen Ölkonzerns PDVSA gekauft. Daniel Kursverluste beim Banco Popular
Im Bereich der Corporate Bonds kam es bei einer Anleihe des spanischen Banco Popular zu deutlichen Verlusten. Sollte kein Käufer gefunden werden, droht der Bank Presseberichten zufolge die Abwicklung. Die Chefin der EU-Bankenabwicklungsbehörde Elke König habe eine “Frühwarnung” erteilt, hieß es. Die Anleihe (WKN A1HRZ2) mit Kupon von 11,5 Prozent gab von 65 auf 56,80 Prozent nach, wie Daniel meldet, aktuell sind es wieder 63,75 Prozent.
Daniel berichtet außerdem von Interesse an einer Anleihe der Europäischen Investitionsbank EIB in indischen Rupien (WKN A19B75) mit Kupon von 5 Prozent und Laufzeit bis 2020. “Das hängt wohl mit dem Treffen von Indiens Premierminister Modi und Angela Merkel zusammen, die sich auf Investitionen in Milliardenhöhe geeinigt haben”, vermutet der Händler.
Nun doch das Aus für Rickmers
Rege Umsätze gibt es in der Anleihe der Reederei Rickmers, wie Rainer Petz von Oddo Seydler erklärt. Ursprünglich sollten die Anleihegläubiger am gestrigen Donnerstag über einen Sanierungsplan abstimmen, zuvor kappte die HSH-Nordbank aber die benötigten Kreditlinien. Daraufhin meldete Rickmers Insolvenz in Eigenverantwortung an. Die Anleihe (WKN A1TNA3) wird jetzt ohne Stückzinsen gehandelt, wie Petz berichtet. Aktuell liegt der Kurs bei 3 Prozent nach zuvor 6,5 Prozent mit Stückzinsen.
Neues gibt es vom Versandhändler Otto, der mit einer Anleihe von 300 Millionen Euro (WKN A2E4BN) auf den Markt kam, wie Petz außerdem meldet. Diese läuft bis 2024 und bietet einen Zins von 1,875 Prozent.
von: Anna-Maria Borse 2. Juni 2017, © Deutsche Börse AG

    Print       Email

You might also like...

Außenminister Maas vor dem Treffen der Außen- und Innenminister der Europäischen Union zur Migration über das Mittelmeer

Read More →