Anleihen: “Super-Thursday” ohne Auswirkungen

By   /  June 10, 2017  /  Comments Off on Anleihen: “Super-Thursday” ohne Auswirkungen

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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9. Juni 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der “Super Thursday” mit drei wichtigen Terminen war mit Spannung erwartet worden, an den Märkten blieb es aber ruhig. Allenfalls britische Anleihen und das Pfund geben am heutigen Freitag leicht nach. “Die Märkte reagieren auf Nachrichten dieser Art mittlerweile gelassen”, bemerkt Arthur Brunner von der ICF Bank. “Eine Kehrtwende in Sachen Brexit wird es nicht geben, und die Aussagen von James Comey waren zu vage.”
Gemächliche Gangart der EZB
Die EZB hat auf ihrer Sitzung am gestrigen Donnerstag erste Signale für ein Auslaufen der expansiven Geldpolitik gesendet: Erstmals wurde auf den Hinweis verzichtet, dass die Zinsen noch weiter fallen könnten. Am Markt war das allerdings erwartet worden. “Mit einer Zinserhöhung zum jetzigen Zeitpunkt wurde nicht gerechnet”, erklärt Brunner. Dagegen sprächen auch der zuletzt wieder gesunkene Ölpreis und die wieder rückläufigen Inflationsraten.
“Der Passus, wonach die Zinsen nochmals gesenkt werden könnten, wurde zwar gestrichen, der EZB-Rat geht aber davon aus, dass die Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Anleihekaufprogramms hinaus auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben werden”, kommentiert Viola Julien von der Helaba. Dies sei ein Zeichen dafür, dass es die Währungshüter mit der geldpolitischen Wende nicht besonders eilig hätten.
Weitere US-Leitzinsanhebung erwartet Die US-Notenbank wird hingegen, wie erwartet wird, auf ihrer Sitzung in der kommenden Woche den Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 1 bis 1,25 Prozent anheben. “Auch hier ist sorgfältig auf die Pressekonferenz zu achten, da sie klarer machen dürfte, ob bereits im September oder erst im Dezember mit einer erneuten Leitzinsanhebung gerechnet werden kann”, rät Cyrus de la Rubia von der HSH Nordbank. de la Rubia 

Der Euro-Bund-Future mit Fälligkeit im September notierte am Freitagmorgen bei 165,03 Punkten. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren mit 0,25 Prozent.
Frankreich wichtiger
Anders als in Großbritannien dürfte die Parlamentswahl in Frankreich am 11. und 18. Juni nach Ansicht von de la Rubia durchaus Spuren bei Bundesanleihen und US-Treasuries hinterlassen. “Sollte der erste Wahlgang bestätigen, dass Macron gute Karten hat, eine robuste Parlamentsmehrheit zu erlangen, sollten die Bund-Renditen steigen, während der Risikoaufschlag französischer Anleihen sinken dürfte.”
Air Berlin im Sinkflug
Der Handel mit Unternehmensanleihen wird derzeit von zwei Themen beherrscht: Air Berlin und Banco Popular. Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin stellte am gestrigen Donnerstag bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrages. Die Anleihen brachen ein, die bis 2018 laufende mit Kupon von 8,25 Prozent zum Beispiel von 90 auf rund 70 Prozent, am Freitag geht es weiter nach unten. Aktuell wird der Bond zu 50 Prozent gehandelt.
 Ähnlich sieht es bei dem bis 2019 laufenden Papier mit Kupon von 6,75 Prozent (WKN AB100L) aus. “Hier ist extrem viel los, die Unsicherheit der Anleger ist riesig”, stellt Rainer Petz von Oddo Seydler fest. Kurz zuvor war der Plan einer gemeinsamen Ferienfluggesellschaft mit Tuifly geplatzt, der arabische Air Berlin-Großaktionär Etihad hatte die Verhandlungen mit Tui abgebrochen. Petz Wertlose Banco Popular-Anleihen
Vom Handel ausgesetzt sind derweil Banco Popular-Anleihen. Die krisengeschüttelte spanische Bank wurde am Dienstag dieser Woche von der EZB als nicht überlebensfähig eingestuft und dann am Mittwoch für einen symbolischen Euro vom Banco Santander übernommen. Schon vor der Aussetzung hatte der Kurs der Nachranganleihen (WKN A1HRZ2, A0VUYH) stark gelitten, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet.
“Es ist das erste Mal, dass die europäische Bankenabwicklung gegriffen hat”, erklärt Brunner. Folgen für andere Nachranganleihen habe der Ausfall der Banco Popular-Bonds im Übrigen nicht gehabt.
Viel Umsatz in RWE- und Otto-Bonds
RWE-Anleihen (WKN A14KAB) profitieren laut Daniel von der vom Bundesverfassungsgericht gekippten Brennelementesteuer, die Energiekonzerne können nun mit Rückzahlungen in Milliardenhöhe rechnen.
Große Umsätze verzeichnete Brunner zufolge die neue Anleihe des Versandhändlers Otto (WKN A2E4BN). Diese läuft bis 2024, bietet einen Zins von 1,875 Prozent und spricht mit einer Stückelung von 1.000 Euro auch Kleinanleger an. Eine privatanlegerfreundliche Neuemission gibt es außerdem von HeidelbergCement: Die Anleihe (WKN A19JXW) läuft bis Juni 2027 und bietet einen Kupon von 1,5 Prozent.
von: Anna-Maria Borse 9. Juni 2017, © Deutsche Börse AG

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