ETF Magazin: “Licht über den Wolken”

By   /  June 19, 2017  /  Comments Off on ETF Magazin: “Licht über den Wolken”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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19. Juni 2017. München (ETF Magazin). Plötzlich fließen wieder Milliarden in Anleihen aus Brasilien, Mexiko, Russland oder Korea – und in entsprechende ETFs. Im März packten Investoren sogar mehr Geld in Schwellenländer-Anleihen-ETFs als in die Anleihen-ETFs für alle entwickelten Märkte zusammen. “Papiere der Schwellenländer haben sich in diesem Jahr bestens entwickelt”, kommentieren nüchtern die Analysten aus dem Multi-Asset-Research der Société Générale.
Woher kommt die neue Begeisterung? “Bei den sogenannten sicheren Staatsanleihen aus Deutschland, den Vereinigten Staaten und einigen anderen Ländern sind die Erträge risikoadjustiert inzwischen richtig unattraktiv”, erklären die SG-Analysten. Anleihen der Schwellenländer bieten dagegen nach ihrer Einschätzung attraktive Renditen bei akzeptablem Risiko – und die Aussicht auf zusätzliche Kurs- und Währungsgewinne. Mit ETFs können Anleger einsteigen.
In den vergangenen Jahren litten Schwellenländer-Anleihen vor allem unter schwächerem Weltwirtschaftswachstum und der Aussicht auf steigende US-Zinsen. An beiden Fronten zeichnet sich inzwischen jedoch Entspannung ab. Viele Industrie- und Schwellenländer melden steigende Wachstumsraten bei moderaten Inflationsraten. Das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer hat sich stabilisiert – bei relativ hohen realen Zinsen, unterbewerteten Währungen und stabilen bis steigenden Rohstoffpreisen. “In diesem Umfeld verfügen Schwellenländer-Anleihen auch bei potenziellem Gegenwind über eine robuste Basis”, urteilen die Anleihenstrategen von NN Investment Partners.
Für alle, die steigende Zinsen fürchten, hat Julie Salsbery, Portfolio-Manager der US-Fondsgesellschaft Invesco, noch ein anderes Pro-Schwellenländer-Anleihen-Argument parat. “Da Wachstum, Inflation und Geldpolitik weltweit immer mehr divergieren, können Emerging-Markets-Anleihen für mehr Ertrag und für eine bessere Diversifikation sorgen. Beides kann sich lohnen, wenn die Zinsen steigen”, sagt Salsbery. Die Fixed-Income-Analysten von Invesco untersuchten neun Zeiträume der letzten 25 Jahre, in denen die US-Zinsen anzogen. Ergebnis: Steigende US-Zinsen gingen meist mit Mehrerträgen von Aktien oder auch Emerging-Markets-Anleihen einher.
Große AuswahlWer mit einem ETF in Schwellenländer-Anleihen investieren will, kann heute unter vielen Fonds wählen. Zur Verfügung stehen sowohl ETFs mit Schwellenländer-Anleihen in Hartwährungen als auch ETFs mit Anleihen in ihrer jeweiligen lokalen Währung. Angeboten werden dabei sowohl ETFs für Staatsanleihen als auch für Unternehmensanleihen. Den größten ETF für EM-Bonds hat Blackrock mit iShares im Angebot.
Der iShares-JPMorgan-USD-Emerging-Markets-Bond kommt inzwischen auf ein Vermögen von mehr als sechs Milliarden Euro. Dieser ETF ist mit 0,45 Prozent Kosten pro Jahr etwas teurer als der Lyxor-ETF, bietet dafür jedoch eine physische Replizierung und ein sehr viel breiteres Portfolio. Mehr als 300 EM-Anleihen in US-Dollar finden sich in diesem Fonds. Im Schnitt bringen diese Anleihen knapp 5 Prozent Rendite, allerdings mit einem nicht unerheblichen Zinsänderungsrisiko: Die Duration liegt gegenwärtig bei mehr als sieben Jahren. Der ETF wird in einer thesaurierenden und in einer ausschüttenden Variante angeboten.
Ein besseres Verhältnis von Duration zu Rendite bieten aktuell Schwellenländer-Anleihen in ihrer jeweiligen lokalen Währung. Auch für diese Papiere stellt Blackrock den größten ETF. Der iShares-EM-Local-Govt-Bond-ETF kommt auf rund fünf Milliarden Euro Volumen und enthält mehr als 200 Staatsanleihen der Schwellenländer. Bei einer Duration von 5,2 versprechen die Anleihen im Portfolio mehr als 6 Prozent Rendite. Dass dieser ETF aber kein Instrument für Freunde schwankungsarmer Papiere ist, zeigt sich an seiner Standardabweichung von fast 12 Prozent. Nervenstarke Anleger können sich seit Jahresbeginn über rund 7 Prozent Gesamtertrag freuen. Wer den ETF aber bereits seit drei Jahren hält, ist heute knapp 9 Prozent ärmer.
Risikofaktor WährungEin wesentlicher Grund für diese bescheidene Entwicklung der Lokal-Währungsanleihen war die dramatische Abwertung von Rubel, Peso, Real, Lira und anderen. Wer sich deshalb nach dieser Erfahrung lediglich die höhere Rendite der EM-Staatsanleihen ohne das Währungsrisiko sichern will, ist mit einem ETF der Deutschen Asset Management richtig aufgestellt. Der db-x-trackers-EM-Liquid-Euro-bond-(EUR hedged-)-ETF investiert in rund 30 Anleihen staatlicher und quasistaatlicher Emittenten aus 15 Schwellenländern. Die Anleihen müssen dabei mindestens noch fünf Jahre laufen und auf US-Dollar oder Euro lauten. Das Währungsrisiko des Dollar gegenüber dem Euro sichert die Fondsgesellschaft aber bei diesem ETF weitgehend ab. Die aktuelle Duration des Portfolios beträgt 6,5. Die Endfälligkeitsrendite liegt bei 3,8 Prozent. Im Vergleich zu anderen EM-Anleihen-ETFs sind in diesem ETF Papiere aus Osteuropa und der Türkei relativ stark vertreten. Auch Blackrock (iShares) hat einen ETF mit Währungsabsicherung im Angebot. Im Portfolio des iShares-JPMorgan-USD-EM-Bond-EUR-Hedged-ETF finden sich fast 400 Schwellenländer-Anleihen aus etwa 30 Ländern.
Der db-x-trackers-USD-Emerging-Sovereigns-Quality-Weighted-ETF will dagegen vor allem Bonitätsrisiken entgegen steuern. Der Index dieses neuen ETF enthält mehr als 300 in Dollar denominierte Schwellenländer-Anleihen aus 45 Ländern. Das Besondere an diesem ETF: Bei ihm bestimmt ein mehrstufiger Bewertungsprozess die Zusammensetzung des Fondsportfolios – und nicht wie bei den meisten anderen Anleihen-ETFs die Marktkapitalisierung der Anleihen. Der neue db-x-trackers-ETF gewichtet die Anleihen der Schwellenländer anhand verschiedener Fundamentaldaten, mit deren Hilfe die Qualität der Anleihen gemessen werden soll.
Die Prüfung der einzelnen Staaten erfolgt dabei im Hinblick auf ihre Verschuldung, ihre Zahlungsbereitschaft, ihre gesamtwirtschaftliche Situation und ihre Kapital- und Schuldendienstfähigkeit. Gemessen wird das beispielsweise an den Fremdwährungsreserven, der Inflationsrate, der Verschuldungsquote und der Rückzahlungshistorie. Durch die Gewichtung auf Basis der Fundamentaldaten soll in erster Linie die Gefahr reduziert werden, dass sich im ETF vor allem Anleihen der am höchsten verschuldeten Länder befinden. Aktuell sind im ETF türkische Anleihen mit 10 Prozent am höchsten gewichtet, gefolgt von Papieren aus Mexiko und Indonesien mit je fast 8 Prozent. Im EM-Anleihen-Index von JP Morgan kommen diese Staaten auf deutlich weniger Gewicht.
Attraktive Renditen bringen auch Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern. Der größte in Deutschland gelistete ETF für diese Anleihen ist der iShares-$-Emerging-Markets-Corporate-Bond. Er enthält fast 700 Unternehmensanleihen der Schwellenländer in US-Dollar. Bei einer durchschnittlichen -Duration von 5,1 liefern die Anleihen in diesem ETF derzeit rund 4,6 Prozent Rendite. Zweimal pro Jahr schüttet der ETF Zinsen aus. Inklusive seiner Kursgewinne brachte der Unternehmensanleihen-ETF in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 8 Prozent Gesamtertrag.
Nichts für AngsthasenAnleger sollten sich allerdings über zwei Eigenschaften dieses Fonds im Klaren sein. Zum einen dominieren im ETF-Portfolio Anleihen aus Lateinamerika. Insgesamt stellen die Südamerikaner rund 38 Prozent des Portfolios, Papiere aus Brasilien kommen dabei auf 16 Prozent Anteil, mexikanische Anleihen auf 12 Prozent. Zum anderem hat etwa ein Drittel der Anleihen ein Rating unterhalb von Investment-Grade. 42 Prozent der Anleihen werden mit BBB bewertet, nur wenige Papiere haben ein höheres Rating.
State Street Global Advisors bietet mit dem SPDR-BofA-Merrill-Lynch-Emerging-Markets-Corporate-Bond-ETF einen auf den ersten Blick ähnlich konstruierten Fonds. Dieser ETF enthält aktuell 174 Anleihen. Die Kreditqualität des Portfolios ist leicht besser, dafür liegt die Rendite zur Endfälligkeit etwa 40 Basispunkte niedriger. Hinsichtlich der regionalen Verteilung dominieren im SPDR-ETF allerdings chinesische Anleihen mit aktuell 26 Prozent Gewicht. Dazu kommen noch einmal knapp 5 Prozent Anleihen aus Hongkong. Anleihen aus Brasilien und Mexiko stellen jeweils rund 11 Prozent Portfolio-Anteil.
von Uli Kühn, © Juni 2017 – ETF Magazin

Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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