ETF Magazin: “Gewinne gegen den Strom”

By   /  June 20, 2017  /  Comments Off on ETF Magazin: “Gewinne gegen den Strom”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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20. Juni 2017. München (ETF Magazin). “Zeitbomben” sind das, die “gigantische Risiken bergen” und von denen Anleger “unbedingt die Finger lassen” sollten. So lauten Einträge, die bedrohlich aufblitzen, wenn man bei der Suchmaschine Google den Begriff “chinesische Bankaktien” eingibt. Die Institute im Reich der Mitte säßen auf faulen Darlehen im Wert von Billionen Dollar, eine wahre Kreditblase habe sich am Immobilienmarkt aufgebläht, und nicht zuletzt steckten im dortigen Schattenbankensystem unkontrollierbare Gefahren, lauten die Begründungen.
Die klare wie schlichte Aussage: Wer hier investiert, dem ist nicht mehr zu helfen. Dennoch kann es gut sein, dass sich genau dieses vermeintliche Hasardspiel lohnt. Dass sich Anleger in ein oder zwei Jahren verdutzt die Augen reiben, wenn sie von mehreren hundert Prozent Kursgewinn in genau dieser verteufelten Aktienkategorie lesen. Parallel dazu ist es sehr gut möglich, dass dann die etablierten Börsen in New York oder Frankfurt am Main, die aktuell viele Anleger für unverwundbar halten, kräftig korrigiert haben.
Mut wird belohntÜber große Gewinne und vermiedene Verluste werden sich später aber nur jene Investoren freuen können, die sich jetzt mutig gegen die Mehrheitsmeinung stellen. Die jetzt bereit sind, Geld auf Anlagen zu setzen, die gerade kaum ein anderer will. Und die sich trauen, jene Anlagen abzustoßen, hinter denen momentan alle Welt her ist. Vielleicht, weil sie – anders als die Allgemeinheit – bei China-Banken, dem vom Brexit geprügelten britischen Pfund und weiteren aktuell verfemten Investments auch positive Fakten berücksichtigen. Und weil sie bei den aktuellen Anlegerlieblingen wie US-Aktien oder Bundesanleihen auch kritische Fragen stellen – etwa nach der Nachhaltigkeit Trump’scher Wirtschaftspolitik oder wie lange es noch gut gehen kann, dass Zinssparer sich mit Negativrenditen abspeisen lassen. Oder einfach weil diese cleveren Anleger wissen, dass antizyklische Strategien in der Vergangenheit oft aufgegangen sind.
Dieser auf Englisch “Contrarian” genannte Ansatz liefert keineswegs nur bei exotischen Werten überdurchschnittliche Ergebnisse, sondern selbst bei Traditionsaktien aus dem US-Index Dow Jones. Die bekannte Dogs-of-the-Dow-Methode, bei der jeweils am Jahresanfang jene zehn der 30 Dow-Titel gekauft werden, die am stärksten zurückgeblieben sind und die daher die höchsten Dividendenrenditen bieten, hat zwischen 1995 und 2016 durchschnittlich 9,73 Prozent Rendite pro Jahr erzielt. Wer einfach in den Dow Jones investiert gewesen wäre, hätte es nur auf 6,99 Prozent gebracht. Im Klartext bedeutet das, dass aus einem direkten Investment von 10.000 Dollar in den Dow Jones in dieser Zeit 38.622 Dollar geworden wären, mit der antizyklischen Strategie aber 64.036 Dollar.
Da überrascht es nicht, dass auch einige der bekanntesten Investoren unserer Zeit zu den Contrarians zählen – darunter Jim Rogers oder Marc Faber und natürlich die Anlegerlegende Warren Buffett, Gründer der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway, der empfiehlt,
gierig zu werden, wenn die anderen ängstlich werden, und ängstlich zu werden, wenn die anderen gierig werden.
Diese Anlegerpersönlichkeiten verdienen Milliarden damit, dass sie sich regelmäßig gegen die Mainstream-Meinung stellen. Sie lassen sich nicht von den Ängsten anderer anstecken, aber auch nicht von deren Euphorie. Deshalb wettet zum Beispiel George Soros aktuell massiv auf einen Einbruch des US-amerikanischen Aktienmarkts. Soros und andere Haudegen der Finanzmärkte wissen: Nur weil viele Marktteilnehmer derselben Meinung sind, muss diese nicht richtig sein. Oft gilt sogar das Gegenteil. “Konsens ist am Finanzmarkt oft Nonsens”, brachte es unlängst die Schweizer Zeitschrift “Finanz und Wirtschaft” auf den Punkt. Soros, Buffett & Co. verdienten Milliarden mit Wetten gegen den Konsens.
Am Markt herrscht Sorglosigkeit
Die aktuelle Entwicklung bei US-Aktien könnte dafür als Paradebeispiel dienen. Der Dow Jones, aber auch der marktbreitere S&P-500-Index sowie Technologiewerte an der Nasdaq eilen von Rekord zu Rekord. Die Käufer unterstellen, dass die Wirtschaftspolitik von Präsident Donald Trump die Firmengewinne regelrecht explodieren lässt. Dass die (neben der Deregulierung von Banken und dem Energiesektor) wichtigste Triebfeder für steigende Erträge, die Steuerreform, noch völlig unklar ist, schert Anleger nicht. Genauso wenig wie der Anstieg des US-Dollar, der US-Waren im Ausland verteuert, oder die kräftig erhöhten Zinsen. Das Enttäuschungspotenzial ist riesig, ein Einbruch an der US-Leitbörse würde auch den Dax mit nach unten ziehen. Doch die Sorglosigkeit war noch nie so groß wie heute. Sowohl der VDax-Index, der auch “Angstbarometer” genannt wird, als auch der entsprechende US-Volatilitäts-Index Vix für den S&P-500 notieren auf historischen Tiefs (siehe Charts).
Dabei sind es mitnichten nur unbedarfte Privatanleger, die zum Herdenverhalten neigen. Auch Fondsmanager oder Bankanalysten sind sich regelmäßig überraschend einig. Derzeit stufen zum Beispiel ganze 80 Prozent aller professionellen Auguren die Apple-Aktie als Kauf ein und gerade einmal 2 Prozent als Verkauf (Rest: Halten). Bei Amazon sind es sogar beängstigende 100 Prozent der Analysten, die den Einstieg empfehlen. Ähnlich einhellig fallen die Einschätzungen aus, dass der US-Dollar weiter steigt. Oder dass Schwellenländer-Aktien fallen werden, da ein steigender Greenback und höhere Zinsen deren Dollar-Kredite kostspieliger machen.
Die vorherrschende Einheitsmeinung schlägt sich auch in den Kapitalverschiebungen deutlich nieder. Einer Umfrage der Bank of America zufolge haben Investoren tatsächlich überdurchschnittlich hohe Anteile ihrer Mittel in US-Aktien, vor allem von Banken, und andere US-Dollar-Assets gesteckt. Britische Aktien und Anleihen oder Schwellenländer-Anlagen hinken indes ihren langfristigen Durchschnitten massiv hinterher.
Wie schnell gerade bei Letzteren ein Trendwechsel vonstatten gehen kann, zeigen die russische und die brasilianische Börse. Bei beiden hieß es auf Grund des eingebrochenen Wachstums oder der gesunkenen Ölpreise bis vor Kurzem noch mehrheitlich “uninvestierbar” oder “nichts wie raus”. Jetzt gehören der brasilianische Bovespa-Index mit 30 Prozent Plus in zwölf Monaten und der Moskauer RTX-Index mit einem Gewinn von 32 Prozent in der gleichen Zeit zu den besten Investments.
Hier zeigt sich, wie hoch Kursgewinne ausfallen können, wenn Kapital zurückkehrt, das lange einen Bogen um eine Anlageregion oder -klasse gemacht hat. Denn nur in Bereichen des Kapitalmarkts, die längere Zeit verschmäht worden sind, kann frisches oder zurückkehrendes Geld die Notierungen merklich treiben – besonders, weil es dann oft auf ein insgesamt gesunkenes Handelsvolumen trifft. In den Finanzsegmenten hingegen, die gerade populär sind, steckt das Anlegergeld ja ohnehin schon, dessen kurstreibender Effekt hat bereits in der Vergangenheit stattgefunden.
Auch wenn es einfach klingt und zweifelsohne sinnvoll ist, einen Teil der eigenen Mittel in antizyklische Investments umzuleiten – Selbstläufer oder Gewinn-garanten sind sie nicht. Voraussetzung für den Erfolg ist ein ausreichender Zeithorizont, damit sich die -Contra-Position entwickeln kann (oft muss sich die Notierung ein paar Monate stabilisieren, bevor der Trend dreht). Auch sollten Inves-toren heftigere Schwankungen einplanen und durchstehen.
Eine Regel ist bei Contrarian-Investments besonders wichtig: nicht alles Geld auf einmal einsetzen. Gerade weil man sich gegen die Mehrheitsmeinung stellt, ist es unwahrscheinlich, dass man mit den eigenen Käufen den Tiefstkurs (oder beim Verkauf den Höchstkurs) erwischt. Deshalb sollten Anleger unbedingt einen Teil ihrer angepeilten Anlagesumme zurückhalten, um später günstiger nachzukaufen und so den durchschnittlichen Einstandspreis zu verbilligen.
Die Antizyklik-Strategie
“Teuer kaufen, billig verkaufen” – das ist nicht nur der Fehler mancher Anleger, sondern auch die Strategie vieler Aktienindizes. Die RAFI-Indizes gehen genau umgekehrt vor. “Da im RAFI-Index die Aktien nach fundamentalen Kriterien gewichtet werden, handeln wir im Prinzip gegenläufig zu den Wetten des Marktes”, erklärt Rob Arnott, Chef von Research Affiliates und Erfinder der RAFI-Indizes. Die Begründung: In den üblichen Aktienindizes bestimmt der Börsenwert eines Unternehmens das Gewicht einer Aktie im Index. Diese Gewichtung anhand der Marktkapitalisierung ist sinnvoll, wenn der Index den Gesamtmarkt repräsentativ abbilden soll. Bestimmt jedoch der Börsenwert der Unternehmen ihr Gewicht im Index, dann kommt es zu einer systematischen Übergewichtung hoch bewerteter Aktien und zu einer Untergewichtung niedrig bewerteter Aktien. Steigt eine Aktie stärker als der Markt, wird sie im typischen Index immer höher gewichtet. Fällt ihr Wert, wird der Anteil reduziert. Beim RAFI-Index erfolgt die Gewichtung dagegen anhand von vier fundamentalen Kritieren: Umsatz, Cashflow, Buchwert und Dividenden. Einmal pro Jahr wird das Portfolio neu justiert. Dann sinkt der Anteil gut gelaufener Aktien zu Gunsten der Aktien mit Aufwertungspotenzial.
Interessante Aussichten
Der Ölpreis bleibt durch die Fracking-Offensive der USA und die Vertragstreue der Opec-Staaten unter Druck. Dennoch gibt es positive Faktoren: So leiden Energieaktien seit Jahresbeginn unter einem überproportionalen Ausverkauf (siehe Chart rechts). Viele Spekulanten haben sich in den letzten Wochen von ihren Netto-Long-Positionen auf Rohöl getrennt – die Positionierung am Terminmarkt ist nun ausgeglichener – das Abwärtsrisiko sinkt. Saisonale Aspekte könnten ebenfalls unterstützen: Im Schnitt der letzten zehn Jahre tendierte der Ölpreis zwischen Mai und August nach oben. Auch derzeit ist die globale Nachfragesituation robust. Analysten prognostizieren für den Energiesektor das höchste jährliche Gewinnwachstum in den nächsten drei Jahren. Um mehr als 30 Prozent sollen die Gewinne steigen. Dieses Nachholpotenzial können Anleger mit dem breit gestreuten db-x-trackers-MSCI-World-Energy-ETF wahrnehmen. Der ETF bildet dabei die Wertentwicklung des MSCI-World-Energy-Total-Return-Net-Index ab – die derzeit 90 Energiekonzerne werden anhand ihrer relativen Größe, gemessen am Gesamtwert der frei verfügbaren Aktien, gewichtet. Amerikanische Aktien bilden mit 58 Prozent den Löwenanteil des Depotvermögens.
Großer Nachholbedarf
Die schrittweise Leitzinserhöhung der Fed, der Wahlsieg Macrons, schwächere Konjunkturdaten und ein robuster US-Arbeitsmarktbericht für den April – die viermonatige Rally des Edelmetalls mit einer Preiserhöhung von über 16 Prozent seit dem Jahresbeginn fand Mitte April ihr abruptes Ende. Vom Hoch bei 17,55 Euro fiel der Preis für eine Feinunze bis auf 14,81 Euro. Dies entspricht einem Abschlag von 15,6 Prozent in nur 14 Handelstagen. Das Gap könnte aber eine attraktive Einstiegschance sein. Viele Experten rechnen mit einer starken Gegenbewegung des Edelmetalls, spätestens im zweiten Halbjahr 2017. Denn Silber ist so überverkauft wie seit Ende 2015 nicht mehr. Zudem bleibt die Nachfrage aus der Industrie stabil.
Mit dem ETFS-Physical-Silver-ETC können Anleger auf die Aufholjagd setzen. Der ETC ermöglicht Investoren eine einfache, kosteneffiziente und sichere Investition in den Silbermarkt. Jedes Wertpapier verbrieft einen effektiven Anspruch auf Silber und richtet sich nach den Spot-Preis-Bewegungen des Edelmetalls. Der ETC ist dabei mit physischem Silber gedeckt, welches von der Depotbank verwahrt wird. Jeder physische Barren wird getrennt aufbewahrt, einzeln gekennzeichnet und zugeordnet.
Auf die Zinswende vorbereitet
Die Renditelücke zwischen US-amerikanischen und deutschen zehnjährigen Anleihen beträgt mittlerweile über zwei Prozent – und das trotz eines starken US-Dollar. In den 25 Jahren zuvor lagen die Differenzen nur selten über 1 Prozent. Der Grund: Während die Fed langsam die Zinsen erhöht, zeigt sich Mario Draghi stur. Bis jetzt, denn scheinbar wird die Zinswende auch in Europa vorbereitet. “Ich hoffe, dass die Regierungen in der Euro-Zone wissen, dass die Zinsen nicht auf dem aktuellen Niveau bleiben werden”, sagte Benoit Coeure, Mitglied des Führungsgremiums der Zentralbank. Der Sieg Macrons ist ein weiterer Schub in Richtung höherer Zinsen, was in aller Regel zu Kursrückgängen bei Anleihen führt.
Profitieren können Anleger mit dem ComStage-Bund-Future-Short-ETF. Fällt der Kurs des Future, dann steigt der Wert dieses ETF. Beim Euro-Bund-Future handelt es sich um einen Terminkontrakt auf eine fiktive zehnjährige Anleihe der Bundesrepublik Deutschland. Steigt also die Rendite der Bundesanleihen, gleichen dies die Kursgewinne des ETF ganz oder teilweise aus. Bei längerfristigen Investments ist allerdings Aufmerksamkeit nötig, denn die spiegelbildliche Veränderung des ETF wird auf Tagesbasis berechnet. Bei langen Anlagezeiträumen führt das zu einer nur ungefähren inversen Entwicklung.
von Andreas Körner/ Sinan Krieger, © Juni 2017 – ETF MagazinDieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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