Sommer-Blütenpracht: vom Mohr zur Möhre

By   /  July 16, 2017  /  Comments Off on Sommer-Blütenpracht: vom Mohr zur Möhre

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MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

Headline: Sommer-Blütenpracht: vom Mohr zur Möhre

Jetzt blüht die Lieblingspflanze des Schwalbenschwanzes

Im Hochsommer gehört die Wilde Möhre zu den auffälligsten und häufigsten Blumen am Wegesrand. Bei Insekten ist die Möhre sehr beliebt. Wildbienen, Wanzen, Käfer und Fliegen aller Art besuchen die Blüten und die Raupen des Schwalbenwanzes fressen sich am Möhrenkraut satt.

Wilde Möhre – Foto: Helge May

Wilde Möhre – Foto: Helge May

Wilde Möhre – Foto: Helge May

Wilde Möhren mit anfliegender Honigbiene – Foto: Helge May

Wilde Möhre mit Siebenpunkt-Marienkäfer – Foto: Helge May

„Große weiße Blumen“ ist die verbreitete Definition der Nicht-Botaniker für die verschiedenen Doldenblütler, die im Sommer ihre vielblütigen Köpfe der Insektenwelt feilbieten. Neben giftigen Vertretern wie Schierling oder Bärenklau findet man unter den Doldenblütlern Gewürze wie Anis, Dill und Kerbel. Ebenfalls in die Küche haben es Fenchel, Pastinak, Sellerie und vor allem die Möhre geschafft, deren Wildform derzeit besonders reich blüht.„Die Wilde Möhre ist im Hochsommer sehr auffällig überall am Wegesrand zu finden. Vorvergangenes Jahr scheint ein gutes Möhrenjahr gewesen zu sein”, spielt Sönke Hofmann vom NABU Bremen auf den zweijährigen Zyklus der Pflanze an. Aus den Möhrensamen von 2011 keimten vergangenes Jahr kleine Möhrenpflanzen, die jetzt im zweiten Lebensjahr aus der gesammelten Kraft der Wurzel heraus zu blühen beginnen.

Die dunkle Einzelblüte in der Mitte des Blütenstandes macht die Wilde Möhre unverwechselbar – Foto: Helge May

Hier ist die mittige Einzelblüte recht hell gefärbt – Foto: Helge May

Größerer Bestand Wilder Möhren – Foto: Helge May

Die Wilde Möhre ist eine der vermutlich drei Stammpflanzen unserer heutigen Kultur-Möhren. Neben der hiesigen Art kreuzten die Menschen schon in der Antike afghanische und mediterrane Möhrenarten ein. Im 18. Jahrhundert entstanden schließlich die bekannten orangefarbenen Möhren, die es nach den Tomaten bis auf Platz zwei der Gemüsehitliste gebracht haben. Ihr auffälliger Farbstoff, das Carotin, ist verantwortlich für den vor allem in Süddeutschland gebräuchlichen Namen „Karotte“. Anderenorts werden sie auch als Gelbe Rüben, Mohrrüben oder Wurzeln bezeichnet.Die Wurzel unserer Wilden Möhre – wissenschaftlich Daucus carota – ist weiß und ebenfalls genießbar. „Man sollte aber nur die einjährigen Wildmöhren essen, die Wurzeln der blühenden Pflanzen sind ziemlich scharf und auch holzig”, weiß Sönke Hofmann zu berichten. Als Naturschützer gesteht er dem Gewächs andere Qualitäten zu: „Die Wilde Möhre ist eine der Lieblingspflanzen der Raupen des wunderschönen Schwalbenschwanzes.”

Die Feldwespe gehört zu den zahlreichen Insekten, die die Möhrenblüten besuchen – Foto: Helge May

Schachbrettfalter auf Wilder Möhre – Foto: Frank Derer

Streifenwanzen auf Wilder Möhre – Foto: Helge May

Totenkopfschwebfliege (= Gemeine Doldenschwebfliege) auf Wilder Möhre – Foto: Helge May

Die Raupen des Schwalbenschwanzes haben die Wilde Möhre zum fressen gern. – Foto: Helge May

Wilde Möhre mit Schwefelkäfer – Foto: Helge May

Überhaupt ist die Wilde Möhre bei Insekten sehr beliebt. Wildbienen, Blattwespen, Wanzen, Käfer und Fliegen aller Art besuchen die Blüten. Dabei wirbt die Wilde Möhre mit einem pfiffigen Trick, sie täuscht nämlich bereits vorhandene Kundschaft vor. Inmitten der vielen kleinen weißen Teilblüten, aus der die Dolde besteht, befindet sich eine lila bis schwarz gefärbte Blüte, die daher „Mohrenblüte“ genannt wird. Durch sie bekam die Wilde Möhre ihren Namen.Doch wie hilft dieser kleine schwarze Punkt der Pflanze bei der erfolgreichen Vermehrung? Jeder kennt das Phänomen: Bleibt vor einem Schaufenster jemand interessiert stehen, bildet sich schnell eine Gruppe, die ansonsten achtlos vorüber gegangen wäre. Die kleine dunkle Blüte wird im Vorbeifliegen als Insekt wahrgenommen und signalisiert interessierte Kundschaft. „Gerade im Hochsommer, wenn alles blüht, ist das ein kleiner evolutiver Vorteil gegen die übrige weiße Konkurrenz am Wegesrand“, so Hofmann.Vor und nach der Blüte rollt sich die Dolde wie ein Vogelnest zusammen. Dieses weitere typische Erkennungsmerkmal sollte vor Verwechselungen mit dem giftigen Schierling oder der Hundspetersilie schützen.

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