ETF Magazin: “Profis greifen zu ETFs”

By   /  July 18, 2017  /  Comments Off on ETF Magazin: “Profis greifen zu ETFs”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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17. Juli 2017. München (ETF Magazin). ETFs sind bei institutionellen Investoren in Europa so beliebt wie nie zuvor. Im Rahmen einer Greenwich-Associates-Studie wurden im letzten Jahr 132 institutionelle Investoren aus den Bereichen institutionelle Fonds, Asset-Management, Versicherungen und Pensionsfonds zu ihrer ETF-Nutzung befragt. Die Ergebnisse zeigen: ETFs werden deutlich häufiger ins Portfolio genommen als noch ein Jahr zuvor. Die Investoren nutzen die Fonds, um die Liquidität ihrer Anleihenbestände zu optimieren und um die Volatilität, die mit Ereignissen wie dem Brexit einhergeht, zu managen. Zudem verschaffen sie sich mit ETFs schnell Zugang zu Anlageklassen, bei denen sie eine besonders gute Wertentwicklung erwarten.
Marktlage beflügelt ETF-Nutzung
Die Europäische Zentralbank glänzte nicht mit positiven Überraschungen, ganz im Gegenteil. Im Gegensatz zur US-amerikanischen Zentralbank belässt es Mario Draghi bei 0 Prozent. In Kombination mit den markttechnischen Risiken, die der Brexit birgt, sowie anhaltenden Liquiditätshürden im Anleihenbereich und einer verstärkten Volatilität auf dem Devisenmarkt, mausern sich ETFs auf Grund ihrer Vielseitigkeit immer mehr zu einer Standardkomponente im institutionellen Anlagebereich. Insgesamt verwenden 86 Prozent der von Greenwich Associates befragten Teilnehmer ETFs. Die Indexfonds kommen dabei schon im Schnitt auf 25 Prozent Anteil am Gesamtvermögen.
Der Anteil institutioneller Investoren, die ETFs im Risikomanagement oder im Rahmen von Overlay-Strategien verwenden, ist 2016 auf 36 Prozent gestiegen (2015: 28 Prozent). Greenwich Associates geht davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.
Ein weiteres überraschendes Ergebnis der Befragung: Versicherer sind die Gruppe, die ETFs am häufigsten einsetzt. Fast neun von zehn der befragten Versicherer nutzen ETFs. Ein Jahr zuvor lag der Anteil noch bei 63 Prozent. Vor allem Aktien-ETFs stehen bei den Befragten hoch im Kurs. 84 Prozent der Umfrageteilnehmer nutzen Aktien-ETFs. Von diesen plant ein Drittel, die Aktienquote 2017 zu erhöhen. Die Investoren schätzen dabei besonders die einfache Handhabung der ETFs und die Möglichkeit, in kurzer Zeit ein hohes Maß an Diversifikation zu erreichen. Hilfreich sei auch, dass die Kosten der ETFs sinken. Vorteile, die sich in den Portfolios abzeichnen.
Im Durchschnitt legen institutionelle Investoren in Europa bereits ein Viertel des gesamten Fonds-Aktienvermögens in ETFs an. Der Schwerpunkt liegt dabei besonders auf Industriestaaten und Schwellenländern. Drei Viertel der Befragten gehen davon aus, dass sich diese Märkte 2017 am besten entwickeln werden, während 20 Prozent glauben, dass Anleihen positiv überraschen können.
Anleihen und Smart Beta gefragt
Der Anteil der Investoren, die ETFs im Rahmen des Liquiditätsmanagements einsetzen, ist 2016 auf 45 Prozent gestiegen, 2015 verwendeten nur 36 Prozent der Befragten ETFs für diesen Zweck. Der Umfrage zufolge plant einer von zehn Befragten, 2017 erstmals Anleihenfonds einzusetzen. 27 Prozent der Befragten, die Anleihen-ETFs bereits nutzen, wollen den Bestand im Jahr 2017 weiter ausbauen. Hintergrund ist nach Einschätzung von Greenwich Associates, dass Investoren angesichts von Basel III eine verringerte Liquidität am Anleihenmarkt wahrnehmen. Mittlerweile machen passive Anlageprodukte rund 29 Prozent aller Renteninvestments innerhalb der institutionellen Portfolios aus – der Anteil stieg damit im Vergleich zum letzten Jahr um neun Prozentpunkte. Die Experten glauben, dass sich dieser Anteil noch weiter vergrößern wird. 17 Prozent aller Investoren, die Anleihen-ETFs nutzen, tun dies erst seit zwölf Monaten oder weniger. Dieser relativ große Anteil an Neulingen zeige, wie viel Luft es noch nach oben gebe, so die Autoren der Studie.
Die Investoren sind angesichts des Niedrigzinsumfelds zudem offen für neue Ansätze – 26 Prozent aller Befragten nutzen Smart-Beta-ETFs (2015: 21 Prozent). Besonders beliebt sind dabei Minimum-Volatilitäts-ETFs. Den größten Sprung in der Popularität machten hingegen ETFs, die eine besondere Gewichtung nach der Dividende vornehmen. 2015 verwendete noch keine der investierten Institutionen diese Form, 2016 waren es bereits 55 Prozent – ein klares Zeichen, dass die Teilnehmer auf der Suche nach neuen Rendite- und Einnahmequellen sind. Drei Viertel der Investoren, die bereits Smart-Beta-ETFs einsetzen, wollen den Anteil in der nächsten Zeit ausbauen.
Kein Hype, sondern strategische Überlegung
Rund ein Drittel der befragten Investoren nutzt ETFs als Ergänzung zu anderen Anlageprodukten, im Jahr 2015 lag der Anteil noch bei 29 Prozent. Asset-Manager und Versicherer liegen in diesem Trend dabei ganz vorn – jeweils 40 Prozent von ihnen haben im vergangenen Jahr andere Investment-Werkzeuge durch ETFs ersetzt. Besonders häufig trifft es dabei aktiv verwaltete Fonds – viele Befragte gaben an, sich vom aktiven Fondsmanagement keinen Vorteil mehr zu versprechen.
Ein Drittel der institutionellen Investoren hat 2016 auch bestehende Futures-Positionen durch ETFs ersetzt – die Hälfte der befragten ETF-Nutzer plant für dieses Jahr ähnliche Schritte. Als Vehikel im Risiko- oder Liquiditätsmanagement, als Ergänzung oder Ersatz für andere Anlageinstrumente, als Möglichkeit der Volatilitätsminimierung und als diversifizierter Zugang zu einzelnen Märkten – ETFs dienen institutionellen Anlegern als Universalantwort auf die derzeitig komplexe Marktlage. Das Vorurteil, ETFs wären ein zu teures Instrument für professionelle Anleger, hält nicht – ganz im Gegenteil.
von Sinan Krieger © Juni 2017 – ETF MagazinDieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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