Auslandsaktien: Airlines im Aufwind

By   /  July 28, 2017  /  Comments Off on Auslandsaktien: Airlines im Aufwind

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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27. Juli 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Top-Performer unter den DAX-Werten auf Zwölfmonatssicht ist derzeit die Lufthansa. Um 81,4 Prozent hat die Aktie zugelegt. Auch auf Sechsmonatssicht fliegt die deutsche Fluggesellschaft vorn, obwohl die traditionellen Airlines seit Jahren mit der wachsenden Konkurrenz durch Billigflieger und Anbieter aus dem Nahen Osten wie Emirates zu kämpfen haben. “Dazu kommen die extrem teuren Tarifverträge”, bemerkt Michael Arras von Oddo Seydler. “In den USA ist der Verdrängungswettbewerb mehr oder weniger abgeschlossen, und die Preise haben sich stabilisiert, in Europa geht der Prozess noch weiter.”
Doch für die Lufthansa gab es in diesem Jahr viele positive Nachrichten: die Einigung im Pilotenstreit, die Beilegung des Gebührenstreits mit dem Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport und auch die Tatsache, dass Lufthansa die kränkelnde Air Berlin nicht übernehmen will.
“Bombastische” Zahlen von Ryanair
Während die Lufthansa-Aktie vor ihrem Höhenflug kräftig verloren hatte – zwischen April 2014 und Oktober 2016 hatte sich der Kurs halbiert – geht es bei der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair schon seit Jahren fast ausschließlich nach oben. Und die Erfolgssträhne scheint noch nicht abzureißen: “Die diese Woche veröffentlichten Zahlen zum zweiten Quartal sind bombastisch”, bemerkt Arras. In den ersten drei Monaten des bis Ende März 2018 laufenden Geschäftsjahres ist der Gewinn um 55 Prozent auf 397 Millionen Euro gestiegen, der Umsatz um 13 Prozent. Einen Dämpfer gab es aber auch: Ryanair-Chef Michael O’Leary rechnet mit einem Rückgang von rund 8 Prozent beim durchschnittlichen Ticketpreis im zweiten Quartal. “Einerseits profitiert Ryanair wie alle Airlines vom billigen Kerosin und den niedrigeren Refinanzierungskosten, andererseits hat das Unternehmen ein Problem wegen des Brexits”, erklärt Arras. Bislang sind viele Ryanair-Flugzeuge in Großbritannien stationiert.
Der Billigflieger hat außerdem ein Angebot für die angeschlagene italienische Fluglinie Alitalia abgegeben, allerdings gibt es noch andere Interessenten, etwa die britische Easyjet. “Für Ryanair wäre der Zuschlag sehr positiv. Dadurch würde die Kundenbasis deutlich ausgebaut”, meint Arras. Die Aktie (WKN A1401Z) wird an der Börse Frankfurt aktuell zu 18,63 Euro gehandelt, vor einem Jahr waren es 11,77 Euro, vor fünf Jahren nur 4 Euro.
Kleine Delle bei Delta

Die US-Fluggesellschaft Delta enttäuschte hingegen mit ihren Zahlen zum zweiten Quartal: Der Gewinn ging um 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, wie Delta schon Mitte des Monats bekannt gab. “Wegen diverser Stürme kam es zu vielen Flugausfälle”, meldet Arras. Die Aktie reagierte mit Verlusten, zuvor war ein Allzeithoch von über 55 US-Dollar erreicht worden. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kurs dennoch verfünffacht. Für Euro-Anleger sieht es an der Börse Frankfurt (WKN A0MQV8) sogar noch ein bisschen besser aus.
Aeroflot auf Erholungskurs

Noch rasanter gestiegen ist die Aktie von Southwest Airlines (WKN 862837), auf die Christopher Steinhöfel von der Baader Bank hinweist.
Nummer eins unter den Top-Performern 2016 und 2017 ist laut Steinhöfel allerdings die russische Airline Aeroflot (WKN A142TP). Anfang vergangenen Jahres kostete die Aktie noch weniger als 3 Euro, vor kurzem waren es fast 16, aktuell sind es 14,90 Euro. Nach einer Krise hat die Airline auf eine erneuerte Flotte gesetzt und verstärkte Marketing und Service, nach zwei Verlustjahren 2014 und 2015 konnte dann 2016 wieder ein Gewinn eingefahren werden – sogar ein Rekordgewinn. Grund ist auch die russische Währung: Nachdem der Rubel mit dem Ölpreis und den westlichen Sanktionen rapide in Wert verloren hatte, geht es seit diesem Jahr wieder nach oben – die Russen können sich im Ausland wieder mehr leisten.

China zieht nach

In den vergangenen Jahren eher seitwärts bewegt hat sich die Aktie von Air China (WKN A0M4WT), der staatlichen Fluggesellschaft der Volksrepublik China. Seit Jahresanfang gerechnet kommt sie, trotz jüngster Verluste, aber auf ein Plus von 26 Prozent, aktuell wird sie zu 0,75 Euro gehandelt. “Im Flugverkehr in China gibt es noch viel Nachholbedarf”, meint Arras. Schätzungen zufolge könnte China als zweitgrößte Volkswirtschaft bereits bis 2024 die USA als das Land mit dem weltweit höchsten Passagieraufkommen ablösen.

“Es sieht alles nicht nach einem Einbruch aus”, erklärt Steinhöfel. “Der Ölpreis hat seine Tiefs vom Januar 2016 zwar hinter sich gelassen, bei Preisen unter 50 US-Dollar kommen die Fluggesellschaften aber gut zurecht.” Zudem laufe die Konjunktur in den meisten Industrieländern gut. “Die verfügbaren Einkommen steigen, die Menschen fliegen mehr in Urlaub.” Außerdem werde sich eine Steuerreform in den USA positiv auf die Airlines auswirken: Die Unternehmen würden von geringeren Steuern profitieren, und die Konsumenten hätten mehr Geld in der Tasche. “Auch Warren Buffett hat nach den US-Präsidentschaftswahlen massiv in die Aktien von US-Fluggesellschaften investiert.”

von Anna-Maria Borse
27. Juli 2017, © Deutsche Börse AG

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