Anleihen: Bundespapiere machen Boden gut

By   /  July 29, 2017  /  Comments Off on Anleihen: Bundespapiere machen Boden gut

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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28. Juli 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Erstmals seit 2014 refinanzierte sich Griechenland in dieser Woche wieder erfolgreich über den Kapitalmarkt. Für eine Anleihe mit fünfjähriger Laufzeit (WKN A19MEC) zahlt Athen seinen Gläubigern einen Kupon von 4,375 Prozent. “Für das 3 Milliarden Euro schwere Papier lagen Bestellungen in Höhe von etwa 6,5 Milliarden Euro vor”, berichtet Gregor Daniel. Seit Aufnahme der Anleihe in den Handel passiere allerdings wenig. Der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank führt dies auf die Erinnerung an die Umschuldung von Griechenland-Bonds im 2012 zurück. “Damals wurde viel Porzellan zerschlagen.”

Hauptabnehmer der mit einer Notierung von 98,90 Prozent und einer Rendite von 4,625 Prozent im Handel gestarteten Hellas-Bonds sind britische und US-amerikanische Investoren, wie Arthur Brunner von der ICF Bank ergänzt. “Wobei ein Großteil der Nachfrage aus den Vereinigten Staaten kam.”

Kreditwürdigkeit immer noch ungenügend

Diese langersehnte Emission stellt für Athen nach Ansicht von Klaus Stopp einen wichtigen Test dar. “Denn die Kapitalmarktfähigkeit Griechenlands ist Voraussetzung dafür, dass die Europäische Zentralbank griechische Staatsanleihen in ihr Aufkaufprogramm aufnimmt”, begründet der Rentenhändler der Baader Bank. Daran habe Athen naturgemäß großes Interesse. Ein Gelingen dieses Vorhabens setze allerdings die Tragfähigkeit griechischer Staatsschulden voraus. Denn noch befinde sich das Land nach Auffassung der großen Agenturen weit von einem Investment-Grade entfernt. EZB-Präsident Mario Draghi behalte sich aber eine weitere, eigene Analyse der Schuldentragfähigkeit vor, um über die Aufnahme griechischer Papiere in das Anleihen-Kaufprogramm zu befinden.

Ende der Anleihen-Käufe offen

Mit der Entscheidung, den Leitzins erwartungsgemäß unverändert in einer Spanne zwischen 1 und 1,25 Prozent zu belassen, schließt sich die US-Notenbank Fed nahtlos den jüngsten Sitzungsergebnissen der Bank of Japan, Bank of England und Europäischen Zentralbank an. Auch der erneute Hinweis auf eine baldige Rückführung der Anleihen-Käufe ist für Brunner nicht überraschend. Demnach werden künftig für auslaufende Bonds im Besitz der Fed keine neuen gekauft. Wann das sein wird, gehe aus der aktuellen Formulierung der Offenmarktausschuss-Protokolle allerdings nicht hervor.

 “Der zusätzliche Hinweis, dass auch weiterhin fällige Anleihen ersetzt werden, dämpft aber die Hoffnung auf eine baldige Reduzierung der Bilanzsumme, die in den Jahren seit der Finanzkrise auf 4,5 Billionen US-Dollar angestiegen ist”, urteilt Stopp. Ebenso sei noch offen, wann die nächste Zinserhöhung anstehe. Janet Yellen habe zwar die Notwendigkeit schrittweiser Anpassungen nach oben hervorgehoben, diese aber abhängig von der konjunkturellen Entwicklung gemacht. Damit sei die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschrittes bis zum Jahresende von über 60 Prozent Anfang Juli auf nun 45 Prozent gefallen. “Dieser Meinungsumschwung resultiert sicherlich auch aus den durchaus begründeten Zweifeln über die Fähigkeit der Trump-Regierung, ihre angekündigte Politik durchzusetzen.” Stopp Zinsbarometer gewinnt hinzu

An den Bondmärkten kam die zunächst unverändert lockere Geldpolitik gut an, wie die Helaba beschreibt. Bundesanleihen setzten ihren Erholungskurs fort, aktuell notiert der Euro-Bund-Future bei 161,59 Prozent. Die Renditen am deutschen Rentenmarkt hätten nach dem deutlichen Anstieg Ende Juni wieder den Rückwärtsgang eingelegt. Die jüngste Euro-Stärke sowie der schwächere Aktienmarkt hätten hiesigen Staatsanleihen auf die Sprünge geholfen. Zehnjährige Bunds rentierten Ulf Krauss zufolge zuletzt zwischen 0,5 und 0,6 Prozent. Gleichwohl wirken Anleger nach Meinung des Analysten nervös, zumal auch andere Märkte kräftig in Bewegung seien. Insgesamt spreche das gegenwärtige Umfeld dafür, dass der Rentenmarkt zumindest im Sommer sein aktuelles Niveau verteidigen kann.

Sommerliche Gelassenheit
 “Generell bewegt sich der Rentenmarkt ferienbedingt in ruhigem Fahrwasser”, beschreibt Brunner die Handelswoche. Die Fortsetzung der Dieselaffäre habe Hybridanleihen etwa von VW (WKN A1ZE21) zwar etwas unter Druck gesetzt. “Von Panikverkäufen sind wir aber weit entfernt.” Daniel beschreibt die Gelassenheit der Anleger als Gewöhnungseffekt. “Zu Beginn der Affäre hatten wir noch große Abflüsse aus Bonds von Autobauern.” Daniel 

Anleger flüchten aus Venezuela-Anleihen

Anders sieht es bei Papieren des krisengeschüttelten Venezuelas aus, dessen Anleihen laut Rainer Petz durchgehend abgestoßen würden. Betroffen sind dem Händler der Oddo Seydler Bank zufolge alle Laufzeiten. Von einem im September 2027 fälligen, mit jährlich 9,25 Prozent verzinsten Wert (WKN 195081) trennten sich Anleger ebenso wie von einem bis Dezember 2018 laufenden Bond (WKN A0D1YA) mit einem Kupon von 7,0 Prozent.
Venezuelas Bürger sollen am kommenden Sonntag einer von Staatspräsiden Nicolás Maduro angestrebten verfassungsgebenden Versammlung zustimmen. Mit Kundgebungen und Aufrufen zum Generalstreik versuche das Oppositionsbündnis MUD die Verfassungsreform noch abzuwenden, woraufhin Maduro ab heute alle öffentlichen Versammlungen bis Dienstag verboten habe. “Die Abkehr von Venezuela-Papieren könnte auch einen ethischen Hintergrund haben”, schätzt Daniel. Vor wenigen Monaten habe Goldman Sachs massenhaft Anleihen des venezolanischen Ölkonzerns PDVSA gekauft und sei dafür öffentlich kritisiert worden, einen gewalttätigen Diktator zu unterstützen. In Venezuela mit seinen reichen Ölvorkommen mangele es mittlerweile an allem. Der Internationale Währungsfonds beziffert den Rückgang der Konjunktur im vergangenen Jahr auf 18 Prozent, die Inflation sei die höchste weltweit.
von Iris Merker

28. Juli 2017, © Deutsche Börse AG

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