Wochenausblick: Nicht nur saisonal schwierig

By   /  July 31, 2017  /  Comments Off on Wochenausblick: Nicht nur saisonal schwierig

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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31. Juli 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der starke Euro und die Kartellvorwürfe gegen Deutschlands Paradebranche, der Autoindustrie, dürften Analysten zufolge vorerst auch weiter auf dem DAX lasten. Von seinem Allzeithoch bei 12.951,54 Punkten vor anderthalb Wochen hat sich der Index mittlerweile deutlich entfernt: Vergangene Woche ging es nochmals nach unten auf 12.169 Punkte am Freitag zu Handelsschluss, am Montagmorgen liegt der Index bei 12.191 Punkten ganz leicht im Plus.

In den USA herrscht hingegen weiter Rekordlaune: Am Freitag kletterte der Dow Jones auf ein neues Allzeithoch von 21.830,31 Punkten, S&P 500 und Nasdaq hatten am Donnerstag neue Spitzenwerte erreicht.

Das Schlimmste vorbei?

Robert Greil von Merck Finck geht davon aus, dass ein Großteil der Korrektur im DAX vorüber ist. “Das konjunkturelle Umfeld bleibt gut, die Liquidität hoch und renditeträchtige Alternativen zur Aktienanlage rar.” Zudem liege bei gut 11.800 Punkten eine wichtige charttechnische Unterstützung. “Die größte Gefahr für Eurolands Aktienmärkte geht derzeit von einem noch stärkeren Euro aus”, meint Greil.

“Die Sorgen über die Geldpolitik sollten nicht überbewertet werden”, erklärt unterdessen Jan Gengel von der Weber Bank. Eine gute Blaupause biete hier die Entwicklung in den USA: Auch für Europa sei bei einem Ausstieg aus den Anleihekäufen nicht mit einer schnellen Verringerung der Liquidität zu rechnen. “So sollte die EZB im kommenden Jahr lediglich aufhören, ihre Bilanzsumme weiter aufzublähen. Dadurch verringert sich jedoch die Geldmenge nicht. Die Unterstützung bleibt.” Zudem sollte eine kräftige Konjunktur in den kommenden Quartalen die Aktienmarktentwicklung stützen. “Die derzeitige Konsolidierung bietet somit gute Möglichkeiten, weitere aussichtsreiche Titel zu selektieren.”
Aufwärtstrend noch intakt Laut Christian Henke von IG handelt es sich beim DAX-Rückgang seit dem Allzeithoch um eine Korrektur innerhalb eines unverändert intakten Aufwärtstrends. “Auch ein Test der psychologischen Marke bei 12.000 Punkten ist durchaus denkbar, wäre jedoch kein Beinbruch”, erläutert der Charttechniker. Ein Rutsch unter die horizontale Unterstützung bei 11.430/11.480 Zählern sollte jedoch vermieden werden. Zuvor liege als weitere Unterstützung bei rund 11.840 Punkten der steigende einfache 200-Tage-Durchschnitt.
“Im Augenblick drängt sich ein Engagement in deutschen Bluechips nicht auf”, erklärt Henke. Erst wenn das ehemalige Rekordhoch bei 12.390 Punkten und anschließend die neue Bestmarke bei 12.951 Zählern zurückgewonnen würden, werde die technische Ampel wieder auf Grün springen. Allerdings könne die Saisonalität dem DAX einen Strich durch die Rechnung machen. Der August und vor allem der September gehörten zu den schwachen Börsenmonaten. “Erst ab Oktober geht es statistisch betrachtet auf dem Frankfurter Börsenparkett wieder aufwärts.”
Henke Gegenreaktion möglich Christian Schmidt von der Helaba zufolge hat der DAX mit dem neuen Impulstief bei 12.098 Zählern ein weiteres, prozyklisches Signal generiert, wenngleich auch festgestellt werden müsse, dass die lange Lunte an der Tageskerze vom Freitag etwas Raum für eine temporäre Erholungsbewegung lasse. “Vielmehr als eine Gegenreaktion sollte derzeit jedoch nicht erwartet werden”, meint Schmidt. Denn sowohl der 21- als auch der 55-Tagedurchschnitt zeigten nach unten. “Der 100-Tagedurchschnitt hat bereits seine vormals steigende Tendenz verlassen.”
Schmidt 
Der freie Charttechniker Christian Schlegel sieht den Index in der Nähe der Zielzone der momentanen Abwärtsbewegung. Sie kann durchaus bis zur 200-Tage-Linie bei 11.853 Punkten führen. Er zieht aber auch kurzfristige Gegenläufe mit den Marken 12.325 und 12.400 in Erwägung.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Neben wichtigen Konjunkturzahlen wie Inflation und Arbeitslosenquote stehen in den kommenden Tagen auch zahlreiche Quartalsberichte auf der Agenda. Etwa legen Fresenius und FMC, HeidelbergCement, Infineon, Commerzbank, Vonovia, Adidas, Continental, Telekom und Siemens ihre Bücher offen.Montag, 31. Juli

11.00 Uhr. Eurozone: Arbeitslosenzahlen Juni.

11.00 Uhr. Eurozone: Konsumentenpreise Juli.

Dienstag, 1. August

11.00 Uhr. Eurozone: BIP 2. Quartal. Die DekaBank rechnet mit einem Plus von 0,6 Prozent zum ersten Quartal und 2,2 Prozent zum Vorjahresquartal. Die Stimmungsindikatoren überzeichneten die tatsächliche Entwicklung, heißt es. Doch bleibe die konjunkturelle Schlagzahl immer noch so hoch, dass die hohe Arbeitslosigkeit in Europa weiter abgebaut werden könne.

16.00 Uhr. USA: ISM Index Verarbeitendes Gewerbe Juli. Nach Ansicht von HSBC Trinkaus & Burkhardt dürften sich die US-Unternehmen angesichts der zeitlichen Verzögerung der in Aussicht gestellten Steuerreform zunehmend ernüchtert zeigen. Die ISM-Indizes für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor seien daher wahrscheinlich zumindest moderat zurückgegangen.
Donnerstag, 3. August
13.00 Uhr. Großbritannien: Notenbanksitzung Bank of England. Nach Ansicht der Helaba wird die Bank of England in Warteposition bleiben – trotz der drei Stimmen für höhere Leizinsen auf der vorherigen Sitzung. Neben den politischen Unsicherheiten sowie dem flauen britischen Wirtschaftswachstum sei die Inflation in Großbritannien zuletzt nämlich wieder zurückgegangen.

Freitag, 4. August

14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenzahl Juli. Die DekaBank geht davon aus, dass auch im Juli 200.000 zusätzliche Stellen aufgebaut wurden. Nach einem leichten Anstieg im Vormonat sei die Arbeitslosenquote wohl wieder auf 4,3 Prozent zurückgefallen.

von Anna-Maria Borse
31. Juli 2017, © Deutsche Börse AG

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