Börse Frankfurt Magazin: “Zyklen und Trends – zuverlässige Indikatoren oder purer Unsinn?”

By   /  August 14, 2017  /  Comments Off on Börse Frankfurt Magazin: “Zyklen und Trends – zuverlässige Indikatoren oder purer Unsinn?”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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14. August. FRANKFURT (Börse Frankfurt). “Sell in May and go away” ist eine der bekanntesten und ältesten Börsenweisheiten, über die auch in diesem Frühjahr an den Börsen wieder diskutiert wurde. Weniger bekannt ist den Marktteilnehmern allerdings die Fortsetzung der Börsenregel mit “… and stay away till St. Leger Day”. Die Börsenweisheit fußt damit auf einem über viele Jahre hinweg beobachteten Kursmuster, nach dem die Aktienkurse zu Beginn des Jahres meist steigen, ab Mai allerdings ihren Aufwärtstrend beenden und in eine Korrekturphase übergehen.
Denn in der nachrichtenarmen Ferienzeit nehmen die Handelsumsätze an den Börsen traditionell ab, viele professionelle Marktteilnehmer halten sich mit Neuengagements zurück. So verließen der Legende nach auch die Banker und Portfoliomanager London, um sich ab Mai in die Sommerferien zu verabschieden und erst wieder nach dem “St. Leger Day”, dem letzten Pferderennen der Saison im September, in die City zurückzukehren. Anleger sollten demnach ihre Positionen im Mai größtenteils verkaufen und sich über den Sommer vom Markt fernhalten.
Zyklusbeschreibung schon in der Bibel

Das Beobachten von Zyklen und Trends beschäftigt die Menschheit bereits seit Jahrhunderten. Sich wiederholende Erfahrungen sollen Anhaltspunkte liefern, was in bestimmten Situationen zu tun ist. So wird bereits in der Bibel ein siebenjähriger Zyklus beschrieben, als Joseph, der Sohn Jakobs, im ersten Buch Mose einen Traum des Pharaos als sieben gute und sieben schlechte Erntejahre deutete. Der deutsche Agrarwissenschaftler Arthur Hanau hat vor rund 90 Jahren im Rahmen einer Dissertation erstmals den bekannten Schweinepreiszyklus beschrieben und analysiert. Ihm zufolge provoziert ein hoher Preis für Schweinefleisch zusätzliche Aufzucht und damit ein größeres Angebot, das aufgrund der nicht zunehmenden Nachfrage nur zu niedrigeren Preisen verkauft werden kann. In der Folge geht das Angebot wieder zurück, die Preise beginnen wieder zu steigen – der Zyklus beginnt von vorne.
Erfindungen begründen Zyklen

In den vergangenen Jahrzehnten wurden verschiedene Zyklen dokumentiert. Als einer der bekanntesten Zyklusforscher der Neuzeit beobachtete der sowjetische Wirtschaftswissenschaftler Nikolai Kondratjew, dass kürzere Zyklen von 10 bis 15 Jahren von langen Zyklen mit einer Dauer von bis zu 50 oder 60 Jahren überlagert werden, denen bahnbrechende Erfindungen vorausgehen.
So wurde der erste Kondratjew-Zyklus mit der Erfindung der Dampfmaschine und den Innovationen in der Textilindustrie ausgelöst, der zweite durch die Eisenbahn und die Entwicklung der Bessemerbirne angestoßen. Die weiteren der insgesamt fünf bislang beobachteten Kondratjew-Zyklen werden mit den Fortschritten in der Physik, der Automobilindustrie und der Petrochemie sowie mit der computerbasierten Informationstechnologie verbunden.
Dem Boom folgt der Abschwung

Zu den wichtigsten Konjunkturzyklen zählt der nach dem britischen Statistiker benannte Kitchin-Zyklus, der in der Regel einen Zeitraum zwischen drei und fünf Jahren umfasst und auch als Lagerzyklus bekannt ist. Ähnlich wie beim Schweinezyklus ist die erste Hälfte des Kitchin-Zyklus von einem wirtschaftlichen Aufschwung, einer Produktionsausweitung und Lageraufbau gekennzeichnet, während es in den beiden nachfolgenden Jahren zu einem Abschwung und einem Abbau von Lagerbeständen kommt. Kitchins französischer Kollege Clément Juglar definierte den Juglar-Zyklus mit einer Dauer von sieben bis elf Jahren. In diesem klassischen Konjunkturzyklus durchläuft die Wirtschaft die vier Phasen Aufschwung, Boom, Abschwung und Rezession.
Verlaufsmuster an den Finanzmärkten

Investoren wissen um den Einfluss von Wirtschafts- und Konjunkturzyklen auf die Börse, die neben der “Sell in May”-Weisheit noch weitere Verlaufsmuster und Trends kennt. So ist in den letzten Wochen des Jahres an den Aktienmärkten meist eine Jahresschlussrally zu sehen. Ein weiteres wiederkehrendes Muster ist der sogenannte US-Präsidentschaftszyklus. Historisch kann beobachtet werden, dass in den Vorwahljahren und in der zweiten Hälfte des Wahljahres die Kurse steigen, während sich im Nachwahljahr Ernüchterung breit macht. Die Ausnahme zur Regel kann gerade beobachtet werden. Bisher jagt der S&P von einem Rekord zum nächsten, obwohl wir uns im Nachwahljahr befinden. Ein weiteres Muster, das an den Finanzmärkten zu beobachten ist, ist der 10-Jahres-Zyklus. Glaubt man diesem Phänomen, steigen die Börsenkurse in der ersten Hälfte der Dekade im Durchschnitt kaum, in der zweiten hingegen deutlich an.
Abweichungen möglich

Immer wieder auftretende Muster in der Konjunktur- oder Börsenentwicklung haben etwas Faszinierendes. Während die Zyklen in der Wirtschaft häufig fundamental zu begründen sind, basieren viele Zyklen und Trends an der Börse auf Durchschnittswerten verschiedener Zeiträume. Anleger sollten jedoch, stets bedenken dass sich Muster aus der Vergangenheit nicht exakt wiederholen müssen.
14. August 2017. © Menthamedia

Das Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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