Anleihen: Air Berlin schockiert

By   /  August 19, 2017  /  Comments Off on Anleihen: Air Berlin schockiert

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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18. August 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Thema der Woche ist ganz klar Air Berlin. Bis Mittwoch wurde der Handel der Anleihen ausgesetzt, dann fielen die nun ohne Stückzinsen gehandelten Papiere (WKN AB100B, AB100L) unter 10 Prozent. “Vor der Insolvenzankündigung waren es für die bis 2018 laufende Anleihe 75 Prozent, für die bis 2019 laufende 50 Prozent “, erklärt Rainer Petz von Oddo Seydler. “Das war schon ein Schock.” Die meisten seien davon ausgegangen, dass zumindest die bis 2018 laufende Anleihe zurückbezahlt wird.
Kursverluste hatte es schon im Juni gegeben, als wieder einmal Gerüchte über eine Pleite der schwächelnden Airline kursierten, die Verluste hielten sich aber noch in Grenzen. Anfang Juni wurde das 2018 fällige Papier noch bei 97 Prozent gehandelt. Klar ist, dass die Lufthansa an Air Berlin interessiert ist, die Verhandlungen starten heute. “Die Kurse sind daher schon wieder etwas gestiegen.” Beide Anleihen werden aktuell um 12 Prozent gehandelt.
Geldpolitik vorerst weiter expansiv
Mit der Veröffentlichung des Protokolls der US-Notenbanksitzung vom Juli ist unterdessen unwahrscheinlicher geworden, dass es eine weitere US-Zinserhöhung schon im September geben wird. “Viele” Fed-Mitglieder rechnen offenbar damit, dass die Inflationsrate länger als zuvor erwartet unter 2 Prozent bleiben wird. Das Protokoll der jüngsten EZB-Sitzung zeigte unterdessen, dass sich die Notenbanker um den starken Euro sorgen.
 “Wegen des starken Euro ist nicht davon auszugehen, dass die EZB so schnell einen schärferen Kurs einschlagen wird”, meint Arthur Brunner von der ICF Bank. Derzeit wird am Markt davon ausgegangen, dass die europäische Notenbank nach der September- oder der Oktober-Sitzung eine Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe von derzeit 60 Milliarden Euro ab 2018 ankündigen wird.
In der kommenden Woche treffen sich die Vertreter der bedeutendsten Notenbanken der Welt im US-amerikanischen Jackson Hole. Dass EZB-Chef Mario Draghi schon dann einen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ankündigen wird, gilt als unwahrscheinlich, viel beachtet wird das Treffen dennoch.
Brunner 

Der Euro-Bund-Future liegt am Freitagmittag bei 164,32 Punkten und damit in etwa auf dem Niveau vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen werfen 0,41 Prozent ab. Aufgrund der Terroranschläge in Barcelona war der Zins sogar kurz unter 0,40 Prozent gefallen. Ohne große Auswirkungen blieb, dass das Bundesverfassungsgericht die umstrittenen Staatsanleihekäufe der EZB vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) überprüfen lassen will.

Nur wenige Gewinnmitnahmen

Abgesehen von Air Berlin blieb es im Handel mit Unternehmensanleihen eher ruhig. “Es gab infolge der Air Berlin-Insolvenz einige Gewinnmitnahmen bei Unternehmens- und Staatsanleihen, aber nicht im großen Stil”, erklärt Brunner. Er berichtet von regen Umsätzen in einem Papier der ERB Hellas Funding (WKN A0GJB4), hinter dem die griechische Eurobank Ergasias steckt. “Die Ausschläge sind hoch.” In der Spitze wurde die Anleihe diese Woche zu 69,5 Prozent gehandelt, jetzt sind es 62 Prozent.
Überwiegend Käufe meldet der Händler für einen Bond des Brauereikonzerns Anheuser-Busch Inv (WKN A1G9Y8), der bis 2024 läuft und einen Kupon von 2,875 Prozent bietet. Gut nachgefragt werde auch eine Nachranganleihe der IKB (WKN A2E4QG).

Tesla, Otto und Amazon mit neuen Anleihen Unter den Neuemissionen kam Petz zufolge eine US-Dollar-Anleihe des Autobauers Tesla bei den Anlegern gut an. Das Papier bietet einen Kupon von 5,3 Prozent und läuft bis 2025, die Stückelung ist mit 2.000 US-Dollar kleinanlegerfreundlich. “Die Anleihe kam zu 100 Prozent auf den Markt, jetzt wird sie zu 98 Prozent gehandelt.”
Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet von einem neuen Floater des Hamburger Versandhauses Otto (WKN A2GS2K) mit Zinssatz beim 3-Monats-Euribor plus 215 Basispunkte und Laufzeit bis 2026. “Die Anleihe kam aber gleich unter Druck”, berichtet der Händler. Aktuell wird das Papier zu 99,25 Prozent gehandelt.
Daniel 

Eine Mega-Emission – in mehreren Tranchen – gab es in dieser Woche vom US-Internethändler Amazon. Mit einem Volumen von 16 Milliarden US-Dollar ist es die viertgrößte Emission des Jahres. “Das Interesse der Anleger war sehr hoch”, stellt Brunner fest. Das Orderbuch erreichte rund 47 Milliarden US-Dollar. “Die Märkte funktionieren im Moment sehr gut – trotz Sommerloch.” Eine der auf US-Dollar lautenden Tranche hat eine Laufzeit von 40 Jahren und bietet einen Kupon von 4,25 Prozent, ein 30 Jahre laufendes Papier 4,05 Prozent.
von Anna-Maria Borse
18. August 2017, © Deutsche Börse AG

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