Börse Frankfurt Magazin: “Bitcoins und andere digitale Währungen heben ab”

By   /  August 28, 2017  /  Comments Off on Börse Frankfurt Magazin: “Bitcoins und andere digitale Währungen heben ab”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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28. August. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Der Anfang war typisch amerikanisch und kurios: Im Jahr 2010 bot ein Programmierer in den USA 10.000 Bitcoins für denjenigen, der ihm zwei Pizzen nach Haus liefern sollte. Der Aufruf blieb nicht ungehört und war damit wohl die erste Zahlung weltweit, die per Bitcoins abgewickelt wurde. Angesichts des aktuellen Kurses von rund 2.500 US-Dollar pro Bitcoin, kosteten die beiden Pizzen damals umgerechnet 25 Mio. US-Dollar und sind damit ohne Zweifel die teuersten Pizzen aller Zeiten.
Bit und Coin

Was verbirgt sich hinter dem Begriff Bitcoin? Mit realen Scheinen zählen und echten Münzen stapeln hat der Währungsbegriff jedenfalls nichts zu tun: “Bit” ist die kleinste Einheit für Daten und “Coin” steht für das englische Wort für Münze. Also: Bitcoin ist eine digitale Geldeinheit, bzw. ein digitales Zahlungssystem. Erstmals wurde Bitcoin im Jahre 2008 – exakt zu Beginn der Finanzkrise – von dem australischen Computerfachmann Craig Steven Wright der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto behandelte er das Thema Bitcoin in einem Fachbeitrag mit dem Titel “Bitcoin: A Peer to Peer Electronic Cash System”.
Der Autor stieß auf offene Ohren. Denn zu der grundsätzlichen technischen Umsetzbarkeit, die Wright dargestellt hatte, kam die von der Wut über Banken und das Bankensystem genährte Unzufriedenheit der Menschen und deren Wunsch nach echten Alternativen, um sich unabhängig von Banken zu machen.
Bestechend war die Aussicht auf ein bankenunabhängiges, dezentral organisiertes und sich selbst kontrollierenden Zahlungssytem: Bitcoins werden nicht von einer Zentralbank ausgegeben, sondern entstehen virtuell in einem Netzwerk. Während Euro, US-Dollar oder jede andere herkömmliche Währung gedruckt wird, entsteht ein Bitcoin – vereinfacht gesagt – durch die Lösung einer komplizierten Rechenaufgabe. Diese Geldschöpfung, auf englisch Mining, die einem Computer eine enorme Rechenleistung abfordert, wird mit zunehmender Anzahl der sich im Umlauf befindlichen Bitcoins immer aufwendiger. Dadurch schließt sich eine übermäßige Schöpfung von Bitcoins mathematisch aus, wodurch eine Inflation unmöglich gemacht wird.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Bitcoins basieren auf der Blockchain-Technologie, einer auf zahlreichen Rechnern verteilten Datenbank. In den einzelnen Datenblöcken werden Transaktionen zusammengefasst, die Käufe und Verkäufe in Protokollen festhalten. Jede Transaktion von Bitcoins wird anstatt von einer übergeordneten Instanz von jedem angeschlossenen Computer überprüft, was eine Manipulation praktisch ausschließt. Die Anonymität gegenüber Regierungen oder Banken ist ein weiterer Aspekt, den die Anhänger der Kryptowährung schätzen. Kryptografie ist übrigens die Wissenschaft der Verschlüsselung. Dies wird von Kritikern jedoch als wichtiger Nachteil gesehen, können doch kriminelle Organisationen das Vehikel benutzen, um unbemerkt Kapital zu bewegen.
Aller Kritik zum trotz entschied sich Japan, im Frühjahr Bitcoins als offizielles Zahlungsmittel zuzulassen. Diese Nachricht verlieh der Digitalwährung einen mächtigen Schub.
Ether, Stratis und Co.

Im Windschatten der Bitcoins entstanden bis heute rund 700 Kryptowährungen. Das nach Bitcoin bedeutendste digitale Zahlungsmittel ist Ether, das einen etwas anderen technischen Ansatz verfolgt und sich insbesondere zur Finanzierung von Startups etabliert hat. Mit Ether können Privatanleger mit geringen Beträgen in Startups investieren, die sonst nicht investierbar wären. Das Startup hingegen kann den oft strikten und regulierten Prozess über einen Venture-Capital-Geber oder eine Bank umgehen.
Eines der so finanzierten Startups ist Stratis. Die Gesellschaft bietet eine Blockchain-Lösung an, ebenfalls Stratis genannt, die vorrangig für Unternehmen aus dem Finanzbereich gedacht ist, um eigene Blockchain-Anwendung zu entwickeln.
Die rasanten Kursentwicklungen von Ether und Stratis konnten die Performance von Bitcoin in den letzten Monaten sogar übertreffen.
Begrenzte Anlagemöglichkeiten

Bleibt noch die Frage, wie Anleger an der momentanen Ralley partizipieren können, nachdem die Einführung eines geplanten Bitcoin-ETFs von den US-Behörden vor wenigen Monaten untersagt wurde. Als bislang einziger Emittent hat Vontobel ein Partizipationszertifikat (WKN VN5MJG) aufgelegt, das die Bitcoin-Kursentwicklung eins zu eins nachvollzieht und seither von 70 Euro auf in der Spitze knapp 275 Euro zulegen konnte.

Begriffserklärungen

Block – Ein Block ist ein Datensatz, der alle Transaktionen beinhaltet, die seit dem vorigen Block ins Bitcoin-Netzwerk geschickt und verifiziert wurden.
Blockchain – Die Blockchain wird oft auch als eine Art Kassenbuch beschrieben, da sie dokumentiert, welche Bitcoin-Adresse wann wie viele Bitcoins an welche Bitcoin-Adresse versendet hat.
Miner – Als Miner werden spezielle Computer bezeichnet, die ihre Rechenkraft dem Bitcoin-Netzwerk zur Verfügung stellen, indem sie neue Transaktionen überprüfen und in die Blockchain schreiben.
28. August 2017. © MenthamediaDas Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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