Marktstimmung: “Doppelte Bestrafung”

By   /  August 31, 2017  /  Comments Off on Marktstimmung: “Doppelte Bestrafung”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Marktstimmung: “Doppelte Bestrafung”

Zusammenfassung

Wirkten die Anleger in den vergangenen Wochen eher unentschlossen, scheint es jetzt auf den ersten Blick einen deutlichen Trend zur Bärenseite zu geben. 7 Prozent der Profis und 11 Prozent der privaten Anleger haben Short-Positionen auf DAX-Aktien eröffnet, während die Zahl der Anleger auf der Long-Seite gegenüber vergangenen Mittwoch nahezu unverändert geblieben ist.
Der DAX hat seither nochmal 230 Punkte verloren. Die beiden Sentiment-Indizes stehen mit +1 Punkt (Profis) und -4 Punkten (Private) in der Nähe der Nulllinie zwischen Optimismus und Pessimismus.
Nach Joachim Goldbergs Ansicht fällt die Bewegung eher klein aus angesichts des Ausmaßes an schlechten Nachrichten wie fehlender geldpolitischer Signale, Sturm in den USA, Korea-Krise oder starkem Euro. Der Optimismus sei aber vollständig aus dem Markt draußen. Im Mittel bewertet der Verhaltensökonom die Stimmung eher als neutral und erwartet deswegen keine Impulse seitens der hiesigen Anleger. Preisdruck drohe eher vom ausländischen Kapital, sollten die Kursverluste die internationalen Anleger aus europäischen Aktien vertreiben. Ein fallender Euro sei dann ein Indiz. Für einen Anstieg der Aktienpreise sieht Goldberg kein Potential.
30. August 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Möchte man für die vergangenen Handelstage ein Resümee ziehen, waren die Rahmenbedingungen für den deutschen Aktienmarkt alles andere als günstig – interessanterweise kamen die schlechten Nachrichten fast ausschließlich aus den USA. Die Gründe sind schnell aufgezählt, wie zum Beispiel der Umstand, dass sich aus der Konferenz in Jackson Hole weder für die USA (noch für Europa) irgendwelche geldpolitischen Signale ergeben hatten.
Oder die Verwüstungen, die der Wirbelsturm “Harvey” in Texas und Louisiana angerichtet hatte und die fast schon unweigerlich zu einem Vergleich mit dem Hurrikan “Katrina” im Jahr 2005 führen.
Oder das sich von Tag zu Tag verringernde Vertrauen großer Investoren in den US-Präsidenten, und das nicht nur wegen seiner ökonomischen Vorhaben, oder die drohende Schließung öffentlicher Einrichtungen in den USA im Oktober.
Ganz zu schweigen von der neuerlich über Japan abgefeuerten nordkoreanischen Rakete. Und weil dann auch noch der US-Dollar gegenüber dem Euro weiter unter Druck geriet und die Gemeinschaftswährung in der Folge sogar die 1,20er Marke überschritt, konnte man fast schon von einer doppelten Bestrafung für europäische Investoren sprechen.
Insofern ist das Ergebnis der heutigen Stimmungserhebung unter den mittelfristig orientierten institutionellen Anlegern noch relativ moderat ausgefallen. Denn deren Börse Frankfurt Sentiment-Index ist nur um 6 Punkte auf einen neuen Stand von +1 Punkt zurückgegangen. Dabei zeigt die genaue Analyse, dass sich nicht etwa ehemalige Optimisten eines Besseren besonnen haben, sondern vielmehr vormals neutral eingestellte Akteure neue bearishe Engagements eingegangen sind. Ja, selbst das Bullenlager ist um einen Prozentpunkt gestiegen. Möglicherweise weil man trotz aller Belastungen einen DAX von unter 12.000 Zählern als Schnäppchen betrachtete.
Negative Kommentare
Eine ganz ähnliche Entwicklung können wir bei den Privatanlegern feststellen, die allerdings erheblich stärker auf die negativen Kommentare und Rahmenbedingungen für den DAX reagiert haben. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels ist nämlich um 13 Punkte auf einen Stand von -4 Punkte gefallen. Dabei speist sich der jüngste Pessimismus ähnlich wie bei den institutionellen Pendants größtenteils aus vormals neutral eingestellten Marktteilnehmern – nur ein kleiner Teil der Optimisten hat angesichts des Kursverlusts von 1,9 Prozent im Wochenvergleich die Segel gestrichen.
Gemessen an den negativen Kommentaren und Fakten zum Aktienmarkt, haben sich die heimischen Anleger aber nicht wirklich erschrecken lassen. Auch nicht durch die Tatsache, dass die runde 12.000er Marke gefallen und selbst die 200-Tage-Linie – ein immer noch unsterblicher Mythos – zumindest gestern unterschritten wurde.
Allerdings können wir fast keine Spur von Optimismus mehr entdecken, weder gemessen an den absoluten Sentiment-Indizes noch im relativen Sechs-Monats-Vergleich. Man könnte die derzeitige Stimmungslage indes durchaus als neutral bewerten, weswegen der DAX zumindest aus heimischen Positionierungen heraus keine großen Trends in die eine oder andere Richtung entwickeln dürfte und durch die jüngsten Engagements sogar eher ordentlich unterstützt zu sein scheint. Größere Bedrohungen für das Börsenbarometer können sich allenfalls aus Kapitalabflüssen langfristiger Anleger aus dem Ausland ergeben und zwar vor allem dann, wenn sich dort die Meinung durchsetzen sollte, der Aufwärtstrend des Euro – wegen dessen Stärke die Verluste ausländischer Investoren in Aktien der Eurozone bislang vergleichsweise gering ausgefallen sind – könne eventuell demnächst zum Erliegen kommen.
Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von InvestorenDie Stimmen der professionellen Teilnehmer wurden bislang von privaten Anlegern ergänzt, die unter den aktivsten Tradern verschiedener Online-Broker rekrutiert wurden. Diesen Teil des Sentiment-Index stellt die Börse Frankfurt nun auf breitere Füße.Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort per E-Mail zugesandt. Möchten Sie teilnehmen? Dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an sentiment@deutsche-boerse.com.

Börse Frankfurt Sentiment-Index
Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutralTotal41%40%19%ggü. letzter Erhebung+1%+7%-8%DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.000 (-230 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +1 Punkt (Stand Vorwoche: +7 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum
Private Anleger

BullishBearishNeutralTotal40%44%16%ggü. letzter Erhebung-2%+11%-9% DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.000 (-230 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: -4 Punkte (Stand Vorwoche: -6 Punkte)

30. August 2017, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de
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Über den Börse Frankfurt Sentiment-IndexDer Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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