Baader Bond Markets: “Wieviel Europa wird uns noch verabreicht?”

By   /  September 1, 2017  /  Comments Off on Baader Bond Markets: “Wieviel Europa wird uns noch verabreicht?”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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1. September 2017. MÜNCHEN (Baader Bank). Nach dem überwältigenden Sieg von Emmanuel Macron bei den Wahlen in Frankreich kommt es nun zu einer echten Nagelprobe seiner Politik. Am heutigen Donnerstag will seine Regierung die Dekrete vorstellen, mit deren Hilfe man die Reform des Arbeitsrechts umsetzen will. Jetzt muss sich zeigen, ob die Bevölkerung nur den jungen, dynamischen Ex-Investmentbanker wollte oder ob sie ihm auch bei der Sanierung des Staatsapparates folgen wird. In sämtlichen Umfragen ist nur von fallenden Beliebtheitswerten die Rede, aber das ist auch nicht verwunderlich. Denn die Veränderung der bisherigen Strukturen wird nicht bei allen Betroffenen auf Gegenliebe stoßen. Diese Mammutaufgabe ist mit einer Haussanierung zu vergleichen. Auch dort kann man nicht sanieren und gleichzeitig in gewohnter Weise weiterleben. Dreck und Staub gehören dazu, wenn man das Haus für die nächsten Jahre so gestalten will, dass man gut aufgestellt ist.

Aktuell hat Frankreich im zweiten Quartal sein Wachstumstempo beibehalten und ist somit zumindest anscheinend auf dem richtigen Weg. Die Frage wird aber sein, ob die Gewerkschaften in Frankreich die notwendigen Reformen mit begleiten oder die Konfrontation mit dem Staat suchen, ohne Rücksicht auf Verluste. Somit wird sich in den kommenden Wochen herauskristallisieren, ob die für Europa so wichtige Achse Deutschland-Frankreich funktionieren kann, denn auch die Ergebnisse der Bundestagswahlen in Deutschland sind noch nicht in trockenen Tüchern.

Dennoch ist davon auszugehen, dass mit Angela Merkel die nächste Stufe der europäischen Integration gezündet wird. So hat sie erklärt, dass sie der Idee von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, den Euro-Rettungsfonds ESM zum europäischen Währungsfonds umzubauen, durchaus etwas Positives abgewinnen kann. Ob dadurch auch der Vorschlag ihres französischen Partners Macron, einen europäischen Finanzminister zu installieren, auf fruchtbaren Boden fallen wird, bleibt abzuwarten.
Das neue Duo “Mercron” wird uns sicherlich in den kommenden Wochen noch mit so manchen europäischen Anpassungen konfrontieren, die uns sicherlich nicht alle gefallen werden (Brexit, Griechenland, Polen, etc.), welche aber hoffentlich in dieser unruhigen Zeit zur Wahrung des Friedens in Europa beitragen. “Das Duo “Mercron” wird uns in ein anderes Europa führen. Das ist sicher.” weiter 
Eskaliert der US-Haushaltsstreit?

Zeitlich ist es für den Kongress eine Herausforderung, denn nach dem Ende der Sommerferien bleiben den beiden Kammern nur noch wenige Tage, um das Schuldenlimit anzuheben. Sollte das nicht gelingen, so käme es zu einem technischen Zahlungsausfall. Doch die Erhöhung erlaubt der Regierung nicht automatisch, neue Ausgaben zu tätigen. Lediglich bereits vorher vom Kongress abgesegnete Ausgaben wären von einer solchen Entscheidung gedeckt. Da D.T. oftmals bzw. eigentlich immer solche Regeln nicht akzeptiert, hat er bereits jetzt mit einem “Government Shutdown” gedroht, falls die von ihm gewünschten Gelder für den Bau der Mexiko-Mauer nicht bewilligt werden.
Die Ratingagentur Fitch hat für diesen Fall bereits damit gedroht, das AAA-Rating für die USA zu überprüfen. Im Gegensatz hierzu scheint Standard & Poor’s nicht gewillt zu sein, das bereits 2011 entzogene erstrangige Rating nochmals abzusenken. Dennoch warnt auch sie vor den dadurch hervorgerufenen wirtschaftlichen Auswirkungen. Nach neuesten Berechnungen würde das Bruttoinlandsprodukt infolge des Shutdown wöchentlich um ca. 0,2 Prozent abschmelzen. Es wäre also besser, wenn eine Lösung gefunden würde. “S&P spricht sich vorerst gegen eine Rating-Absenkung aus.
” weiter 

Doch in Anbetracht der Tatsache, dass im Senat 60 Stimmen benötigt werden, um die Erhöhung zu beschließen und nur 52 Republikaner vertreten sind, werden mindestens 8 Demokraten den Antrag unterstützen müssen. Somit ist der Konflikt vorprogrammiert, denn ohne Gegenleistung wird es wohl nichts werden. Die einzige, zumindest vorübergehende Lösung wäre eine kurzfristige Anhebung des Schuldenlimits mit einem vorläufigen Haushaltsgesetz (Continuing Budget Resolution), um die Arbeitsfähigkeit der Regierung für das am 1. Oktober beginnende neue Fiskaljahr sicherzustellen.

Man darf gespannt sein, ob aber nicht die Demokraten die einmalige Chance sehen, sich für die vielen Demütigungen gegenüber ihrem Präsidenten Barack Obama zu revanchieren und zugleich bei der Demontage von Donald Trump mitzuwirken.

Wien nimmt sich Berlin als Vorbild

Mitte Oktober finden in Österreich vorgezogene Parlamentswahlen statt und seit Außenminister Sebastian Kurz den Vorsitz in der konservativen Volkspartei (ÖVP) übernommen hat, kann man sich der Zustimmung der Mehrzahl der österreichischen Bevölkerung sicher sein.
Das ist kein Zufall, denn oftmals trifft Sebastian Kurz mit seinen Kommentaren und Forderungen den Nagel auf den Kopf und spricht den Menschen aus dem Herzen. So geschehen in der Flüchtlingskrise, aber auch im Falle des Möchtegern-Sultans, Erdogan. Doch der Vorteil von Jungpolitikern ist auch, dass man nicht allzu häufig mit Altaussagen konfrontiert wird und darüber hinaus sich bei den Kollegen Anregungen nehmen darf, beispielsweise beim Eindämmen der Staatsschulden. Dazu möchte man analog zum deutschen Vorbild eine Schuldenbremse in der Verfassung verankern. Ziel soll sein, den Schuldenstand von 85 Prozent des BIPs zu reduzieren und sogar mittelfristig die geforderten 60 Prozent (Maastricht-Kriterien) zu erreichen. “Schuldenbremse nach deutschem Vorbild” weiter 

Darüber hinaus verdeutlicht die Forderung nach einem Ende der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank und eine Harmonisierung des Mehrwertsteuersystems die geistige Verbundenheit zwischen Wien und Berlin. Bleibt nur zu hoffen, dass die Bundestagswahl in ca. 3 Wochen nicht nach dem Vorbild Österreichs wiederholt werden muss. Damals hatten nicht richtig verschlossene Briefumschläge dazu geführt. Aber man muss nicht immer alles kopieren!

Jackson Hole und die Bankenregulierung

So kann man sich täuschen. Weder Janet Yellen noch Mario Draghi äußerten sich bei den Beratungen in Jackson Hole zu der zukünftigen Geldpolitik ihrer Häuser. Denn man hatte ein ganz anderes Thema auf der Agenda, die Bankenregulierung. Die beiden wichtigsten Notenbanker warnten eindringlich davor, die infolge der Finanzkrise ins Leben gerufene Bankenregulierung aufzuweichen. Außerdem wurde darauf hingewiesen, dass protektionistische Aussagen das hart umkämpfte Konstrukt der globalen Wirtschaftskooperation gefährden. Ohne den US-Präsidenten namentlich zu erwähnen, wussten alle Konferenzteilnehmer, dass viele Warnungen in direktem Zusammenhang mit Äußerungen der neuen US-Regierung zu sehen sind.
In Ermangelung der Hinweise zur weiteren Notenbankpolitik ist man im Vorfeld der im September anstehenden Sitzungen bei der EZB (7.9.) und bei der Fed (19. und 20.9.) darauf angewiesen, sich selbst eine Meinung zu bilden und sich entsprechend zu positionieren.

Risikoaversion zündete nächste Stufe

Die Raketentests Nordkoreas haben aufgrund der Risikoaversion der Anleger auch das Rentenbarometer abheben lassen. Somit wurde eine Woche vor dem Roll-Over mit 165,69 Prozent ein neues “Neunwochen-Hoch” markiert und die Rendite der 10-jähriger Bundesanleihen hat sich seit dem 27. Juni (0,597 Prozent) fast halbiert (0,338 Prozent).
Vor dem Hintergrund sehr volatiler Märkte lohnt sich ein Blick auf die Charttechnik. Hierbei ist zu registrieren, dass der aktuelle Aufwärtstrend ungebrochen ist (164,93 Prozent) und somit auch ein Überschreiten der Marke bei 165,69 Prozent nicht ausgeschlossen werden kann. Jedoch steigen und fallen die Rentennotierungen infolge der neuesten Entwicklungen im Konflikt zwischen den USA und Nordkorea. Niemand kann vorhersagen, wie und ob diese beiden “Alpha-Männchen” positiv beeinflusst werden können und es folglich zu einer Deeskalation kommen kann. Vielleicht sollte man dem einen seinen Twitter-Account und dem anderen seine Raketen wegnehmen. Doch das wird nicht funktionieren und somit wird uns die spiegelbildliche Entwicklung zwischen Aktien- und Rentennotierungen noch einige Zeit beschäftigen. Denn jede neue “Wasserstandsmeldung” wird bei den Marktteilnehmern Ängste oder Hoffnungen begründen, was sich in der Kursentwicklung niederschlägt.
Aktuell notiert das Sorgenbarometer bei ca. 165,02 Prozent und somit immer noch über der sich seit einem Monat herausgebildeten unteren Begrenzungslinie des Aufwärtstrends.

1. September 2017, © Baader Bank AGÜber den Autor
Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

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