Massive Schäden am Vogelschutzgebiet

By   /  September 12, 2017  /  Comments Off on Massive Schäden am Vogelschutzgebiet

    Print       Email

MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

Headline: Massive Schäden am Vogelschutzgebiet

Nordseewindpark Butendiek hat dramatische Effekte auf Seetaucher

Laut Seevogelmonitoring von Butendiek meiden Seetaucher den Windpark viel großräumiger als erwartet. Damit gehen knapp 20 Prozent – etwa 600 Quadratkilometer – des Schutzgebiets verloren. Seetaucher müssen auf wichtige Rast- und Nahrungsgebiete verzichten.

Dass Seetaucher sehr empfindlich gegenüber Windrädern oder Schiffen sind, war schon vor dem Bau von Butendiek bekannt. Aber die Effekte wurden dramatisch unterschätzt. Von maximal 2 Kilometern ging man bei der Genehmigung aus. Ein fataler Fehler, wie sich jetzt zeigt. – Foto: Rolf Jürgens

Der NABU hatte den Bau des Windparks Butendiek vor der Küste Sylts von Anfang an abgelehnt. Der Grund: er liegt mitten im Vogelschutzgebiet “Östliche Deutsche Bucht” und zwar genau dort, wo sich alljährlich tausende Seetaucher versammeln, um zu rasten und Fettreserven für den langen Zug in ihre Brutgebiete aufzubauen.Diese Funktion hat das Schutzgebiet inzwischen zu großen Teilen verloren. Das offenbaren die Daten des Seevogelmonitorings, die der Betreiber wpd vor, während und nach dem Bau des Windparks erheben musste. Kamen die Vögel vor dem Bau noch flächendeckend vor, wurden seit Baubeginn praktisch keine Vögel mehr im Windpark oder in seinem Umfeld registriert. Das Gutachten geht von einem Vertreibungseffekt bis etwa zehn Kilometern aus. Doch auch in mehr als zehn Kilometern Abstand zum Windpark befinden sich nach dem Bau von Butendiek dramatisch weniger Tiere als vor dem Bau. Die mittlere Seetaucherdichte insgesamt hat sich im Vergleich zur Erhebung vor dem Bau halbiert. Die Seetaucherdichte gibt an, wie viele Vögel pro Quadratkilometer gezählt wurden und erlaubt damit eine Schätzung, wie groß der Bestand insgesamt ist.

20 Prozent des Vogelschutzgebiets verloren

Legt man den 10-Kilometer Meideabstand zugrunde, gehen 599 Quadratkilometer als Lebensraum für die Seetaucher verloren. (Karte: NABU, nach FTZ)

Neue Berechnungen des NABU zeigen nun, wie weiträumig die Flächenverluste im Vogelschutzgebiet „Östliche Deutsche Bucht“ tatsächlich sind. Danach sind mit 600 Quadratkilometern fast 20 Prozent des Schutzgebietes für die Vögel verloren gegangen, für die es 2005 eingerichtet wurde. Stern- und Prachttaucher, Zwergmöwen und Trottellummen müssen auf wichtige Rast- und Nahrungsgebiete verzichten. Ein klarer Verstoß gegen EU-Umweltrecht.

Butendiek ist kein Einzelfall

Die Seetaucherkartierung im Rahmen der Projekte Diver und Helbird zeigt, dass sich Bereiche mit großen Seetauchervorkommen (rote Punkte) aus dem Schutzgebiet (blaue Linie) heraus verlagern und die Tiere Windparks großräumig meiden. Dabei verlagert sich das Vorkommen der Vögel aus ihrem langjährig bevorzugten Lebensraum (rote Hintergrundfarbe).

Die Seetaucherkartierung im Rahmen der Projekte Diver und Helbird zeigt, dass sich Bereiche mit großen Seetauchervorkommen (rote Punkte) aus dem Schutzgebiet (blaue Linie) heraus verlagern und die Tiere Windparks großräumig meiden. Dabei verlagert sich das Vorkommen der Vögel aus ihrem langjährig bevorzugten Lebensraum (rote Hintergrundfarbe).Diese dramatischen Effekte um Butendiek sind kein Einzelfall. In den vergangenen Jahren gingen mehrere Windparks in Betrieb, die unmittelbar an das Schutzgebiet grenzen. Die Daten und Karten der wissenschaftlichen Seetaucherprojekte Helbird und Diver zeigen, dass auch um diese Windparks große Bereiche ohne Seetaucher bleiben und dass sich das Hauptverbreitungsgebiet der streng geschützten Seevögel nach Südwesten aus dem Schutzgebiet verlagert.

Was kann getan werden?

Der Umweltschaden, der durch Bau und Betrieb von Butendiek entstanden ist, muss umgehend saniert werden. Der NABU fordert die zuständigen Behörden, das Bundesamt für Naturschutz und das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie auf, sofort zu handeln. Eine bloße Verlegung der Schutzgebietsgrenzen wird dabei vermutlich nicht ausreichen, wenn die angrenzenden Gebiete etwa zu wenig Nahrung für die Vögel bieten oder angrenzende Nutzungen, v.a. die Seeschifffahrt dem entgegen stehen. Eine andere Möglichkeit bestünde darin, bestehende Aktivitäten wie die Fischerei oder den Rohstoffabbau im Vogelschutzgebiet zu reduzieren, um den Vögeln bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen. Als letzte Konsequenz muss jedoch auch über einen (Teil-)Rückbau des Windparks nachgedacht werden.

Lernen aus Butendiek

Besonders wichtig erscheint es, aus den jetzt gemachten Erfahrungen zu lernen. Die Ergebnisse des Seevogelmonitorings müssen von den Fachbehörden analysiert und für die weiteren Offshore-Planungen berücksichtigt werden. Dazu gehört auch mehr Transparenz beim Austausch der Daten zwischen den Windparkbetreibern und den Fachbehörden. Die Erkenntnisse um die großräumigen Meideeffekte müssen nun herangezogen werden, wenn entschieden wird, ob ein Standort für Windparks geeignet ist oder auch nicht. Angesichts der dramatischen Auswirkungen, zu denen sich die wissenschaftlichen Unsicherheiten bezüglich des Kollisionsrisikos von Zugvögeln und das Problem des Unterwasserlärms beim Bau der Anlagen addieren, überraschen die Forderungen der Küstenländer, die Ausbauziele des Erneuerbare-Energien-Gesetzes massiv zu erhöhen. Deutschland droht so die Naturverträglichkeit der Energiewende aus den Augen zu verlieren.

Mehr zum Thema

 

    Print       Email

You might also like...

Wittmann feiert dritten DTM-Saisonsieg im Regen von Assen – Insgesamt vier BMW Fahrer sammeln Punkte.

Read More →