Barbara Woltmann: “Eines europäischen Weltfriedenstages bedarf es nicht”

By   /  September 13, 2017  /  Comments Off on Barbara Woltmann: “Eines europäischen Weltfriedenstages bedarf es nicht”

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MIL OSI – Source: CDU CSU –

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Wer wäre nicht für den Frieden! Denn weltweit werden ganze Länder durch Kriege ins Chaos gestürzt und Familien zerrissen. So wurde international schon 1981 von der UN-Hauptversammlung der 21. September als Weltfriedenstag ausgewählt. An diesem Tag sind nicht nur jede Regierung, sondern auch alle Organisationen und Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, alle Waffen bedingungslos ruhen zu lassen und darüber nachzudenken, wie Frieden in der Welt erreicht werden kann.

Alle sehnen sich nach Frieden überall auf der Welt. Leider sieht die Wirklichkeit anders aus. Das wissen wir in Deutschland ganz besonders aus unserer Geschichte, aus dem Ersten Weltkrieg und aus dem Zweiten Weltkrieg, in dem Hitler mit seinen Schergen Europa in Schutt und Asche gelegt hat und mit dem Holocaust ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit an Juden, Sinti und Roma und vielen anderen Menschen verübt hat, indem er ganze Völkergruppen ausrotten wollte.

Seit Beginn der 1950er-Jahre wurde in der DDR der 1. September als „Tag des Friedens“ bzw. als „Weltfriedenstag“ bezeichnet – in Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. Verbunden war der Tag auch immer mit einem Fahnenappell. Dieser 1. September ist daher eher ein Antikriegstag. Nicht der Beginn dieses Krieges sollte hervorgehoben werden, also der Anfang von Gewalt, Tod, Vertreibung und Grauen, vielmehr sollte sein Ende, nämlich das Ende des Tötens und Schreckens – dazu gehört auch die Befreiung von der Diktatur des Nationalsozialismus – betont werden.

Insbesondere die Aufarbeitung der jüngeren Geschichte unseres Landes bleibt dauerhaft unsere Aufgabe. Dazu wollen wir das bewährte Gedenkstättenkonzept des Bundes weiterentwickeln und auch die Zeitzeugenarbeit, die politische Bildung und die Wirkung authentischer Orte stärker in den Blick nehmen. Unser Bewusstsein für Freiheit, Recht und Demokratie ist unter anderem geprägt durch die Erinnerung an die NS-Terrorherrschaft und den sich anschließenden Stalinismus und die SED-Diktatur. Dem systematischen Völkermord an den europäischen Juden sowie an anderen Völkern und Gruppen lassen wir in der deutschen Erinnerungskultur eine außerordentliche Bedeutung zukommen. Auch deshalb ist es zuvorderst an uns, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und den Widerstand gegen das NS-Regime aufrechtzuerhalten und auch deren Aufarbeitung in den Ministerien und Bundesbehörden voranzutreiben.

„Frieden in Freiheit“ ist ein Kernthema der Union – und für Frieden in Freiheit bedarf es der Stärkung der Rechte und Freiheit des Einzelnen. Deshalb lassen Sie mich noch deutlicher werden: Wir brauchen keine weitere, nur auf Außenwirkung bedachte Aktion für Funktionäre. Was wir brauchen, ist die Stärkung des individuellen Interesses am Austausch über Grenzen hinweg, damit die Menschen miteinander ins Gespräch kommen und sich besser verstehen lernen.

Es gibt schon eine Vielzahl von Begegnungs- und Austauschprogrammen deutschlandweit, europaweit, ja auch weltweit. Ich denke da an die Erasmus- und Schüleraustauschprogramme wie auch an die Angebote der Kriegsgräberfürsorge, an denen sich Jugendliche europaweit beteiligen. Hier sollte man mit neuen Ideen ansetzen und diese weiterentwickeln, um bei den Menschen das Interesse zu stärken, in andere Länder zu reisen, darunter auch in europäische Länder, und fremde Menschen kennenzulernen. Dazu könnte beispielsweise ein kostenloses Interrailticket für alle 18‑jährigen Europäer beitragen.

Ein Weltfriedenstag am 1. September als europäischer Feier- oder Gedenktag wird nicht für mehr Frieden sorgen:

Erstens. Wir haben eine Vielfalt im Erinnern und Gedenken an Krieg und Frieden, je nach Ort und Begebenheit, die dringend erhalten bleiben, ja eher noch betont werden sollte. Ich erinnere daran, dass wir allein in dieser Wahlperiode unter anderem das Gedenken an 70 Jahre Befreiung der Konzentrationslager, das Ende des Zweiten Weltkrieges und 80 Jahre „Nürnberger Gesetze“ angemessen begangen haben. Jedes Mal ging es ortsbezogen, objektbezogen und sachorientiert um Einzelaspekte dieser für Deutschland dunklen und furchtbaren Zeit. Niemand ist daran gehindert – und das geschieht auch so – Gäste aus dem Ausland, auch dem europäischen Ausland, dazu einzuladen.

Zweitens. Krieg und Frieden sind heute global zu denken, ihre Auswirkungen sind nicht mehr auf Kontinente begrenzt. Die Globalisierung ist eine große Herausforderung und wird dies zukünftig für uns alle bleiben.

Deutschland ist Teil von Europa, ist Teil in globalem Zusammenhang. Denken Sie daran, wie nah uns die Auswirkungen der Kriege im Nahen Osten auch in Deutschland schon jetzt erreichen. Wir haben mit dem Weltfriedenstag der UN am 21. September bereits einen Weltfriedenstag. Den müssten wir stärker ins Bewusstsein rücken. Eines europäischen Weltfriedenstages am 1. September bedarf es daher nicht.

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