Josef Göppel: “Werben für die Achtung vor dem Land”

By   /  September 13, 2017  /  Comments Off on Josef Göppel: “Werben für die Achtung vor dem Land”

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MIL OSI – Source: CDU CSU –

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Müssen die Menschen in 100 Jahren die Erde verlassen? Mit dieser Botschaft erschreckte Stephen Hawking vor einigen Wochen für einen Moment die Mediengesellschaft. Wirklich ernst nimmt das niemand.

Dabei sind objektive Zeichen einer Überstrapazierung der Erde nicht zu übersehen: der Anstieg des CO 2 -Gehalts der Atmosphäre von 270 auf 400 ppm, die ansteigende Versauerung der Meere, der Schwund fruchtbarer Erde.

Doch es gibt Gegenkräfte: jede Pflanze, die mit Sonnenlicht Biomasse aufbaut, und der kontinuierliche Wärmefluss aus dem Innern der Erde, der den globalen Stoffkreislauf antreibt.

Alexander von Humboldt hat diese Zusammenhänge nach der Besteigung des Chimborazo als einer der Ersten geahnt. 1845 schrieb er in seinem Kosmos: Die Natur ist lebendig, „wie von einem Hauche beseelt von Pol zu Pol nur ein Leben ausgegossen ist in Steinen, Pflanzen, Tieren und in des Menschen schwellender Brust“.

Der Mensch bleibt trotz aller Technik auf die produktive Oberfläche der Erde angewiesen auf ackerfähige Böden, auf Weideflächen, auf Fischgründe, auf Wälder. Er braucht sie zur Erzeugung seiner Lebensmittel im umfassenden Sinn und zur Aufarbeitung seiner Abfälle.

Das ist das Anliegen dieser Rede: werben für die Achtung vor dem Land, den offenen, atmenden Boden, die fruchtbare Erde.

Wie gleichgültig nehmen wir es hin, wenn wieder ein Stück frisches Land überbaut wird. Der Industriebau zum Beispiel muss wegkommen von der landfressenden Erdgeschossigkeit, und der Bau von Personenautos mit 400 PS ist mit einer nachhaltigen Wirtschaftsethik nicht mehr vereinbar!

Ein Kollege sagte in diesem Zusammenhang vor kurzem: „Unsere Kernkompetenz ist aber doch Wirtschaft!“ Gestatten Sie dazu einen Vergleich aus dem Alltagsleben. Ein kleiner Junge sitzt auf dem Arm seines Großvaters. Er streckt die Hände hoch und ruft: „Ich bin größer als du!“ So wie ihm ist uns oft nicht bewusst, was uns trägt.

An dieser Stelle ein Appell. Wenn es dem Bundestag ernst ist mit der Nachhaltigkeit, dann muss der Beirat dafür endlich mit klaren Befugnissen in der Geschäftsordnung verankert werden.

Der dem Markt innewohnende Wachstumszwang hin zum Oligopol schien mit der sozialen Marktwirtschaft gebändigt. Die regelfreie Globalisierung seit den 90er-Jahren erinnert dagegen an wild dahinbrausende Rösser eines antiken Wagenrennens. Irgendwann tragen sie den führungslosen Wagen aus der Kurve. Wir brauchen keinen Rückzug, sondern einen Siegeszug der sozialen und ökologischen Marktwirtschaft. Ernst Ulrich von Weizsäcker oder Franz Josef Radermacher haben die Schritte dahin konkret benannt.

Eigentlich muss das schon aus ökonomischer Sicht gelingen, denn Rohstoffe und Energie werden global gehandelt. Mit den Kosten dafür stehen Städte und Länder in direkter globaler Konkurrenz. Wer haushälterischer damit umgeht, wird wirtschaftlich stärker.

Für das alltägliche Handeln gibt es eine klare Richtschnur: Immer dann, wenn Sie sich mit einer Maßnahme den Kreisläufen der Natur nähern, liegen Sie richtig. Nehmen wir die Mühe auf uns, dafür immer wieder Anstöße zu geben und andere immer wieder auf dieses Ziel hin anzusprechen!

Am Schluss des Aufrufes an die „Handelnden“ in der Umweltenzyklika sagt Papst Franziskus: Allen, die am Schutz unseres gemeinsamen Hauses arbeiten, möchte ich „meine Anerkennung, meine Ermutigung und meinen Dank aussprechen“.

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