Elisabeth Motschmann: “Im Kampf gegen den Krieg sollten die Frauen die Führerinnen sein”

By   /  September 15, 2017  /  Comments Off on Elisabeth Motschmann: “Im Kampf gegen den Krieg sollten die Frauen die Führerinnen sein”

    Print       Email

MIL OSI – Source: CDU CSU –

Headline: Elisabeth Motschmann: “Im Kampf gegen den Krieg sollten die Frauen die Führerinnen sein”

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen! Liebe, sehr vereinzelte männliche Kollegen! Ich freue mich über jeden Einzelnen, der hier ist. Meine Damen und Herren auf den Tribünen! Ich möchte heute beginnen mit einem Zitat von Mahatma Gandhi, dem großen Friedens- und Freiheitskämpfer aus Indien. Er hat gesagt:

Im Kampf gegen den Krieg sollten die Frauen die Führerinnen sein. Es ist die ihnen gemäße Aufgabe.

Liebe Kolleginnen, es ist die uns gemäße Aufgabe.

(Kathrin Vogler [DIE LINKE]: Ich hätte schon gerne auch Männer dabei!)

Das möchte ich gerne als Überschrift über meine kurze Rede stellen.

Wir sind uns sicher einig, dass, wenn es um Krieg und Frieden geht, nach wie vor viel zu wenige Frauen an den Verhandlungstischen sitzen. Das müsste sich wirklich langsam ändern. Das Zitat von Gandhi ist hundert Jahre alt, und wir sind Lichtjahre von dieser Einsicht und der Verwirklichung entfernt.

Deshalb ist es gut, dass wir sowohl den Umsetzungsbericht als auch den Aktionsplan der Bundesregierung haben – beide betrachten die Resolution 1325, einmal rückblickend, einmal in die Zukunft gerichtet –, um auf dieser Basis zu überlegen, was wir daran ändern können, dass so wenige Frauen – das ist das einzige Thema meiner Rede – an den Verhandlungstischen vertreten sind.

Vielleicht müssen wir Frauen uns selber viel stärker konzentrieren auf die wirklich wichtigen Themen – Krieg und Frieden sind ja ein wichtiges Thema – und dürfen uns nicht verlieren in teilweise albernen Formulierungen der gendergerechten Sprache. Es bringt uns nicht weiter, wenn wir alles sprachlich feminisieren,

(Ulle Schauws [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Das ist so unsolidarisch, was Sie da reden!)

sondern wir müssen uns auf das Wesentliche konzentrieren.

Ich habe gesagt, wir, die Frauen, sitzen nicht an den Verhandlungstischen. Das betrachte ich jetzt einmal etwas genauer: Uns wurde eine Reihe von Prozentzahlen und Zahlen vorgelegt; aber die täuschen. Wenn wir uns die Beteiligung von Frauen in internationalen Gremien anschauen, und zwar in allen Gremien, in denen es um Frieden oder Krieg geht, und dabei alle bei den Vereinten Nationen beschäftigten Frauen einbeziehen, auch die unteren Dienstgrade, dann sieht es relativ gut aus. Aber wer sitzt denn in den Führungsetagen? Wer sitzt denn an den Verhandlungstischen? Dort sieht es ganz anders aus.

Damit wir nicht nur auf andere blicken, blicken wir nun einmal auf uns selber. Ich denke, dass Frauen ein unglaubliches diplomatisches Geschick haben. Wenn das so ist, müssten wir unter unseren Botschaftern eine Vielzahl von Frauen haben. Ich habe selbst durchgezählt – da verlasse ich mich nicht auf andere; das können Sie nachzählen –: 154 deutsche Auslandsvertretungen sind besetzt, davon 21 mit Frauen. – Na toll! Das kann nun wirklich noch besser werden. Das kann nicht nur, sondern muss besser werden.

(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Kathrin Vogler [DIE LINKE])

Interessant ist Folgendes: Wenn man beim Auswärtigen Amt anfragt, wie viele Frauen Botschafterinnen sind, dann werden die Generalvertretungen gleich mit einbezogen, um auf eine etwas höhere Zahl zu kommen, nämlich auf 28.

(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Aber das hilft uns nicht weiter. Wenn wir uns allein die Zahl der Ständigen Vertreter in internationalen Organisationen anschauen, die aus Deutschland kommen, dann stellen wir fest: Es gibt 13, und davon sind 2 Frauen. Man sieht: Da ist noch viel Luft nach oben, meine Damen und Herren.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Ich sage aber auch kritisch: Wenn es in den Medien um Krieg und Frieden, um Außenpolitik und um Sicherheitspolitik geht: Wen fragen denn unsere Journalisten? Sie fragen immer die gleichen Herren; die ich alle liebe und alle schätze.

(Heiterkeit)

Aber der Blick der Medienvertreter ist ziemlich verengt. Sie beziehen weder in den Talkshows noch morgens im Deutschlandfunk die Stimme der Frauen ein, die sich mit diesen Themen beschäftigen. Und ich meine nicht nur Außenpolitikerinnen und Verteidigungspolitikerinnen. Vielmehr könnte man die vielen hoch kompetenten Frauen in den Thinktanks, in den Stiftungen und vielen Organisationen einbeziehen, aber leider bezieht man sie nicht ein.

Helmut Kohl – ich muss leider zum Ende kommen – hat schon vor über 30 Jahren gesagt: Das Engagement der Frauen brauchen wir in Zukunft nötiger denn je bei der Bewältigung der vor uns liegenden Aufgaben auf unserem Weg zu mehr Verständigung in der Welt. – Wir haben schon einen langen Weg hinter uns, wir haben einen weiten Weg vor uns, wenn es um die Beteiligung von Frauen an außenpolitischem Nachdenken und an der Beantwortung von drängenden Fragen geht.

Lassen Sie mich am Ende sagen: Vielleicht müssen wir Frauen uns selbst offensiver und stärker in die Themen einmischen; denn wenn so wenig Frauen in den Auswärtigen Ausschuss gehen, dann ist das ja nicht die Schuld der Männer, sondern das liegt auch am Wahlverhalten von Frauen am Beginn einer Legislatur.

Das ist eine herzliche Einladung. Wir Frauen müssen offensiver sein. Die Männer müssen noch mehr verstehen, dass wir in der Diplomatie mindestens so gut, aber eigentlich besser sind.

(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)

Wir machen gerne mit, und zwar mit hoher Kompetenz. Wir sollten fraktionsübergreifend zusammenhalten. Ich bin dabei.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

    Print       Email

You might also like...

Wittmann feiert dritten DTM-Saisonsieg im Regen von Assen – Insgesamt vier BMW Fahrer sammeln Punkte.

Read More →