ETF Magazin: “4:1 für die Benchmark”

By   /  September 19, 2017  /  Comments Off on ETF Magazin: “4:1 für die Benchmark”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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19. September 2017. München (ETF Magazin). Einmal im Jahr untersucht Lyxor Asset Management in einer aufwendigen Studie die kurz- und langfristige Performance aktiver, in Europa domizilierter Fonds gegenüber ihrem Vergleichsindex, der Benchmark. Betrachtet werden Aktien- und Rentenfonds aus insgesamt 15 unterschiedlichen Anlagesegmenten. Diese Segmente repräsentieren zugleich diejenigen Bereiche, in denen ETF-Anleger das meiste Geld angelegt haben. Der ewige Wettstreit aktiver und passiver Investmentstrategien erhält so eine auf konkreten Zahlen beruhende und nachvollziehbare Bewertungsgrundlage.
Im vergangenen Jahr ging das Rennen klar zu Gunsten der Benchmarks aus. Lediglich 28 Prozent der 3871 untersuchten Fonds gelang es, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. 2015 konnten die aktiven Manager mit einer Erfolgsquote von 47 Prozent noch ein Unentschieden erreichen.

Im langfristigen Vergleich relativiert sich dieser Erfolg jedoch. Auf Sicht von zehn Jahren lautet das Ergebnis: 4 : 1 für die Benchmark. Nur 19 Prozent der aktiven Manager waren in diesem Zeitraum besser als der Markt.
Zudem zeigt unsere Untersuchung, dass es für aktive Manager sehr schwierig ist, ihren Erfolg über die Ein-Jahres-Betrachtung hinaus nachhaltig zu sichern. Auf Sicht von zwei Jahren gelingt es nur 14,7 Prozent von ihnen, die Benchmark erneut zu schlagen. Auf Sicht von drei Jahren sind es lediglich noch 6,1 Prozent.

Dieses Ergebnis bedeutet nicht, dass aktive Investmentstrategien per se kaum einen Mehrwert für Investoren bringen. Immerhin waren im vergangenen Jahr über 1.000 aktiv gemanagte Fonds in der Lage, besser als der Vergleichsindex abzuschneiden. Es veranschaulicht allerdings zweierlei: die Bedeutung der Manager-Selektion und die hohe Relevanz der Frage nach den Märkten, in die aktiv bzw. passiv investiert werden soll.
So können vor allem in weniger effizienten Märkten Risikoprämien mit aktiven Managementansätzen vereinnahmt werden, die sich durch passive Strategien nur schlecht oder gar nicht erschließen lassen. Dies wird durch die Resultate der aktuellen Studie erneut bestätigt. Zu den erfolgreichsten aktiv gemanagten Fonds zählen demnach insbesondere solche, die in weniger effizienten Marktsegmenten wie französischen und europäischen Smallcaps oder in europäischen Unternehmensanleihen investiert waren. Im Bereich der europäischen Smallcaps lag die Erfolgsquote auf Sicht des vergangenen Jahres zum Beispiel bei 56 Prozent; auf Sicht von zehn Jahren immerhin noch bei 29 Prozent.

Richtige Faktorwahl erhöht Erfolgsaussicht

Wie bereits unsere letztjährige Untersuchung und andere Studien nahelegen, spielt die Gewichtung von Risikofaktoren eine wichtige Rolle für das Abschneiden aktiver Manager. Unter Factor Investing versteht man den Versuch, die Prämien verschiedener Risikofaktoren systematisch für eine Mehrrendite zu nutzen. Ziel ist es, die verschiedenen Faktoren so zu kombinieren, dass sie die Performance des Portfolios verbessern. Zu den gängigen Faktoren zählen unter anderem Value, Size, Quality, Momentum und Low Beta.
Eine nähere Betrachtung derjenigen aktiven Fonds, die 2016 besonders gut oder besonders schlecht abgeschnitten hatten, zeigt, dass Portfolios mit der richtigen Faktorgewichtung denen deutlich überlegen waren, die in ihrer Allokation die falsche Gewichtung vorgenommen hatten. Ein beispielhafter Blick auf das Segment der europäischen Aktien verdeutlicht dies. Auf Sicht des Jahres 2016 war einzig der Faktor Value in der Lage, gegenüber dem Markt eine Mehrrendite zu erwirtschaften. In den aktiven Fonds mit der schlechtesten Performance war dieser Faktor jedoch untergewichtet, die übrigen Faktoren übergewichtet.
In der Portfolio-Allokation der Top-Performer verhielt es sich im Wesentlichen genau umgekehrt. Die gegenüber den Marktrenditen schlechter abschneidenden Faktoren waren hier untergewichtet.
Der Zusammenhang zwischen Performance und Faktor-Allokation tritt auch am US-amerikanischen Aktienmarkt zu Tage. Hier konnten 2016 die Faktoren Size, Value, Low Beta und Quality einen Mehrertrag gegenüber dem Markt erzielen. Lediglich der Faktor Quality führte zu einer Underperformance. Genau dieser wurde von den besonders schlechten aktiven Fonds allerdings übergewichtet, während die besten Fonds ihn untergewichteten.

Smart-Beta-Indizes aktiv kaum zu schlagen

Smart-Beta-Investmentansätze bilden die Schnittstelle zwischen aktivem und passivem Management. Immer mehr Investoren nutzen sie, um etwa Beta mit geringerem Risiko zu erzielen, eine Mehrrendite gegenüber dem Markt zu erreichen oder den Diversifikationsgrad ihrer Portfolios zu erhöhen.
Der europäische Markt für Smart-Beta-ETFs ist in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen. Inzwischen werden dort fast 33 Milliarden Euro an Anlegergeld verwaltet – Tendenz steigend. Die den Smart-Beta-Produkten zu Grunde liegenden Strategien werden von aktiven Managern schon seit geraumer Zeit genutzt. Neu ist allerdings, dass diese Strategien den Anlegern seit einigen Jahren auch in Form von passiven Investmentprodukten zur Verfügung stehen.

Konnten aktive Manager die klassischen Benchmarks im vergangenen Jahr noch zu 28 Prozent schlagen, so erweist sich die Erfolgsquote bei Smart-Beta-Benchmarks als deutlich schlechter. Gerade einmal elf Prozent waren 2016 dazu in der Lage. Auf Sicht von zehn Jahren fällt das Ergebnis mit einer Erfolgsquote von zwei Prozent noch ungünstiger aus. Vergleicht man die risikoadjustierten Renditen aktiv verwalteter Aktienfonds mit den Anlageschwerpunkten USA, Europa und Japan mit den entsprechenden Smart-Beta-Benchmarks im Jahr 2016, so zeigt sich das überlegene Risiko-Rendite-Profil der Benchmarks.
Den meisten aktiven Managern fiel es schwer, die entsprechenden Smart-Beta-Benchmarks sowohl mit Blick auf die absolute Performance als auch mit Blick auf die risikoadjustierte Performance (Sharpe-Ratio) zu übertreffen. Für ein Jahr war diese bei den Benchmarks durchschnittlich um 1,7-mal höher als im Durchschnitt aller aktiv gemanagten Fonds. Über zehn Jahre lag der Faktor bei 2,4.

Passive Strategien in der Asset-Allokation dominant

Zahlreiche Studien konnten belegen, dass die Asset-Allokation zu Recht als wichtigster Treiber für langfristige Portfoliorenditen gilt. Dabei stehen Investoren vor der Herausforderung, ihre Portfolios unter Berücksichtigung sowohl ihrer Renditeziele als auch ihrer Risikotoleranz effizient aufzustellen. Die Weiterentwicklung der Finanzmärkte und der Finanzwissenschaften hat Anlegern ein erweitertes Spektrum an Anlagemöglichkeiten eröffnet. Es reicht von reinen Beta-Konzepten über Alpha-Strategien bis hin zu Smart Beta. Alle Ansätze haben eine wichtige Funktion in der Asset-Allokation. ETFs ermöglichen die kostengünstige Diversifikation über eine Vielzahl an Asset-Klassen. Mit Smart-Beta-Produkten lassen sich ebenfalls zu geringeren Kosten spezielle Strategien zur Ertragssteigerung oder Risikominimierung im Portfolio umsetzen. Traditionelle aktive Fonds und alternative Investmentprodukte schaffen einen Mehrwert in weniger effizienten Märkten und können dort Risikoprämien vereinnahmen. Real Assets eignen sich dazu, die Korrelationseffekte zu vermeiden und das Portfolio zu diversifizieren.

Mit Blick auf die Asset-Allokation kommt es darauf an, die richtige Kombination dieser Möglichkeiten umzusetzen. Auf der Grundlage unserer Studienergebnisse erscheint eine Aufteilung optimal, die sich wie folgt darstellt: Passive und semipassive Strategien sollten mit 70 Prozent den Hauptteil der Vermögensaufteilung ausmachen. Weitere zehn bis 15 Prozent sollten auf aktive Strategien entfallen. Ebenfalls zehn bis 15 Prozent des Vermögens sollten in Real Assets investiert sein. Diese Aufteilung bietet selbstverständlich nur eine erste Orientierung. Die genaue Vermögensaufteilung hängt im Einzelfall von den individuellen Zielen und Risikoeinstellungen des Investors ab.
Unsere Übersicht unterstreicht jedoch die Bedeutung der Asset-Allokation für den langfristigen Erfolg der Kapitalanlage unter Einbeziehung passiver Strategien. ETFs haben das Rahmenwerk der Asset-Allokation in vielfacher Hinsicht erweitert bzw. verbessert. Nicht nur erhöhen sie auf Grund ihrer geringen Kosten die Nettorendite der Investoren, sondern sie bieten inzwischen auch eine Vielzahl an Anlageopportunitäten über die meisten Asset-Klassen hinweg. Ihre Bedeutung für die Asset-Allokation ist damit unweigerlich gestiegen.

von Marlene Hassine © September 2017 – ETF Magazin
Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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