Auslandsaktien: Anleger mistrauen russischem Aufschwung

By   /  September 29, 2017  /  Comments Off on Auslandsaktien: Anleger mistrauen russischem Aufschwung

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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28. September 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Trotz westlicher Sanktionen geht es mit der russischen Wirtschaft seit geraumer Zeit wieder bergauf. Abzulesen ist dies unter anderem am Bruttoinlandsprodukt, das nach Angaben des russischen Statistikamts allein im zweiten Quartal um 2,5 Prozent zugelegt hat. Für das Gesamtjahr sehen die Analysten der DekaBank das Konjunkturplus nun bei 1,8 statt bislang angenommener 1,2 Prozent. Ob Bau, Industrie oder Handel, die Erholung mache sich in der Breite bemerkbar. Lediglich die Landwirtschaft sei noch rückläufig. Auch die Preisentwicklung tendiere nach unten. Nachdem die Teuerung 2015 noch oberhalb von 15 Prozent gelegen habe, befinde sich die russische Zentralbank nun auf einem guten Weg, ihr Inflationsziel von 4,0 Prozent zum Jahresende zu erreichen.

Fitch sieht die wirtschaftliche Erholung zudem von soliden Staatsfinanzen und niedriger externer Verschuldung von 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts begleitet. Das belohnt die Rating-Agentur mit einer Änderung der Aussicht von “Stabil” auf “Positiv” unter Beibehaltung der Bonitätsnote BBB-. Putin werde keine größeren Probleme haben, seinen Verpflichtungen nachzukommen, wie Fitch meint. Das liege unter anderem an höheren Ölpreisen und an Währungsreserven in der Größenordnung von mittlerweile 400 Milliarden US-Dollar. Zudem mache das Land Fortschritte bei der Stärkung des politischen Rahmens.

Zweifel bleiben

Zumindest mit Blick auf 2017 scheinen die Börsenkurse hinter der guten wirtschaftlichen Entwicklung hinter herzuhinken. “Im Vergleich zum Jahresbeginn tritt der 15 Werte umfassende, in Euro berechnete RDX eher auf der Stelle”, bemerkt Roland Stadler von der Baader Bank. Zuvor hätten russische Aktien aber von der Wahl Trumps profitiert. Seit dem Tief im Juni dieses Jahres gehe es mit einem Anstieg von 1.300 auf 1.530 Euro, das entspreche einem Plus von rund 17 Prozent, trotz starker Gemeinschaftswährung wieder aufwärts.

Energiekonzerne mit Aufholpotenzial  “Dennoch bleibt die politische Situation angespannt”, meint Stadler, der in den Sanktionen einen Grund für die unterdurchschnittliche Performance von Rohstoffkonzernen vermutet. Während die Aktie von Lukoil (WKN A1420E) seit Mitte des Jahres rund 10 Prozent gewonnen habe, sei Gazprom (WKN 903276) kaum von der Stelle gekommen.Im Vergleich dazu musste die Rosneft-Aktie (WKN A0J3N5) in diesem Jahr gar deutliche Einbußen hinnehmen.
“Wobei sich der Wert in den vergangenen Wochen wieder etwas berappeln konnte”, beobachtet Walter Vorhauser von der Oddo Seydler Bank. Derzeit strebe CEFC China Energy eine Beteiligung an Rosneft an. “Die private chinesische Investorengruppe plant mehr als neun Milliarden US-Dollar für einen Anteil von 14,16 Prozent zu investieren, den sie vom Rohstoffkonzern Glencore und dem Staatsfonds Katars übernehmen will.” Medienberichten zufolge habe Peking dem Deal bereits inoffiziell zugestimmt. “Der russische Staat bleibt aber mit einem Anteil von 50 Prozent plus einer Aktie Mehrheitseigner.” Übrigens werde Altkanzler Gerhard Schröder vermutlich am heutigen Freitag in den Aufsichtsrat von Rosneft gewählt. Stadler Kuschelkurs zwischen Peking und Moskau

Putin suche und finde angesichts der Konflikte mit dem Westen generell eine größere Nähe zu Peking. Vom chinesischen Giga-Infrastrukturprojekt “Neue Seidenstraße” wird Russland enorm profitieren.” Umgekehrt investierten chinesische Unternehmen insbesondere in die russische Energie-, Rohstoff- sowie Logistik-Industrie, um an den potenziell steigenden Gewinnen teilzuhaben. Das Land der Mitte stecke immerhin rund 900 Milliarden Euro in den Ausbau und die Verbesserung von Transportwegen von China nach Europa und Afrika.

Finanzbranche hat es weiterhin schwer

Die russische Bankenbranche ist in besonderem Maße vom Embargo betroffen. Dennoch schafft die Aktie von Sberbank (WKN A1JB8N) in diesem Jahr bislang ein Plus von 15 Prozent. Der VTB-Wert (WKN A0MQ3G) muss hingegen deutliche Verluste hinnehmen. “Seit Anfang August stabilisiert sich der Kurs etwas”, registriert Vorhauser. Der großen Hürden zum Trotz weise die Bank eine gute Bilanz aus. In den ersten sieben Monaten komme das zweitgrößte russische Geldhaus auf Einnahmen in Höhe von 67,7 Milliarden Rubel. “Das ist eine Vervierfachung gegenüber 2016.” Die Nettozinseinkünfte des zu 60,9 Prozent verstaatlichten Unternehmens lägen mit 226 Millionen Rube 10,1 Prozent über dem Vorjahr. Auch die anderen Kennziffern könnten sich sehen lassen.

von Iris Merker
28. September 2017, © Deutsche Börse AG

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