Hüfners Wochenkommentar: “Drei Gründe, auch jetzt noch Aktien zu kaufen”

By   /  September 29, 2017  /  Comments Off on Hüfners Wochenkommentar: “Drei Gründe, auch jetzt noch Aktien zu kaufen”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Hüfners Wochenkommentar: “Drei Gründe, auch jetzt noch Aktien zu kaufen”

28. September 2017. MÜNCHEN (Assenagon). Soll man jetzt noch Aktien kaufen, wo die Rallye schon über acht Jahre dauert und die Kurse und Bewertungen bereits sehr hoch sind? Ist es nicht an der Zeit, jetzt erst einmal Kasse zu machen und auf bessere Zeiten zu warten?

Aus kurzfristiger Sicht mag das richtig sein. Andererseits treffen die Wenigsten immer den richtigen Punkt zum Kaufen und zum Verkaufen. Ich verlasse mich lieber auf die langfristigen, fundamentalen Faktoren. Die aber sind nach wie vor gut. Hier drei Gründe, weshalb Aktien aus dieser Sicht immer noch eine gute Anlage sind.

Erstens muss die Hausse auch nach acht Jahren nicht vorbei sein. Anders als viele denken, gibt es am Aktienmarkt nicht das übliche zyklische Auf und Ab. Aufwärtsbewegungen können sehr viel länger dauern. Es gab schon Rallyes über zehn und mehr Jahre. In den 70 Jahren nach dem zweiten Weltkrieg sind die Aktien nur vier Mal kräftiger eingebrochen: Bei der Ölkrise 1973, beim Schwarzen Oktober 1987, bei der New Economy Bubble 2000 und in der Subprime-Krise 2007/2008. Rein rechnerisch ist das alle 17 Jahre eine Krise. Bei all diesen Krisen handelt es sich freilich nicht um zyklische Abwärtsbewegungen, sondern um fundamentale Ungleichgewichte, die korrigiert werden mussten. Danach sieht es heute nicht aus.

Aktien und Konjunktur –
DAX, ifo-Geschäftsklima Lageeinschätzung
Quelle: Bundesbank, ifo

Was eher wahrscheinlich ist, sind kurzfristige Ermüdungserscheinungen. Die hat es auch in der Rallye der letzten acht Jahre gegeben. Das waren die Unterbrechung im August 2011 und die Abschwächung 2015/2016. Das war für Anleger schmerzhaft und brachte Kursverluste von 20 Prozent und mehr. Es wurde allerdings immer relativ schnell wieder ausgebügelt. So etwas kann auch jetzt wieder passieren. Aktienanleger müssen so etwas aushalten können. Es ist der Preis für höhere Renditen.

Zweitens ist die Konjunktur stabil. Sie hat zuletzt gerade wieder angezogen. Das führt dazu, dass die Gewinne der Unternehmen steigen und die Kurse anziehen. Die Korrelation zwischen dem DAX und dem ifo-Geschäftsklimaindex ist hoch (0,72) (siehe Grafik). Dabei sollte man sich nicht von kurzfristigen monatlichen Schwankungen des Geschäftsklimas (wie Anfang der Woche wieder bekannt gegeben) irritieren lassen.”In den 70 Jahren nach dem
zweiten Weltkrieg sind die Aktien nur vier Mal kräftiger eingebrochen. Rein rechnerisch ist das
alle 17 Jahre eine Krise.” weiter 

So wie es derzeit aussieht, wird sich an der Konjunktur auf absehbare Zeit nichts ändern. Der Konsum läuft gut. Er wird in den nächsten Jahren in Deutschland und vielleicht auch den USA durch Steuersenkungen gestärkt. Die Investitionen sind gerade angesprungen. Hier ist noch viel Nachholbedarf, um die Versäumnisse in den letzten Jahren aufzuholen und den technischen Fortschritt umzusetzen. Schließlich entwickelt sich auch der Welthandel besser.

Dritter Grund für weiter gute Aktienkurse: Die niedrigen Zinsen. Sie helfen auf zweierlei Weise. Auf der einen Seite gibt es unter diesen Umständen für Anleger keine rentablen Alternativen, um Geld zu investieren. Sie “müssen” sozusagen in Aktien gehen. Das hilft den Kursen. Auf der anderen Seite muss man bei solchen Zinsen keine so große Angst vor Überbewertungen der Kurse haben. Die Überbewertungen in anderen Asset-Klassen, vor allem in Bonds (aber auch in Immobilien) sind viel größer.

Natürlich bedeutet die Rückführung der ultralockeren Geldpolitik eine Belastung. Es dauert zwar noch, bis die Zinsen steigen. Aber die Aktienmärkte fuhren bisher sozusagen auf zwei Zylindern, der Konjunktur und der Geldpolitik. In Zukunft fällt ein Zylinder weg. Das bedeutet nicht das Ende der Rallye. Es macht die Entwicklung aber schwankungsanfälliger. Man muss sich die Konjunktur noch genauer anschauen, um rechtzeitig Schwachpunkte zu erkennen.

Also alles in Butter? Das ist es nie. Risiken gibt es immer. Ich sehe drei Bereiche, von denen Gefahren drohen könnten: Das Wichtigste ist die weltweite Rückführung der Geldpolitik zu wieder normaleren Verhältnissen. Die Zentralbanken gehen dabei sehr vorsichtig vor, weil sie wissen, dass hier Gefahren drohen. Das hilft. Aber wenn die Inflation plötzlich anspringen sollte (wofür es derzeit keine Anhaltspunkte gibt, was aber passieren kann), dann könnte die Entwicklung den Zentralbanken aus den Händen gleiten. Die Zinsen könnten stärker steigen. Das wäre bei der hohen Verschuldung der Staaten und der Unternehmen ein Riesenproblem und würde auch die Aktien in die Knie zwingen.

Weniger beachtet werden die Ungleichgewichte bei den Wechselkursen. Aber auch hier gibt es Brisanz. Der US-Dollar ist nach wie vor überbewertet und muss langfristig schwächer werden. Wenn das – wie derzeit – in geordneten Bahnen verläuft, ist das kein Problem. Die Zentralbanken werden alles tun, dass es so bleibt. Aber wehe, wenn die Entwicklung außer Kontrolle gerät. Das war vor dreißig Jahren einer der Gründe für den Einbruch im Oktober 1987.

Die dritte Unsicherheit sind die politischen Risiken rund um die Welt. Natürlich hat es sie schon immer gegeben. Das besondere derzeit ist aber die Ausbreitung nationalistischer und populistischer Strömungen in einzelnen Ländern. Sie macht es schwer, die Lage einzuschätzen und kann zu Kurzschlussreaktionen führen.

Für Anleger

Wenn Sie langfristiger Investor sind und temporäre “Draw-
downs” (Rückschläge) aushalten können, können Sie in Aktien investiert bleiben. Ihr Durchhaltevermögen könnte allerdings empfindlich getestet werden. Ein vorübergehender Rückgang der Kurse um 20 Prozent (auf ein DAX-Niveau von 10.000) ist denkbar. Nach dem Muster der vergangenen Jahre ist damit aber erst 2018/2019 zu rechnen. Fokussieren Sie sich auf konservativere Werte.
28. September 2017, © AssenagonDr. Martin W. Hüfner ist Chief Economist bei Assenagon. Viele Jahre war er Chefvolkswirt der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank AG und Senior Economist der Deutschen Bank AG. Er leitete fünf Jahre den renommierten Wirtschafts- und Währungsausschuss der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung in Brüssel. Zudem war er über zehn Jahre stellvertretender Vorsitzender beziehungsweise Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken und Mitglied des Schattenrates der Europäischen Zentralbank, den das Handelsblatt und das Wallstreet Journal Europe organisieren. Dr. Martin W. Hüfner ist Autor mehrerer Bücher, unter anderem “Europa – Die Macht von Morgen” (2006), “Comeback für Deutschland” (2007), “Achtung: Geld in Gefahr” (2008) und “Rettet den Euro!” (2011).

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

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