Anleihen: Im Wechselbad der Gefühle

By   /  September 30, 2017  /  Comments Off on Anleihen: Im Wechselbad der Gefühle

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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29. September 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Unterm Strich steht es kaum verändert, dennoch spiegelt das hiesige Rentenbarometer auf Wochensicht das Wechselbad der Anlegergefühle wider. Von erhöhtem Sicherheitsbedürfnis nach der Bundestagswahl bis zu größerer Risikofreude nach Ankündigung der Steuersenkungspläne Donald Trumps war alles dabei. “Diese war allerdings nur vorübergehend, weil keiner weiß, wie das Ganze bezahlt werden soll”, relativiert Arthur Brunner. Es sei fraglich, ob das Vorhaben wie geplant umgesetzt werden könne.

Die größten Akzente im Rentenhandel setzte nach Ansicht des Händlers der ICF Bank die Notenbankchefin der Vereinigten Staaten. “Janet Yellen hat in ungewohnter Deutlichkeit einen Zinsschritt noch in diesem Jahr in Aussicht gestellt und dabei betont, dass die Inflation nicht alleiniges Entscheidungskriterium sei.” Auf die gewünschte Teuerungsrate von 2 Prozent zu warten, halte Yellen nun für unvorsichtig, weil es die Gefahr einer Überhitzung der Volkswirtschaft berge.

Geringe Inflation stützt Nachfrage nach Bundesanleihen

Auf die schwächer als erwartete Inflation im Euroraum reagierten Anleger heute derweil Nachfrage nach Bundesanleihen. Der richtungweisende Euro-Bund-Future stieg am Mittag auf 161,20 Prozent, was einer Rendite von 0,45 Prozent entspricht. Mit einer Kernrate von 1,1 Prozent entferne sich die Teuerung – ohne Energie- und Lebensmittelpreise – von dem 2-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank. Das stellt nach Ansicht von Analysten die Reduzierung der Anleihen-Käufe auf den Prüfstand.

Der Weg ist lang

Der Einigungsprozess im Koalitionspoker wird nach Auffassung von Brunner zwar steinig. Dennoch seien die Marktreaktionen auf das Wahlergebnis bislang überschaubar. Nach Ansicht von Klaus Stopp wäre eine frühe Einigung der Verhandlungspartner im Interesse der Kapitalmärkte. “Denn Stabilität ist Börsianern ein hohes Gut.” Dies sei aber vermutlich ein frommer Wunsch. Insbesondere die kleinen Parteien CSU, FDP und Grüne würden aller Voraussicht nach den Preis für einen Koalitionsvertrag in die Höhe treiben wollen.

 Stopp nennt als einen Knackpunkt die Energiepolitik. Während die Grünen bis 2020 die Abschaltung der 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke versprochen hätten, passe ein staatlich forcierter Ausstieg aus der Kohle nicht zu den liberalen Grundsätzen der FDP. Auch der Grünen-Forderung, ab 2030 keine Verbrennungsmotoren mehr zulassen zu wollen, lehne die FDP ab und spreche sich gleichzeitig für Technologieoffenheit aus. Die Liste sei lang. “So zeichnet sich jetzt schon ab, dass alle Beteiligten gleich mehrere Kröten werden schlucken müssen, sollte man sich auf einen Koalitionsvertrag einigen.” Stopp Anleger vertrauen auf Volkswagen Im Bond-Handel kommt Brunner zufolge eine neue VW-Anleihe besonders häufig zum Tragen. Der Autobauer habe mittels zwei Emissionen insgesamt 2,25 Milliarden Euro in Stücken von 1.000 Euro erfolgreich am Kapitalmarkt aufgenommen. Ein 1,25 Milliarden Euro schwerer dreijähriger Bond (WKN A2GSFP) mit Fälligkeit im Oktober 2020 biete Anlegern einen Kupon in Höhe von 0,25 Prozent. “Dieser ist bei guten Umsätzen gefragt”, informiert der betreuende Händler. Jährlich 1,125 Prozent Zinsen biete ein im April 2024 zur Rückzahlung anstehendes VW-Papier (WKN A2GSFQ) im Volumen von einer Milliarde Euro. Brunner 

Bereits die zweite Woche in Folge gehöre eine nachrangige Anleihe der IKB Deutsche Industriebank (WKN A2E4Q8) mit einem Kupon von 4 Prozent bei der ICF Bank zu den meist gehandelten Werten. “Die Anleihe ist sehr stark gesucht.”

Das gestiegene Interesse an Fremdwährungsanleihen in norwegischen Kronen führt Brunner größtenteils auf die gestiegenen Ölpreise zurück. Stopp verbucht darüber hinaus Nachfrage nach Währungsanleihen lautend auf US-Dollar, türkische Lira und vereinzelt südafrikanische Rand.

Nordea-Bond beliebt Gregor Daniel spricht von überwiegenden Käufen einer Nordea-Anleihe (WKN A0DCNQ) mit einem Kupon von 0,891 Prozent. Aktuell notiert die Anleihe knapp unter 88 Prozent und hat im Wochenverlauf hinzugewonnen. Regen Handel in beide Richtungen macht der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank in einem im April 2022 zur Rückzahlung anstehenden Stada-Papier (WKN A14KJP) aus, das Anlegern jährlich 1,75 Prozent Zinsen bringt. Daniel 

Gregor Daniel spricht von überwiegenden Käufen einer Nordea-Anleihe (WKN A0DCNQ) mit einem Kupon von 0,891 Prozent. Aktuell notiert die Anleihe knapp unter 88 Prozent und hat im Wochenverlauf hinzugewonnen. Regen Handel in beide Richtungen macht der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank in einem im April 2022 zur Rückzahlung anstehenden Stada-Papier (WKN A14KJP) aus, das Anlegern jährlich 1,75 Prozent Zinsen bringt.

Anleger vertrauten zudem auf eine argentinische Staatsanleihe (WKN A0VTZ1), die Daniel zufolge derzeit verstärkt gekauft wird. “Die Käufe dieses Argentinien-Bonds fanden ohne besondere Nachrichten statt.”

Eine im März 2022 fällige Abengoa-Anleihe (WKN A19FUR) steht laut Daniel gegenwärtig im Anlegerfokus, nachdem das Unternehmen die Veröffentlichung der Unternehmenszahlen auf Basis eines richterlichen Beschlusses verzögert habe. Der Bond des angeschlagenen spanischen Anbieters von erneuerbaren Energien sei in Folge zunächst abgestoßen worden. “Ab Mitte der Woche griffen Anleger wieder zu.” Das spiegele sich im Kurs wider, aktuell notiert die Anleihe um 10,5 Prozent.
von: Iris Merker
29. September 2017, © Deutsche Börse AG

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