ETF Magazin: “Kupfer – Energiemetall Nummer Eins”

By   /  October 10, 2017  /  Comments Off on ETF Magazin: “Kupfer – Energiemetall Nummer Eins”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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9. Oktober 2017. München (ETF Magazin). Die Mannschaft von US-Neupräsident Donald Trump kommt nicht aus den Startblöcken. Auch von den versprochenen milliardenschweren Infrastrukturprojekten ist nicht mehr viel zu hören. Eigentlich müsste dieser Aufschub die Fantasie aus den Preisen der Industriemetalle nehmen. Doch weit gefehlt. Gerade Kupfer, das Industriemetall Nummer eins, zeigt anhaltende Stärke. Seit Jahresanfang steht schon ein zweistelliges Plus auf der Kurstafel. Grund ist das gute wirtschaftliche Umfeld. Die Weltwirtschaft brummt auch ohne Geldspritzen der US-Regierung.

Chinas Umweltbewusstsein wächst
Wieder einmal hängt dabei viel an China. Da passt es gut, dass sich Zweifler bei den neuesten chinesischen Konjunkturmeldungen auf die Zunge beißen mussten. Chinas Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2017 um 6,9 Prozent gewachsen. Noch vor Jahresfrist war dem Reich der Mitte von manchem Marktbeobachter eine harte Landung der Wirtschaft prognostiziert worden. Doch Peking hält die Volkswirtschaft – die mittlerweile immerhin mit den USA um die Nummer eins auf der Weltrangliste konkurriert – in der Spur. Erstaunlich für viele Analysten war bei diesen guten Quartalszahlen insbesondere, dass die Industrieproduktion deutlich anstieg. 7,6 Prozent Plus hatte niemand erwartet. Damit dürfte ein Wachstum um die sechs Prozent mittelfristig auf einigermaßen festen Beinen stehen.

Gerade hier fangen die Probleme für die Regierung in Peking an, sich aufzutürmen. Industrieproduktion bedeutet schließlich in der Regel einen hohen Ressourceneinsatz mit meist umweltschädlichen Konsequenzen, seien es Kohleverbrennung zur Stromerzeugung oder Stahl- und Aluminiumhütten, die Rauchschwaden in den Himmel blasen. Hinzu kommen Millionen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren. Gesundheitsschädliche Smog-Nebel, die sich den Weg zwischen den Hochhäusern in Chinas Millionenstädten suchen, sind mittlerweile eher der Normalfall denn die Ausnahme.

Peking kämpft mit einem Masterplan gegen die Smog-Ausweitung an. Neben dem Stilllegen von Kohlekraftwerken und ineffizienten Industriefabriken wird mittlerweile großer Wert auf erneuerbare Energien gelegt. Allein im ersten Halbjahr 2017 stieg die Stromerzeugung mittels Sonnenenergie gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 75 Prozent auf 51,8 Milliarden Kilowattstunden. Bei Windkraft waren es mit 149 Milliarden Kilowattstunden 21 Prozent mehr. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr in China 37 Gigawatt an Stromerzeugungskapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energie neu aufgebaut, geht aus Unterlagen der chinesischen National Energy Administration hervor. Das sind mittlerweile 70 Prozent der gesamten neuen Kapazitäten im chinesischen Energiesektor, die von Januar bis Juni 2017 installiert wurden.

Das Energiemetall

Für den Aufbau dieser Stromkapazitäten wird eine Unmenge an Rohstoffen benötigt. Der prominenteste und stark nachgefragte Vertreter dieses Bereichs ist Kupfer. Seine Eigenschaften der besonders guten Stromleitfähigkeit zusammen mit der Korrosionsbeständigkeit und der Fähigkeit, Bakterien abzutöten, geben dem Halbedelmetall eine breite Anwendungspalette. Strom- und Wasserleitungen sind für Infrastrukturprojekte und den Fortschritt in aufstrebenden Gesellschaften von besonderer Bedeutung. Daher dürfte die Nachfrage nach Kupfer in der Zeit von erneuerbaren Energien und Elektromobilität deutlich ansteigen.

Immerhin werden allein in einer Windkraftanlage mit zwei Megawatt Kapazität zwischen fünf und zwölf Tonnen Kupfer verbaut. Denn insbesondere die Wicklungen in den Generatoren sind aus mehreren Kilometern Kupferdraht geformt. Für die Infrastruktur zum Anschluss an das Stromnetz dürften einige weitere Tonnen hinzukommen. Sehr große Windräder wie in der Nord- und Ostsee verschlingen daher sogar an die 30 Tonnen Kupfer. Das besonders Erfreuliche beim Einsatz von Kupfer in der Herstellung des Stroms aus Wind ist seine Ökobilanz: In einem Jahr spart der Einsatz einer Tonne Kupfer in etwa das 150-Fache der Menge an CO2-Ausstoß ein, die bei der Produktion dieser Tonne Kupfer freigesetzt wurde.

Schätzungen des Nachrichtendienstes Bloomberg New Energy Finance zeigen einen Aufbau der Windkraftkapazitäten auf dem Land von weltweit 59 Gigawatt im laufenden Jahr und 65 Gigawatt 2018. Windparks im Wasser dürften weitere sechs Gigawatt beitragen. Hochgerechnet würde dies für 2018 eine Nachfrage nach Kupfer allein aus der Windenergiesparte von mindestens 200 000 Tonnen bedeuten.

E-Mobilität treibt an
In einem jährlichen Markt von rund 22 Millionen Tonnen erscheint dies nicht viel. Doch die Windkraftanlagen sind nicht die einzigen aufstrebenden Nachfrager. So benötigt die Installation einer kleineren Photovoltaikanlage mit 2,5 Kilowatt etwa zwölf Kilogramm Kupfer, so Daten des Deutschen Kupferinstituts. Zwar wächst auch dieses Marktsegment, insbesondere in aufstrebenden Ländern wie Indien, im Nahen Osten und in Lateinamerika.
Doch in Zukunft noch weitaus wichtiger könnte der Bereich der Elektroautos werden. Je nach Wagen werden bis zu 6000 Meter Kupferkabel darin verbaut. 2016 wurden immerhin schon weltweit rund 777 000 E-Fahrzeuge verkauft. Im kommenden Jahr dürften es schon mehr als eine Million Elektroautos werden, die neu auf die Straßen kommen. Für das Jahr 2025 gehen die Schätzungen von bereits 14 Millionen Elektroauto aus.

Die Experten von Bloomberg New Energy Finance erwarten, dass im Jahr 2040 etwa ein Drittel des gesamten weltweiten Fahrzeugbestands von 1,63 Milliarden Stück Vehikel mit Elektromotor sein werden. Bedenkt man, dass in Elektroautos etwa die doppelte bis dreifache Menge an Kupfer verbaut wird wie bei herkömmlichen Verbrennungs motorgetriebenen, also 60 bis 100 Kilo, wächst hier ein riesiges Kupfernachfragesegment heran. Hinzu kommen die benötigten Mengen für die Infrastruktur an Ladestationen – je nach Art bis zu acht Kilo Kupfer pro Säule.

ETC mit RolloptmierungInvestitionen in Rohstoffe besitzen im Vergleich zu Aktien und Anleihen einen großen Haken: Wo verstaut man Kupfer, Rohöl, Nickel oder Gas? Wer will sich schon ein Lagerhaus mit den gekauften Rohstoffen vollstopfen und zudem die Transportkosten zahlen? Die Lösung sind Investments in Rohstoff-Futures. Leider kann nicht jeder Investor an den Terminmärkten aktiv werden.
Die Lösung für dieses Problem sind Exchange Traded Commodities (ETCs). Dabei handelt es sich um Schuldverschreibungen, also Zertifikate, deren Laufzeit im Gegensatz zu Futures nicht begrenzt ist. Dies bringt einen nicht zu unterschätzenden Nachteil mit sich: das Rollen. Da Futures ein festes Ablaufdatum besitzen, müssen die ETCs bei diesem Ablauf jeweils in den nächsten Kontrakt umtauschen. Dies wird Rollen genannt. Vom Prinzip stellt dies keine Schwierigkeit dar. Doch für den Anleger kann es Verluste bedeuten. Denn die Futures bilden die erwarteten Rohstoffpreise in der Zukunft ab. Meistens liegen diese über den aktuellen Rohstoffpreisen, da unter anderem Lagerhaltungskosten einberechnet werden. Dies nennen Börsianer Contango. Liegt der Preis des länger laufenden Futures unter dem des nächst-fälligen so wird dies Backwardation genannt.

Wird ein Futures-Kontrakt im ETC in den nächsten gerollt und ist dieser teurer, dann kommt es automatisch zu einem Verlust. Diesem Problem ist die französische BNP Paribas zu Leibe gerückt. Mit der RICI-Enhanced-ETC-Familie brachte BNP Paribas ETCs auf den Markt, die die RICI-Enhanced-Indizes abbilden. Sie basieren nicht nur auf dem nächstfälligen Kontrakt, sondern beinhalten verschiedene Laufzeiten. Ein Drittel wird in den nächstfälligen Terminkontrakt, ein Drittel in den Kontrakt mit der zweitkürzesten Fälligkeit und ein Drittel in Futures, die am günstigsten erscheinen, investiert. Dadurch kommt es nicht zum harten kurzfristigen und teils ungünstigen Rollen. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass nur zweimal im Jahr gerollt werden muss.
Ende Juli notierte Kupfer zum Beispiel bei 6350 US-Dollar je Tonne. Die Kupfer-Futures-Kurve zeigte für die nächsten 30 Monate, wenn auch nur leicht, aber kontinuierlich nach oben. Der nächstfällige Kontrakt war also teurer als der gerade auslaufende. Beim Wechsel würde ein Rollverlust entstehen.
Mit rolloptimierten ETCs lässt sich dieser Nachteil dämpfen. Tatsächlich kann in einer Rückrechnung gezeigt werden, dass sich die Rolloptimierung lohnt. So schneiden etwa die RICI-Enhanced-ETCs deutlich besser ab als nicht rolloptimierte ETCs: Von Juni 2016 bis Juni 2017 stiegen gängige Industriemetall-Indizes wie der Bloomberg-Industrial-Metals und der S&P-GSCI-Industrial-Metals um 17 beziehungsweise 18 Prozent, der RICI-Enhanced-Industrial-Metals-TR-ETC schaffte dagegen 19 Prozent Plus.
Je länger die Laufzeit ist, umso stärker klafft die Performance auseinander. So verlor der RICI-Enhanced-Industrial-Metals in den vergangenen zehn Jahren zwar um 17 Prozent an Wert. Der Bloomberg-Industrial-Metals liegt dagegen mit 53 Prozent und der S&P-GSCI-Industrial-Metals mit 48 Prozent im Minus. Für Anleger, die auf einen steigenden Kupfer-preis setzen wollen, dürften daher rolloptimierte Vehikel erste Wahl sein. Zur Diversifikation können zudem weitere Metalle, die von dem Boom der erneuerbaren Energie profitieren, wie zum Beispiel Nickel, ins Portfolio gehoben werden.

“HIER ZITAT.” weiter © 9 Oktober 2017 – Autor: Johannnes Heinritzi- ETF Magazin
Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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