Baader Bond Markets: “Der IWF warnt auch im Aufschwung”

By   /  October 14, 2017  /  Comments Off on Baader Bond Markets: “Der IWF warnt auch im Aufschwung”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Baader Bond Markets: “Der IWF warnt auch im Aufschwung”

13. Oktober 2017. MÜNCHEN (Baader Bank). In seinem jüngsten Weltwirtschaftsbericht hat der Internationale Währungsfonds (IWF) sich zuversichtlich über die konjunkturelle Entwicklung geäußert und bescheinigt dem bereits 2016 begonnenen globalen zyklischen Aufschwung weiterhin eine positive Entwicklung. Die Wachstumszahlen für die Weltwirtschaft wurden für das laufende Jahr von 3,5 Prozent auf 3,6 Prozent und für 2018 von 3,6 Prozent auf 3,7 Prozent angehoben. Allerdings warnt der IWF davor, sich von den Zahlen blenden zu lassen. Denn lediglich kurzfristig sind die Risiken für diesen Ausblick ausgeglichen. Mittelfristig bestehen dagegen nicht unerhebliche Wachstumsrisiken.

So verweist der IWF auf die positiven finanziellen Rahmenbedingungen infolge der Notenbankpolitik. An die Droge des billigen Geldes scheinen sich die Finanzmärkte ja gewöhnt zu haben. Jedoch hat die US-amerikanische Notenbank (Fed) bereits einen Kurswechsel vollzogen, und auch die Europäische Notenbank (EZB) wird sich nicht ewig diesem geldpolitischen Normalisierungsprozess entziehen können. Der japanische Weg ist für die EZB keine Option, was allen Marktteilnehmern bewusst sein sollte. Doch nicht nur Börsianer müssen dies verinnerlichen, sondern auch Politiker. Denn weiterhin besteht die Gefahr, dass sich die politisch Verantwortlichen selbstzufrieden zurücklehnen und in falscher Sicherheit wiegen.

Die von den Notenbanken erkaufte Zeit wurde bisher nur zum Teil für eine nachhaltige Haushaltssanierung genutzt. Deshalb verweist der IWF in seinem Bericht nochmals darauf, dass die Chancen für strukturelle und finanzielle Reformen genutzt werden müssen, um für mehr Widerstandsfähigkeit, Produktivität und Investition zu sorgen. Denn sollten sich die globalen Refinanzierungsbedingungen infolge der anstehenden geldpolitischen Anpassungen für Staaten, Unternehmen und nicht zuletzt Privatpersonen deutlich verschlechtern, ginge auch wieder politischer Handlungsspielraum verloren.

An die Adresse der EZB und der Eurostaaten gerichtet wurde in dem Bericht betont, dass falls eine geldpolitische Straffung notwendig werde und zugleich die Erholung von Preisen und Wachstum in den hoch verschuldeten Mitgliedsstaaten noch im Gange ist, dann wäre das für diese Länder riskant, wenn sie noch nicht die notwendigen finanziellen Anpassungen und Strukturreformen vorgenommen haben. Mit Blick auf die Inflation wird für 2017 ein Anstieg auf 1,5% erwartet und nicht vor 2021 mit 1,9% ein Wert im Bereich der anvisierten Zielmarke erreicht. Somit ist der Hinweis an die europäischen Notenbanker, erst dann den Akkomodationsgrad ihrer Politik zu verringern, wenn es “konkrete Hinweise auf einen dauerhaften Anstieg der Inflation” gibt, die logische Konsequenz.

Man wird in den kommenden Monaten sehen, ob die Politiker und Vertreter der Notenbanken die mahnenden Worte verstanden haben und gegenüber den nachfolgenden Generationen verantwortungsvoll reagieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Spanische Regierung stellt Ultimatum

Im Prinzip hat Präsident Carles Puigdemont die Unabhängigkeit Kataloniens zwar erklärt, aber vollziehen wollte er sie dann doch nicht, zumindest noch nicht. Nach seinem Vorschlag soll die Loslösung zunächst ausgesetzt werden, um Gespräche mit der Zentralregierung in Madrid führen zu können. Doch die Reaktion aus Madrid ließ nicht lange auf sich warten und war so sicher nicht erwartet worden.

Die spanische Regierung verlangt nun ihrerseits bis zum 16. Oktober eine Klarstellung, ob die Unabhängigkeit für die Region ausgerufen wurde oder nicht. Die jetzige, ungeklärte Situation ist Gift für die Finanzmärkte und somit ist es nicht verwunderlich, dass die Bewertungen der innenpolitischen Turbulenzen durch die Kredit- und Warenmärkte nicht lange auf sich warten ließen. So hatte die Ratingagentur Fitch angekündigt, die Kreditwürdigkeit der Region in Spaniens Nordosten weiter herabzustufen. Als Grund hatte die Agentur “unvorhersehbare Ereignisse” in Katalonien angegeben, womöglich sogar “Störungen” beim Finanzzugang für die Region. Die Bonität Kataloniens ist bei Fitch bereits auf das spekulative Niveau BB gesenkt worden. Das große Finanzinstitut Banco Sabadell hat angekündigt, seinen Firmensitz von Katalonien nach Alicante zu verschieben und die Großbank La Caixa erwägt, ihren Sitz auf die Balearen zu verlegen.”Kreditwürdigkeit leidet unter Turbulenzen.”  

Die Situation spitzt sich also weiter zu und von Entspannung kann nicht die Rede sein. Somit sinken die Chancen der katalanischen Regierung, einen Vermittler zu finden, nahezu auf null und in den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob die Investoren eine friedliche Lösung dieses Konflikts für möglich halten.

Spanische Staatsanleihen wie beispielsweise die 10-jährige Anleihe (A19KVL) mit Laufzeit 10/2027, die in den vergangenen Tagen unter der unsicheren Situation im Nordosten des Landes gelitten hatten, notieren aktuell bei ca. 98,60% und rentieren somit bei ca. 1,60%.

Der ESM auf der Suche nach seiner neuen Rolle

Fünf Jahre alt ist er dieser Tage geworden, der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM), im Volksmund auch “Euro-Rettungsfonds” genannt. In dieser Zeit hat er mit Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Zypern gleich fünf Euroländer vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt. Und immer wieder wird die Idee diskutiert, den ESM zum Europäischen Währungsfonds (EWF) aufzuwerten.

Insbesondere der scheidende deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble ist einer der Befürworter, welcher dem ESM zutraut, künftig die Schuldenregeln der Eurostaaten zu überwachen. Damit dürfte er sich freilich bei der EU-Kommission nicht nur Freunde gemacht haben, hatte doch bisher sie die Aufgabe, über die Budgets der Mitgliedsländer zu wachen, inne. Aber bekanntlich wurden bei Überschreiten der Drei-Prozent-Obergrenze für Haushaltsdefizite immer wieder Ausnahmeregelungen erteilt, was einen wie Schäuble ordentlich gewurmt haben dürfte. Der Bundesfinanzminister macht mit diesem Vorstoß der Kommission ja auch indirekt klar, dass sie in seinen Augen in diesen Fällen keinen guten Job machte. Daher wird man hier dicke Bretter bohren müssen, lässt sich doch die EU-Kommission nicht gerne Kompetenzen wegnehmen. Außerdem wäre zu prüfen, ob eine solche Kompetenzübertragung nicht eine Änderung der Lissabonner Verträge notwendig machen würde.
“Schäubles Vermächtnis: Rettungsfonds soll Länder-Budgets überwachen.” “Widerstand der Kommission zu erwarten.”

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