Wochenausblick: Konzerne geben Impulse

By   /  October 17, 2017  /  Comments Off on Wochenausblick: Konzerne geben Impulse

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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16. Oktober 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Nach einigen Anläufen hat der deutsche Aktienindex in der vergangenen Woche kurzzeitig die Marke von 13.000 Zählern geknackt. Ins Wochenende verabschiedete sich der DAX bei einem Stand von 12.991 Punkten knapp darunter. Damit steht seit Monatsbeginn ein Plus von rund 1,0 Prozent zu Buche. Analysten gehen davon aus, dass der deutsche Bluechip-Index von einer bullishen Wall Street mitgerissen wird und somit die psychologisch wichtige Hürde nachhaltig überwinden könnte. Zwar fehlen nach Ansicht von Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank bislang über die starken Konjunkturdaten hinausgehende Impulse. Die startende Berichtssaison habe aber das Potenzial, diese zu liefern.

Bullishe Ausgangslage

Die technische Perspektive schätzt Karen Szola als durchaus vielversprechend ein. Während die führenden US-Indizes wie der Dow Jones, der S&P 500 sowie der Nasdaq 100 in der vergangenen Woche auf neue Rekordstände geklettert seien, hadere der Deutsche Aktienindex zwar noch mit den 13.000 Punkten. Für die technische Analystin von Euro am Sonntag und Börse Online ist es bei weiterhin bullisher Ausgangslage aber nur noch eine Frage der Zeit, bis die Barriere nachhaltig überwunden wird.

Im Erfolgsfall eröffne sich mittelfristig weiterer Spielraum bis auf rund 13.300 DAX-Punkte. Dieses Kurslevel biete eine der oberen Parallelen des im Juli 2016 entspringenden Aufwärtstrends. Dieser Zielbereich decke sich in etwa auch aus Sicht der 138,2-Prozent-Fibonacci-Extension der Juni/August-Korrektur, aus der sich ein Anstiegspotenzial bis auf etwa 13.370 Zählern ermitteln lässt. “Kurzfristig sind beim erfolgreichen Sprung über die 13.000er-Marke weitere 100 Punkte Kursgewinn drin.”

Bei einem unerwarteten Schwächeanfall könne die größere Kurslücke bei 12.321 bzw. 12.381 Punkten vom 11. September ihre anziehende Wirkung entfalten und entsprechend geschlossen werden. Leicht unter dem Niveau liege auch die, immer noch ansteigende, 200-Tage-Linie. “Ein Bruch dieses wichtigen Durchschnitts impliziert den Start einer Korrekturausdehnung.” Im Worst-Case-Szenario würde ein Rutsch unter die Unterstützung um 12.000 Zähler ein Doppeltop auslösen, welches weitere 1.000 Punkte Abwärtspotenzial berge.

Risiken bestehen Auch Christian Schmidt von der Helaba sieht im DAX-Kursverlauf der vergangenen Handelstage eine Befestigung. Dennoch wachse die Gefahr, dass sowohl die Unterstützung in Form einer Strukturprojektion um 12.971 Punkte als auch die obere Begrenzung des Price-Range-Channels im Bereich 12.941 Zähler nachhaltig unterschritten werden. Darüber hinaus gelte es, die Unterstützungen bei 12.922, 12.890 und 12.850 zu beachten. “Ein Durchbruch würde den Abgabedruck nochmals erhöhen.” Die übergeordneten Trends stellt Schmidt bis auf weiteres dennoch nicht in Frage. Widerstände fänden sich bei 13.089, 13.157 und 13.187 Zähler. Christian Schmidt Deutsche Wirtschaft brummt

Zumindest vonseiten der weltweiten Konjunktur werden dem hiesigen Aktienmarkt keinerlei Steine in den Weg gelegt, wie Sintje Boie ausführt. Die jüngsten Veröffentlichungen ließen nur den Schluss zu, dass Deutschland boomt. “Die gut gefüllten Auftragsbücher sprechen für eine hohe Industrieproduktion in den kommenden Monaten.” Hinzu komme die Handelsbilanz, die mit einem Plus von rund 22 Milliarden Euro das höchste Niveau in diesem Jahr und einen der größten Überschüsse überhaupt erreiche. Mittlerweile stehe die gute Konjunktur gar auf einem breiteren Fundament. Während der private Konsum schon länger anziehe, überzeugten nun auch die Investitionen, die vom günstigen Zinsumfeld profitierten.

Auch eine teurere Gemeinschaftswährung insbesondere zum US-Dollar scheine der deutschen Wirtschaft nichts anhaben zu können. “Man reibt sich verwundert die Augen und stellt fest: Möglicherweise beschleunigt sich der Aufschwung sogar”, beschreibt die Analystin der HSH Nordbank.

Federal Reserve bleibt auf Kurs

Politische Unabwägbarkeiten wie die Regierung Trump, der Brexit, der Nordkorea-Konflikt oder Unabhängigkeitsbestrebungen in Europa lassen Anleger derzeit scheinbar kalt, wie Robert Halver von der Baader Bank feststellt. Dem gegenüber würden etwaige Hinweise zu Zinserhöhungen vonseiten der US-Notenbank sehr genau abgeklopft. Die am Mittwoch anstehende Beige Book-Veröffentlichung habe das Zeug, Spekulationen auf einen US-Zinsschritt im Dezember erneut anzufachen.

Mit Blick auf 2018 geht Schickentanz davon aus, dass der Markt gegenwärtig falsch liegt und die Federal Reserve trotz kurzfristig weiter enttäuschender Inflationsdaten an ihrem Zinserhöhungskurs festhält. Die Währungshüter würden den Leitzins auch deswegen gerne anheben, um in kommenden Wirtschaftsabschwüngen wieder von einer ausreichend hohen Fallhöhe agieren zu können. “Schließlich will die Federal Reserve verhindern, bei einer “normalen Rezession” gleich wieder mit unkonventionellen Maßnahmen reagieren zu müssen, weil klassische Zinssenkungen angesichts eines zu niedrigen Ausgangsniveaus keine ausreichende Wirkung entfalten.”

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Im Rahmen der Unternehmenszahlen für das dritte Quartal legen in dieser Woche unter anderem Goldman Sachs, Morgan Stanley, Johnson & Johnson und IBM ihre Bücher offen. Hierzulande eröffnet am Donnerstag SAP den Zahlenreigen.

Dienstag, 17. Oktober

10.30 Uhr. Großbritannien: Verbraucherpreise September. Vor dem Hintergrund einer in den Startlöchern für eine Zinsanhebung stehenden Notenbank wird die Teuerung im Vereinigten Königreich nach Ansicht der DekaBank die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich ziehen. Die insbesondere wegen höherer Nahrungsmittel- und Energiepreise gestiegene Inflationsrate werde die Bank of England in ihrer Absicht bestätigen, in den kommenden Monaten zumindest etwas den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal zu nehmen. Am Mittwoch folge der Arbeitsmarktbericht. Die Arbeitslosenquote liege bereits seit drei Monaten unter dem von der Zentralbank als gleichgewichtig eingeschätzten Wert von 4,5 Prozent. Noch sei die Lohnentwicklung aber moderat, und auch für August erwartet die DekaBank-Analysten keine großen Sprünge.

Donnerstag und Freitag, 19. bis 20. Oktober

Euroraum: Treffen der EU-Ratsmitglieder. Ende der Woche entscheiden die EU-Ratsmitglieder laut HSBC, ob die Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien weit genug fortgeschritten sind, um in die zweite Phase übergehen zu können. Diese würde Diskussionen über die Ausgestaltung der künftigen Beziehungen zueinander sowie einer möglichen Übergangsphase beinhalten. Doch grünes Licht seitens der EU schätzen die HSBC-Analysten als unwahrscheinlich ein. Erst Anfang Oktober habe das Europäische Parlament eine Entschließung verabschiedet, wonach ausreichende Fortschritte in Bezug auf die drei Hauptziele der EU weiterhin ausbleiben. Die vorrangigen Themen dürften auch nach dem 20. Oktober die Rechte der Bürger, die finanziellen Verpflichtungen des Vereinigten Königreichs sowie die Grenze zwischen Irland und Nordirland bleiben. Die Uhren tickten damit zunehmend lauter. Das nächste Ratstreffen findet erst wieder Mitte Dezember statt.

von: Iris Merker
16. Oktober 2017, © Deutsche Börse AG

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