ETF Magazin: “Der feine Unterschied bei Anleihen-ETFs”

By   /  October 25, 2017  /  Comments Off on ETF Magazin: “Der feine Unterschied bei Anleihen-ETFs”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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24. Oktober 2017. München (ETF Magazin). Mario Draghi hat es wieder getan. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Entscheidung darüber, wann sie zu einer geldpolitischen Normalisierung übergehen wird, vertagt. Das umstrittene EZB-Kaufprogramm von Staats- und Unternehmensanleihen wird bis mindestens zum Ende des Jahres fortgesetzt – vielleicht auch länger. “Wir sind noch nicht so weit”, vertröstet Draghi die Ökonomen. Es ist ein Spiel auf Zeit, das nun auch wieder in den USA gespielt wird. Die US-Notenbank-Chefin Janet -Yellen hält den Leitzins nach zwei Erhöhungen in diesem Jahr vorerst zwischen 1,0 und 1,25 Prozent. Eine Zinswende, die sich wie ein Kaugummi zieht.

Nicht nur aus diesem Grund bleiben Unternehmensanleihen interessant. Sowohl Investment-Grade-Anleihen als auch Hochzinsanleihen locken mit attraktiven Zinseinnahmen. Anleger, die von diesen Chancen profitieren wollen, brauchen sich inzwischen nicht mehr mit direkten Investments in die nicht immer leicht zu handhabenden Kreditmärkte abzumühen. Mit den passenden Indexfonds (ETFs) finden Investoren einen liquiden, kostengünstigen und immer intelligenteren Zugang zum Rentenmarkt. Renten-ETFs: Das sind heute nicht mehr simple Körbe wie etwa “Europäische Staatsanleihen”, sondern clever differenzierte Wertpapierpakete. Die hier vorgestellten ETFs sind beste Beispiele für die neue Generation von Renten-ETFs.

Renten-ETFs gewinnen in den Portfolios institutioneller Anleger zunehmend an Bedeutung, wie die Ergebnisse des Lyxor-ETF-Barometers zeigen. In Europa stiegen die Zuflüsse in Anleihen-ETFs im Juni 2017 auf 4,5 Milliarden Euro und zogen damit sogar mehr Geld an als Aktien-ETFs. Seit September 2016 ist das nicht mehr vorgekommen. Die Beliebtheit von Anleihen-ETFs hat damit den höchsten Stand seit über elf Monaten erreicht. Vor allem Unternehmensanleihen-ETFs verzeichneten weiterhin starke Zuflüsse von 1,8 Milliarden Euro. Doch was macht Renten-ETFs so interessant, dass diese mittlerweile 15 Prozent des gesamten weltweiten ETF-Vermögens ausmachen?

Eine Frage der Liquidität

Ein Faktor: Die gute Liquidität der Renten-ETFs. Der US-Forscher Galib Sultan hat sich mit dem Thema Liquidität und ETFs im Auftrag der Lyxor ETF Research Academy beschäftigt.Grundsätzlich ist nach seiner Einschätzung der Markt der Unternehmensanleihen wenig liquide, da Unternehmensanleihen meist gekauft und bis zur Endfälligkeit gehalten werden, statt gehandelt zu werden. In seiner Studie stellte Sultan anhand von fünf Liquiditätskennzahlen über einen Zeitraum von zwölf Jahren jedoch fest, dass Unternehmensanleihen, die von ETFs gekauft werden, tendenziell eine Erhöhung ihrer Liquidität erfahren. Schließlich wurden auch die Auswirkungen des ETF-Anleihenbesitzes auf die Liquidität von Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen in isolierter Form untersucht. Dabei beobachtete Sultan, dass ein größeres Ausmaß an von ETFs gehaltenen Hochzinsanleihen ebenfalls zu einer verbesserten Liquidität bei High-Yield-Bonds beiträgt. Allerdings variierten die Auswirkungen, abhängig von der Schätzmethode und den Liquiditätskennziffern.

Wie Liquidität produziert wird, erklärt Simon Klein von der Deutschen Asset Management anhand eines Beispiels: Ende 2015 fiel der Ölpreis auf ein 12-Jahres-Tief, weshalb viele Investoren massiv Anleihen der Öl-Unternehmen und anderer bonitätsschwacher Emittenten verkauften. In Folge wurden an diesem Tag High-Yield-ETFs im Wert von 5,5 Milliarden Dollar gehandelt, aber nur Anteile im Wert von 560 Millionen Dollar zum Primärmarkt “als Outflow” durchgereicht. 90 Prozent des Volumens wurden vielmehr als eine Art “Stoßdämpfer” vom ETF-Handel abgefangen. Neben dieser zusätzlichen Liquidität bieten ETFs eine große Diversifikation über Bonitäten und Laufzeiten bei einer niedrigen Stückelung. Zusätzlich sparen sich Investoren viel Arbeit – der zu Grunde liegende Index wird bei einem ETF automatisch und laufend angepasst. Bei Direktinvestments müssen diese Justierungen selbst vorgenommen werden. Es ist demnach nicht verwunderlich, dass Unternehmensanleihen-ETFs immer beliebter werden und das Angebot weiter zunimmt. Bei Investment-Grade-Anleihen und Hochzinsanleihen aus Europa und Amerika haben Investoren die Wahl – der Zeitpunkt zum Einstieg ist günstig.

US-Anleihen im Höhenflug

Globales Wachstum, gute Konjunktur und solide Unternehmensbilanzen – die Analysten bei J.P. Morgan skizzieren ein positives Umfeld für Unternehmensanleihen im Hochzins- und Investment-Grade-Bereich. Die jüngsten Gewinnveröffentlichungen in den USA stimmen optimistisch, dass ein Ende der Umsatzrezession der letzten Jahre erreicht sei, so die Experten. Im Hochzinsbereich erhole sich der Schuldendeckungsgrad signifikant, während die Verschuldung nachlasse.
Das war nicht immer so: Der Markt für festverzinsliche Unternehmenspapiere wuchs in den USA nach der Finanzkrise in einem rasanten Tempo. Mit dem geliehenen Geld finanzierten die Vorstände Rückkaufprogramme oder Übernahmen, der Verschuldungsgrad stieg teilweise auf ein unheimliches Niveau. Nun hat sich die Schuldenaufnahme wieder auf ein normales Level eingependelt. Das zeigt auch die Bonität. Mit Ausfallraten von 1,5 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten liegen diese deutlich unter dem historischen Durchschnitt von 3,7 Prozent. Die Folge: Seit den Tiefstständen im Januar 2016 quittiert der Anleihenmarkt die Bonitätsverbesserungen mit Kursgewinnen – vor allem in den unteren Rating-Segmenten.

Ein ETF, der von diesem Umfeld profitiert, ist der iShares USD High Yield Corporate Bond. Knapp 89 Prozent des Vermögens legt dieser ETF in die liquidesten amerikanischen Unternehmensanleihen mit einem Status unter Investment-Grade an. Die Ausschüttungsrendite beträgt derzeit 5,61 Prozent bei einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 4,13 Jahren – eine Kombination, die das Depot beständiger gegen steigende US-Zinsen macht. Seit der Auflegung im September 2011 stieg der Wert dieses ETF um mehr als 70 Prozent, lediglich der schwächelnde Dollar belastet zurzeit die Performance.

Vor allem institutionelle Anleger aus Europa haben die Vorteile der US-Unternehmensanleihen für sich entdeckt – die Mittelzuflüsse in Corporate Bonds mit Investment-Grade-Rating befinden sich auf einem 8-Jahres-Hoch. “Die US-Anleihen-Fundamentaldaten sind überwiegend stabil und könnten von Steuersenkungen und Deregulierung profitieren”, bestätigt Joern Wasmund, Global Head of Fixed Income/Cash bei der Deutschen Asset Management, den positiven Ausblick. Vor allem Anleihen von Finanzunternehmen, US-Technologiekonzernen und von Real Estate Investment Trusts (REITs) haben es Wasmund dabei angetan.

Im UBS-ETF Barclays US Liquid Corporates 1-5 sind davon jede Menge vorhanden. 186 Komponenten umfasst der ETF derzeit mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 3,4 Jahren. BBB+-Anleihen sind mit fast 30 Prozent am häufigsten vertreten. Das bildet einen guten Kompromiss aus Bonität und Zinsniveau. Das Resultat ist eine Rendite zur Endfälligkeit des ETF-Portfolios von 2,29 Prozent.

Europäische Banken mit Potenzial

Chancen warten für Investoren aber auch in Europa. Das sogenannte Goldilock-Szenario, also moderates Wachstum bei niedrigen Zinsen, spiele auch europäischen Firmen in die Karten, so Wasmund. Anleihen europäischer Banken und Versicherer stehen bei der Deutschen Asset Management und J.P. Morgan hoch im Kurs: “Wir können weiterhin Hinweise auf sich bessernde Bilanzen erkennen, in deren Rahmen die Eigenkapitalpolster aufgestockt und die Aktiva bei den meisten Banken verbessert werden”, bilanziert das Global Fixed Income, Currency and Commodities Team von J.P. Morgan. Der Amundi-ETF BBB Europe Corp. Investment Grade und der ETFS Lombard Odier IM Europ Corporate Bond Fundamental mischen viele solcher qualitativ hochwertigen europäischen Anleihen bei und konzentrieren sich dabei auf das BBB-Segment. Der Amundi-ETF bringt es auf eine Rendite von 1,22 Prozent, der von Lombard Odier auf 0,98 – damit schlagen beide die Negativrendite von -0,229 Prozent einer fünfjährigen Bundesanleihe.

Im High-Yield-Bereich punkten der Lyxor-ETF iBoxx EUR Liquid High Yield BB und der db x-trackers iBoxx EUR High Yield Bond 1-3 gleichermaßen mit geringen Kostenquoten. Der Unterschied: Die Experten bei db x-trackers bilden einen Referenzindex ab, der ausschließlich Anleihen mit einer Laufzeit von ein bis drei Jahren umfasst. Der ETF kommt so auf eine Endfälligkeitsrendite von derzeit 1,23 Prozent, bei einer Kursentwicklung in den letzten zwölf Monaten von über 4,7 Prozent. Beim Lyxor-ETF sind auch deutlich länger laufende Anleihen im Portfolio. Dementsprechend liegt die Rendite bei 2,61 Prozent.

© 24. Oktober 2017 – AUTOR: Sinan Krieger- ETF Magazin

Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen ETF Magazin.Das ETF Magazin erscheint quartalsweise in Zusammenarbeit mit Focus Money und richtet sich an Berater, Vermögensverwalter und Portfoliomanager, ist aber sicher auch für informierte Anleger interessant.

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