Ein Fischotter als Filmstar

By   /  October 28, 2017  /  Comments Off on Ein Fischotter als Filmstar

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MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

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Zu Besuch beim Dreh von „Löwenzahn“

Ein Blick hinter die Kulissen der Kinderserie „Löwenzahn“ zeigt: Filmtiere am Set halten Schauspieler und Crew ganz schön auf Trab – und sorgen gleichzeitig für lustige Überraschungen.

Guido Hammesfahr mit Zwergotter „Harvey“ – Foto: ZDF/Antje Dittmann

Ein Gartengrundstück in Hennigsdorf bei Berlin. Vereinzelte Bäume und Blumen wachsen auf dem satten Rasen, ein Windrad dreht sich leise und in der Mitte steht ein blauer Bauwagen. Mehrere Fahrzeuge sind am Eingang geparkt, und viele Menschen laufen oder stehen geschäftig um den Bauwagen herum. „Ruhe jetzt, bitte, wir drehen“, schallt es von der einen Seite durch den Garten. „Ton läuft?“ ‒ „Läuft.“ ‒ „Und bitte!“, kommt es von der anderen Seite. Wir sind am Set der Kindersendung „Löwenzahn“. Hektisch geht es heute nicht zu, denn es sollen nur ein paar Szenen gedreht werden. Der gestrige Tag hatte allerdings für Aufregung gesorgt: Denn in der Folge geht es um Fischotter Harvey, für den Fritz Fuchs (Guido Hammesfahr) und seine Schwester Suse (Eva Manschott) die Verantwortung übernommen haben. Mitspielen sollen Harvey und Fritz in einem Werbespot, den Suse organisiert hat. Doch leider büxt Harvey aus. Soweit die Handlung der Folge. Und ein Tier am Set ist immer etwas Besonderes.

Arbeit mit Filmtieren sorgt für lustige Situationen

„Für die Schauspieler und das Team von ‚Löwenzahn‘ ist es immer wieder eine Herausforderung, mit Filmtieren zu drehen“, erklärt Producer Fabian Pöhlmann. Schließlich könne nie vorhergesagt werden, wie Hund, Katze oder Fischotter reagieren und sich am Set verhalten. Zwar seien sie von der Filmtierschule, aber gerade bei wilden Tieren komme es immer darauf an, wie sie gerade gelaunt sind. Wenn Gerüche, Geräusche oder andere Umwelteinflüsse stören, machen sie eben nicht das, was sie sollen. „Wir achten natürlich streng darauf, dass das Tier artgerecht behandelt wird, und nötigen keine Tiere, etwas zu tun. Notfalls wird dann für die Szene eine andere Lösung gefunden“, so Pöhlmann.

Eva Manschott und Guido Hammesfahr – Foto: NABU/Sebastian Hennings

Zwergotter Harvey jedenfalls habe gut mitgemacht, Futter von einem Teller gefressen und sich unter einem Boot versteckt. Lustige Situationen gebe es natürlich auch immer wieder: „Der Zwergotter vom aktuellen Dreh hat unsere Schauspielerin angekackt, und in einer anderen Folge ist uns ein Papagei entflogen“, erzählt Pöhlmann. Für den Dreh der Folge „Fischotter ‒ Alarm im Goldfischteich“ bekam ein Asiatischer Zwergotter die Hauptrolle. „Einen heimischen Otter konnten wir für den Dreh nicht nutzen, da diese Tiere überwiegend nachtaktiv sind“, so Pöhlmann. Das Konzept jeder „Löwenzahn“-Folge sieht nicht nur vor, eine Geschichte zu erzählen, es sollen auch Informationen vermittelt werden. So erfahren die Zuschauer, dass der Otter perfekt an ein Leben im Wasser angepasst ist, wie ein Otterbau aufgebaut, und welchen Gefährdungen das Tier ausgesetzt ist. Außerdem wird der Unterschied zwischen einem heimischen Fischotter und einem Asiatischen Zwergotter erklärt.

Guido Hammesfahr genießt täglichen Dreh in der Natur

„Ich lerne in jeder Folge etwas dazu“, sagt Guido Hammesfahr, der den früheren Schauspieler Peter Lustig abgelöst hat und seit 2006 die Rolle des Fritz Fuchs spielt. „Das liegt vor allem daran, dass ich die Dokumentationen einspreche und mir alle wissenschaftlichen Texte durchlese. In der Wissenschaft ändert sich ja auch viel, und so bin ich immer auf dem neuesten Stand. Das ist auf jeden Fall spannend.“ Mit den Themen Natur- und Umweltschutz beschäftigt er sich auch privat, von 2011 bis 2016 war Hammesfahr Schirmherr des NAJU-Wettbewerbs „Erlebter Frühling“. „Ich bin aber kein Aktivist, ich genieße eher die Natur und bewege mich mit meinem Segelboot über die Kraft des Windes. Da ich viel im Urlaub mit dem Boot unterwegs bin, ist meine Ökobilanz schon ziemlich gut“, erzählt er. An seinem Job bei „Löwenzahn“ gefalle ihm am meisten, dass er jeden Tag in der Natur sei. „Beim Theater spielt sich ja alles drinnen ab.“ Berührungsängste mit Tieren habe Hammesfahr nicht, allerding könne ein Dreh mit einer Vogelspinne oder einer Schlange schon mal zur Belastung werden. „Das dauert ja immer viel länger, als es dann letztlich im Fernsehen zu sehen ist.“

Am Set von „Löwenzahn“ – Foto: NABU/Sebastian Hennings

Mit den Bereichen Umwelt, Natur und Technik versucht das „Löwenzahn“-Team stets, eine große Themenvielfalt abzudecken. Zwischen sechs und acht Monaten dauert es, ein Buch für eine Folge fertigzustellen, denn die Recherche der wissenschaftlichen Themen gehört auch dazu. „Diese Aufgabe übernehmen allerdings freie Autoren“, erklärt Producer Pöhlmann. Hinterher werden die Inhalte von einem Wissenschaftsjournalisten noch sachlich geprüft. Für die Begleitdokumentationen wird entweder auf Archivmaterial zurückgegriffen oder neu gedreht.

Viel Arbeit im Hintergrund

Pro Folge arbeitet das Team eine Woche lang im Bauwagengarten, pro Tag entstehen vier bis fünf Spielminuten. „Wenn alles gut klappt, was man sich überlegt und vorbereitet hat, und man dann am Ende die Folge sieht, nach Tonbearbeitung, Schnitt, Animation, dann sind wir schon stolz“, so Pöhlmann. Denn nach dem Dreh dauert es noch mal zehn Wochen, bis eine Folge komplett fertig ist.Wie lange Hammesfahr noch „Löwenzahn“ machen will? Auf jeden Fall eine Folge mehr als Peter Lustig, also 201. Aber gern ist er auch noch länger dabei. Nicole Flöper Die Folge „Fischotter – Alarm im Goldfischteich“ läuft am 10. Dezember um 8:35 Uhr im ZDF und am 17. Dezember um 11:05 Uhr im KiKA.

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