Dr. Ole Schröder: “Der internationale Sport steckt in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise”

By   /  November 2, 2017  /  Comments Off on Dr. Ole Schröder: “Der internationale Sport steckt in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise”

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MIL OSI – Source: CDU CSU –

Headline: Dr. Ole Schröder: “Der internationale Sport steckt in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise”

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es freut mich, dass wir heute am Ende der Wahlperiode noch einmal über die wichtigsten Punkte im Bereich der Sportpolitik sprechen und damit Bilanz ziehen können.

Die Fördermittel für den Sport sind in dieser Wahlperiode um 36 Millionen Euro erhöht worden, also ein Plus von 30 Prozent, und damit so stark gestiegen wie in keiner Wahlperiode zuvor, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Ich möchte es ganz klar sagen: Wir verschließen uns selbstverständlich keinen weiteren finanziellen Forderungen des Sports. Aber natürlich muss das Ganze etatreif sein, genauso wie in allen anderen Bereichen auch. Mehr Geld per Gießkanne bringt gar nichts. Das ist ja auch der Grund, weshalb wir zusammen mit dem organisierten Sport eine einschneidende Reform der Spitzensportförderung auf den Weg gebracht haben. Darin besteht eine enorme Chance für den Sport, mehr Forderungen zu begründen. Die bestehenden Potenziale sollen optimal gefördert werden. Sportler und Trainer stehen zukünftig im Mittelpunkt der Förderung. Bisher war hauptsächlich die Zahl der gewonnenen Medaillen Maßstab für die Förderung. Entscheidend ist zukünftig der Bedarf des Sports, um die vorhandenen Potenziale optimal fördern zu können.

Es geht jetzt um die Umsetzung der Reform. Die Mitglieder der PotAS-Kommission, die für die Evaluierung zuständig sind, haben ihre Arbeit zügig aufgenommen, sie sind sehr engagiert am Werk. Gemeinsam mit den Vertretern des DOSB hat man sich jetzt die Attributenliste, also die Liste der Kriterien, genau angeschaut. Dabei geht es gerade um Kriterien wie Qualität der Trainingssteuerung, Talentsichtung, aber natürlich auch Kampf gegen Doping. Mit der Einrichtung von PotAS wird der Forderung nach Objektivität und Transparenz endlich Rechnung getragen. Das ist ein ganz entscheidender Punkt, der sich auch im Antrag der Grünen findet.

Ich komme damit zu weiteren Punkten, die in den Anträgen der Grünen aufgeführt sind. In der Tat: Der internationale Sport steckt in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise. Korruption und Doping sind die Hauptprobleme. Ich bin davon überzeugt – das hat insbesondere die beeindruckende Sitzung im Sportausschuss mit Sonder­ermittler McLaren gezeigt –, dass der Sport schwerlich in der Lage sein wird, aus dieser schweren Krise alleine herauszukommen.

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Richtig!)

Wir brauchen einen gesellschaftlichen Diskurs. Es ist meines Erachtens unbedingt erforderlich, dass der Staat die notwendigen Rahmenbedingungen setzt. Dass der Staat die Integrität des Sports schützt und dass wir in dieser Wahlperiode das Anti-Doping-Gesetz und das Gesetz zur Bekämpfung von Spielmanipulationen auf den Weg gebracht haben, war daher von großer Bedeutung.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

Das Referendum in Hamburg über Olympia sollte eigentlich ein Weckruf sein. Um wieder mehr Akzeptanz für Sportgroßveranstaltungen zu bekommen, müssen die Vergaben endlich nach klaren und vor allem transparenten Kriterien erfolgen.

(Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Stimmen Sie doch unseren Anträgen zu!)

Was bringen Kriterien, die auf Hunderten von Seiten in Bewerbungen aufgelistet werden, wenn sie am Ende gar nicht berücksichtigt werden?

Wir als Bundesregierung sind vor allen Dingen international sehr stark engagiert. Wir tun dies auch auf Ebene der G 20 oder im Rahmen der Weltsportministerkonferenz im Juli dieses Jahres. Ich bin davon überzeugt, dass Europa hier eine viel stärkere Rolle spielen muss. Wir müssen hier viel mehr mit einer Stimme sprechen. Nur so werden wir erreichen, dass sich der internationale Sport wirklich ändert.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD – Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Vor allem Transparenz schaffen und öffentlich diskutieren!)

Meine Damen und Herren, ich habe mich entschieden, nicht wieder für den Deutschen Bundestag zu kandidieren. Ich danke allen für die Zusammenarbeit. Ich denke, dass wir durch einen intensiven Diskurs im Sportausschuss, aber auch mit engagierten Vertretern von außerhalb einiges auf den Weg gebracht haben. Ich denke da insbesondere an den Austausch mit dem Doping­opfer-Hilfe-Verein und die Neuauflage des Dopingopfer-Hilfegesetzes. Das ist aus dem Parlament heraus mit entwickelt worden. Ich wünsche mir, dass Sie sich das in der neuen Wahlperiode noch einmal anschauen. Sie sollten sich überlegen, ob das Ganze nicht entfristet werden sollte. Ich glaube, wir sollten uns auch noch einmal damit befassen, ob es bei den geschädigten Hinterbliebenen nicht unter Umständen eine Regelungslücke gibt.

(Dr. André Hahn [DIE LINKE]: Und die Westopfer! – Özcan Mutlu [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Auch Westdoping!)

Es kann meines Erachtens nicht darauf ankommen, ob ein Dopingmittel vor oder während der Schwangerschaft eingenommen wurde. Es lohnt sich sicherlich, noch einmal den Blick darauf zu richten.

Als Parlamentarischer Staatssekretär im Innenministerium durfte ich mich in den letzten acht Jahren mit den Themen beschäftigen und daran mitarbeiten, was für die Zukunft unseres Landes von ganz entscheidender Bedeutung ist: Zusammenhalt der Gesellschaft, Migration und Integration, innere Sicherheit und Digitalisierung. Der Diskurs hierüber wird im Bundestag weitergehen. Neue Abgeordnete werden neue Akzente setzen und neue Erfahrungen einbringen.

Politik war für mich von Anfang an ein Mandat auf Zeit. Sich daran zu erinnern, ist am Ende die einzige Möglichkeit, offen für neue Herausforderungen zu bleiben.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU und der SPD)

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