Börse Frankfurt Magazin: “Unicorns – traumhaft schön und sündhaft teuer”

By   /  November 7, 2017  /  Comments Off on Börse Frankfurt Magazin: “Unicorns – traumhaft schön und sündhaft teuer”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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7. November 2017. FRANKFURT (Menthamedia). Schon in der Antike haben sich Philosophen mit dem Einhorn beschäftigt, das sowohl in Pferde- wie auch in Ziegengestalt mit einem geraden Horn auf der Stirnmitte auftreten kann. Im Mittelalter wurde das Einhorn besonders durch den Physiologus bekannt, eine frühchristliche Naturlehre, in der Pflanzen, Tiere und Steine beschrieben wurden. Abenteurer wie Marco Polo wollen Einhörner auf ihren Reisen gesehen haben, Alchemisten und Gelehrte wie die heilige Hildegard von Bingen lehrten von den heilenden Kräften des Horns.

Unicorn im Finanz-Slang erst seit 2013 ein Begriff

An der Börse ist der Begriff des Einhorns seit der Technologie-Studie “Welcome To The Unicorn Club: Learning From Billion-Dollar Startups” von Aileen Lee ein fester Begriff. Die Gründerin des Venture-Capital-Unternehmens Cowboy Ventures schrieb Ende 2013 im Rahmen eines Artikels im amerikanischen Technologie-Blog Tech Crunch über die Faszination von jungen, wachstumsstarken Unternehmen, die in vorbörslichen Finanzierungsrunden bereits eine Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar erreicht haben.

Wie das Fabeltier, so sind auch die Einhörner unter den vielen Jungunternehmen sehr selten. Pro Jahr wird im Schnitt nur eine Handvoll geboren. Sie begeistern die Investoren durch außergewöhnlich hohe Wachstumsraten bei Marktanteil und Umsatz, schreiben jedoch meist noch rote Zahlen. Noch deutlich seltener sind sogenannte Super-Unicorns, die mit einem völlig innovativen, oftmals gesellschaftsverändernden Geschäftsmodell ein derart spektakuläres Wachstumsprofil aufweisen, dass ihnen Investoren eine Unternehmensbewertung jenseits von 100 Milliarden US-Dollar zubilligen. Bis zu drei solcher Super-Einhörner waren innerhalb eines Jahrzehnts zu beobachten. Zu den Ersten zählen die US-amerikanischen Internetriesen Amazon, Google oder Facebook, deren Unternehmenswert sich im Anschluss an den jeweiligen Börsengang nochmals vervielfachen konnte.

Uber auf den Spuren von Google, Facebook & Co.

Die größten Chancen, die Erfolgsgeschichte des US-Trios zu wiederholen, werden derzeit dem US-Start-up Uber eingeräumt. 2009 wurde das Unternehmen zunächst als Limousinenservice in San Francisco gegründet. Seitdem hat sich Uber, das zuletzt insbesondere durch Skandale und negative Schlagzeilen auffiel, zu einer riesigen Online-Plattform weiterentwickelt. Fahrgäste können in zahlreichen internationalen Städten Mietwagen inkl. Fahrer, private Fahrer mit eigenem Auto oder traditionelle Taxi-Dienste buchen. Für jede per App oder über die Website vermittelte Fahrt kassiert Uber bis zu 20 Prozent des vereinbarten Fahrpreises als Provision.
Vier Jahre nach der Gründung wies das Unternehmen bereits einen Umsatz von mehr als 200 Millionen US-Dollar aus, im vergangenen Jahr erreichten die Erlöse bereits 6,5 Milliarden US-Dollar. Vielleicht noch wichtiger als die blanken Zahlen: “to uber” hat wie vor einigen Jahren “to oogle” als neues Verb Einzug in die englische Sprache gehalten.

Trotz eines Nettoverlusts in Höhe von 2,8 Milliarden US-Dollar in 2016 wird der Unternehmenswert von Uber derzeit auf rund 68 Milliarden US-Dollar geschätzt. Keines der anderen Einhörner, die auf Namen wie Airbnb, Dropbox oder Spotify hören, bringt derzeit mehr auf die Waage. Die Plattform für die private Vermietung von Unterkünften, Airbnb, liegt mit einer Bewertung von gut 29 Milliarden US-Dollar hinter zwei chinesischen Firmen auf Rang vier. Zweistellige Bewertungen haben auch bekannte Namen wie Pinterest oder das Raumfahrtunternehmen SpaceX des Tesla-Gründers Elon Musk. Dem US-amerikanischen Researchanbieter CB Insights zufolge ist die Zahl der Einhörner unter den Technologie-Start-up-Gesellschaften zuletzt auf 211 gestiegen. Der kumulierte Unternehmenswert liegt bei rund 734 Milliarden US-Dollar und entspricht damit in etwa der Hälfte der Marktkapitalisierung der 30 DAX-Unternehmen zusammen.

China, das neue Reich der Einhörner

Die Top Ten der wertvollsten Unicorns der Welt werden momentan von US-amerikanischen und chinesischen Start-ups dominiert. Waren die Amerikaner schon in den vergangenen Jahrzehnten besonders afffin für Risikokapital, hat sich Asien in diesem Ranking nunmehr die Pole Position gesichert. Mit Venture-Capital-Investments, wie Investitionen in Start-ups bezeichnet werden, in Höhe von 19,3 Milliarden US-Dollar lag Asien im zweiten Quartal 2017 erstmals vor den USA mit 18,8 Milliarden US-Dollar.
Gerade in China war das Umfeld für Start-ups noch nie so gut wie heute. Allein 5,5 Milliarden US-Dollar wurden von Risikoanlegern im zweiten Quartal in den Taxi-Vermittler Didi Chuxing investiert, der das chinesische Uber-Geschäft im vergangenen Jahr übernommen hatte und heute mit rund 50 Milliarden US-Dollar bewertet wird. Es war die größte Summe, die jemals im Rahmen einer einzigen Finanzierungsrunde von einem Jungunternehmen eingesammelt wurde. Während sich die Profis in den verschiedenen Entwicklungsstufen mit Risikokapital beteiligen können, kommen Privatanleger meist erst nach einem erfolgten Börsengang ins Spiel. Auf Venture Capital spezialisierte Fonds haben sehr hohe Mindesteinlagen, die nicht selten im sechsstelligen Bereich liegen.

Damit gestaltet sich ein Investment für den Privatanleger deutlich schwieriger als in deutsche Start-ups, die ein Listing an der Frankfurter Börse anstreben.
November 2017 © MenthamediaDas Börse Frankfurt Magazin ist ein vierteljährlich erscheinendes Journal für Anleger. Es bietet Ihnen relevante Informationen und Hintergrundberichte zu Investments über die Börse, seien es Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds oder Zertifikate. Sie können es sich auf boerse-frankfurt.de kostenlos herunter laden.

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