Marktstimmung: “Jahresschlussrallye nur ein Wintermärchen?”

By   /  November 16, 2017  /  Comments Off on Marktstimmung: “Jahresschlussrallye nur ein Wintermärchen?”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Marktstimmung: “Jahresschlussrallye nur ein Wintermärchen?”

Zusammenfassung

Nicht nur Aktienkäufe, auch Gewinnmitnahmen auf der Short-Seite haben die Sentiment-Indikatoren nach oben getrieben. Von den Profis sind 16 Prozent eingestiegen und 19 Prozent haben glattgestellt. Der Index steht mit +35 Punkten auf Jahreshoch nach 0 Punkten in der Vorwoche. Von den privaten Anlegern sind 10 Prozent auf die Bullenseite gewechselt und 3 Prozent aus dem Bärenlager heraus. Der Sentiment-Index dieser Anlegergruppe steht bei +30 Punkten weit im Optimismus. Der DAX hat im betrachteten Zeitraum 130 Punkte verloren.
Jaochim Goldberg betont, dass die Korrektur für viele längst überfällig gewesen war und sich diese sogar entsprechend positioniert hätten. Gewinnmitnahmen und Rückkäufe also. Bemerkenswert findet der Verhaltenskönonom, dass die Abwärtsbewegung hierzulande deutlich stärker ausgefallen sei als in den USA. Er vermutet Abflüsse ausländischer Investoren hinter den hiesigen Verlusten. Unterm Strich kein gutes Vorzeichen. Erholungen würden durch spätere Abgaben der heutigen Käufer begrenzt. Und bei weiteren Verkäufen aus dem Ausland fehle das einheimische Nachfragepotential, diese aufzufangen. Goldberg befürchtet, dass der Schlusssprint zum Jahresende ausfällt.

15. November 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Es ist nicht einmal zwei Wochen her, da sprach man vielerorts hinsichtlich der Börsenentwicklung von einer vorgezogenen Jahresendrallye der Aktienmärkte. Betrachtet man überdies die Entwicklung der jüngsten ökonomischen Daten, etwa die noch einmal besser als erwartet ausgefallenen Wachstumszahlen in Deutschland für das dritte Quartal, wäre zumindest ein fundamentaler Grund gegeben, tatsächlich optimistisch zu sein. Doch war für viele Akteure eine ordentliche Abwärtskorrektur längst überfällig, und viele Anleger hatten sich sogar entsprechend positioniert. Dass sich daraus allerdings zum Zeitpunkt der heutigen Stimmungserhebung (gerechnet vom Allzeithoch am 7. November ein Verlust von über 4 Prozent entwickeln würde, während etwa der breitgestreute US-Aktienindex S&P 500 bis gestern nicht einmal 1 Prozent an Wert eingebüßt hatte, ist indes vielerorts nicht ganz einfach nachzuvollziehen.
Immerhin hatten viele der von uns allwöchentlich befragten mittelfristig orientierten institutionellen Anleger eine Korrektur des Aktienindex am vergangenen Mittwoch vorweggenommen, weswegen der Börse Frankfurt Sentiment-Index seinerzeit auf +/-0 gefallen war. Dies hat sich nun mit der heutigen Erhebung grundlegend geändert, denn der Börse Frankfurt Sentiment Index ist wie Phönix aus der Asche auf einen Stand von +35 Punkte hochgeschnellt und liegt damit auf dem höchsten Stand des Jahres – zuletzt hatten wir einen höheren Indexstand am 7. Dezember 2016 notiert. Müßig zu sagen, dass viele institutionelle Investoren den Kursrückgang des DAX in großem Stil zu Rückkäufen genutzt haben, denn endlich dürfte sich für viele Akteure ein nennenswertes, “relativ” günstiges Einstiegsniveau in diesem Jahr geboten haben. Fast ein Fünftel aller Befragten hat nämlich das Bärenlager verlassen und über 80 Prozent dieser Gruppe hat sich direkt auf die Bullenseite begeben.
Fragwürdiges Schnäppchen
Die Privatanleger, die sich während der vergangenen Wochen vielfach etwas optimistischer als ihre institutionellen Pendants gezeigt hatten, haben sich ganz ähnlich verhalten, sind aber doch deutlich zurückhaltender geblieben. Der Börse Frankfurt Sentiment-Index dieses Panels hat sich nämlich nur um 13 Punkte auf einen Stand von +30 Punkte erhöht und liegt damit noch unter dem bisherigen Jahreshoch von vor 14 Tagen (+36).
Letztlich haben sich die von uns befragten Börsianer also im Großen und Ganzen so verhalten, wie wir es zuletzt erwartet hatten, und dürften wahrscheinlich kurz unter der 13.000er Marke in einer Art Schnäppchenkauf als Nachfrager aufgetreten sein. Allerdings hat sich das Börsenbarometer trotz dieser Engagements seither nicht nennenswert befestigt. Auch scheint auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet der DAX (auch der Euro Stoxx 50!) im Gegensatz zu den US-Märkten so stark Federn lassen musste.
Eine Antwort darauf könnte die gestern veröffentlichte BofA Merrill Lynch-Umfrage unter internationalen Fondsmanagern geben. So hatte diese Erhebung, die im Zeitraum zwischen dem 3. und 9. November durchgeführt wurde, ergeben, dass die Fondsverantwortlichen ihre Übergewichtung an Aktien der Eurozone gegenüber dem Vormonat von netto 56 Prozent auf einen Saldo von nur noch 49 Prozent verringert haben.
Mit anderen Worten: Per Saldo stehen den heimischen Aktienkäufern internationale Kapitalabflüsse gegenüber – eine Kombination, die uns zu denken gibt. Damit ist das Risiko, dass, was jetzt noch als Schnäppchen erscheint, sich später als zu teuer herausstellen könnte, relativ hoch. Zumindest werden Erholungen des Börsenbarometers durch spätere Abgaben der heutigen Käufer begrenzt, sobald diese wieder ihre Einstandspreise nach der Verlustphase sehen. Sollte der DAX durch Kapitalabflüsse weiter unter Druck geraten, stünde zumindest seit der heutigen Ergebung nicht genügend Nachfrage zur Verfügung, um diese aufzufangen. So scheint die Gefahr nicht unerheblich, dass die von vielen beschworene Jahresschlussrallye zumindest in diesem Jahr ausbleiben könnte.

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von InvestorenDie Stimmen der professionellen Teilnehmer wurden bislang von privaten Anlegern ergänzt, die unter den aktivsten Tradern verschiedener Online-Broker rekrutiert wurden. Diesen Teil des Sentiment-Index stellt die Börse Frankfurt nun auf breitere Füße.Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort per E-Mail zugesandt. Möchten Sie teilnehmen? Dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an sentiment@deutsche-boerse.com.

Börse Frankfurt Sentiment-Index
Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutralTotal57%22%21%ggü. letzter Erhebung+16%-19%+3%DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.950 (-430 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +35 Punkte (Stand Vorwoche: +-0 Punkte)

DAX-Entwicklung im betrachteten Zeitraum
Private Anleger

BullishBearishNeutralTotal56%26%18%ggü. letzter Erhebung+10%-3%-7% DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 12.950 (-430 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +30 Punkte (Stand Vorwoche: +17 Punkte)

15. November 2017, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de
[embedded content]Über den Börse Frankfurt Sentiment-IndexDer Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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