Auslandsaktien: Gesundgeschrumpfte Ölkonzerne

By   /  November 17, 2017  /  Comments Off on Auslandsaktien: Gesundgeschrumpfte Ölkonzerne

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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16. November 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Schon seit Sommer hat sich Öl schrittweise verteuert, Anfang vergangener Woche kletterte der Brent-Preis auf den höchsten Stand seit Juni 2015. Davon profitieren auch die Aktien der Ölkonzerne: Der Stoxx Europe 600 Oil & Gas, der die großen europäischen Konzerne wie Royal Dutch Shell, Total, BP und OMV sowie deren Zulieferer abbildet, stieg von 284 Punkten Ende August auf in der Spitze 325 Punkte Anfang vergangener Woche, mit der Abkühlung an den Börsen sind es jetzt 307 Punkte.
Produktionskürzungen als Auslöser

Grund für den Ölpreisanstieg: Die Opec hält sich – anders als erwartet – an die Ende 2016 beschlossenen Förderkürzungen, zudem sieht es derzeit danach aus, dass die Produktionskappungen über den März 2018 hinaus verlängert werden. Den jüngsten Schub löste die Inhaftierung mehrerer hochrangiger Regierungsvertreter und Mitglieder der saudischen Königsfamilie aus, wie Carsten Fritsch von der Commerzbank erläutert: “Dies dürfte vor allem dem Zweck dienen, die Machtposition des aktuellen Kronprinzen Mohammed bin Salman zu festigen.”
Dieser gelte innenpolitisch zwar als Reformer, außenpolitisch insbesondere wegen seiner harten Haltung gegenüber dem Iran aber als unberechenbar. “Ein eskalierender Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran hätte kaum absehbare Auswirkungen auf den Ölmarkt, denn beide Länder stehen zusammen für 40 Prozent der Opec-Produktion und 14 Prozent des weltweiten Ölangebotes.”
Bilanzen stimmen wieder

Die Ölkonzerne mussten in den vergangenen Jahren wegen des niedrigen Ölpreises die Kosten deutlich zurückfahren und befinden sich heute in einer viel gesünderen Verfassung: Schon im ersten Halbjahr 2017 lieferten sie sehr gute Zahlen, im dritten Quartal setzte sich der positive Trend fort. Selbst die Gewinne der US-Ölkonzerne ExxonMobil (WKN 852549) und Chevron (WKN 852552) im dritten Quartal stiegen – trotz Belastungen durch den schweren Wirbelsturm Harvey – deutlich an. Erwartet wird, dass die Ölkonzerne für das Gesamtjahr die besten Ergebnisse seit vielen Jahren einfahren werden.
Royal Dutch: Sparprogramm zahlt sich aus Auch der Gewinn des britisch-niederländischen Öl- und Gaskonzerns Royal Dutch Shell erhöhte sich im dritten Quartal kräftig, vor Sonderfaktoren stieg er um 47 Prozent auf 4,1 Milliarden US-Dollar – mehr, als Analysten erwartet hatten. Gewinnbringer war das Downstream-Geschäft. “Royal Dutch Shell hat die Kosten massiv reduziert. Selbst bei einem Ölpreis von 40 US-Dollar würde der Konzern jetzt noch Gewinne machen”, berichtet Walter Vorhauser von Oddo Seydler. Die Aktie (WKN A0D94M) verteuerte sich von 23 Euro Ende August auf zwischenzeitlich über 28 Euro, aktuell sind es 26,57 Euro. Vorhauser BP: Sogar Aktienrückkäufe möglich

Ähnlich sieht es beim britischen Ölkonzern BP aus: Von 4,78 auf 5,94 Euro erhöhte sich der Kurs (WKN 850517), am Donnerstagmorgen sind es 5,57 Euro. Auch BP blickt auf ein sehr erfolgreiches drittes Quartal zurück und übertraf die Prognosen deutlich, wie Roland Stadler von der Baader Bank berichtet: Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf fast 1,9 Milliarden US-Dollar, der Umsatz legte um etwas mehr als ein Viertel auf knapp 61 Milliarden US-Dollar zu. Außerdem kündigte BP ein Aktienrückkaufprogramm an, was als Zeichen der Gesundung gewertet wurde.
CNOOC, OMV und Neste Oil mit Kursgewinnen Die Aktie des chinesischen Ölkonzerns CNOOC (WKN A0B846) verteuerte sich in den vergangenen drei Monaten von 0,92 auf 1,22 Euro, aktuell sind es wieder 1,14 Euro. “CNOOC meldete ein Gewinnplus von 16,9 Prozent im dritten Quartal”, berichtet Vorhauser. Einen noch größeren Sprung nach oben machte die Aktie des österreichischen Öl- und Gaskonzerns OMV. Die ist seit Jahresanfang um 53 Prozent gestiegen, seit Sommer 2016 hat sich der Kurs verdoppelt, aktuell wird OMV (WKN 874341) zu 51,59 Euro gehandelt. “OMV ist aber lange sehr viel schlechter gelaufen als die anderen Ölkonzerne und wurde dann wiederentdeckt”, bemerkt Stadler. Stadler 

Sehr stark profitiert von der jüngsten Ölpreisentwicklung hat auch Neste Oil (WKN A0D9U6). Der finnische Ölkonzern und Biokraftstoffanbieter lieferte ebenfalls sehr gute Zahlen für das dritte Quartal und rechnet mit einem “sehr erfolgreichen” Jahr 2017. Der operative Gewinn lag in den ersten drei Quartalen dieses Jahres bei 790 Millionen Euro nach 721 Millionen von Januar bis September 2016. Die Aktie kostete im August noch 34 Euro, jetzt sind es 48,90 Euro.
Öl zu teuer oder zu billig?

Die weitere Entwicklung der Ölaktien hängt zum großen Teil vom Ölpreis ab. Nach Ansicht der Commerzbank ist der Preis allerdings mittlerweile mindestens 10 US-Dollar zu hoch. “Schließlich dürften die Lagerbestände nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur im vierten Quartal 2017 lediglich geringfügig fallen, im ersten Quartal 2018 könnten sie sogar wieder steigen”, erläutert Fritsch. Bei einer auf dem aktuellen Niveau stagnierenden Opec-Produktion wäre der globale Ölmarkt bis Ende 2018 in etwa ausgeglichen. “Hierzu trägt bei, dass die US-Schieferölproduktion wegen der höheren Preise wieder steigen wird.”
“Die höheren Ölpreise kommen insbesondere den Schieferölproduzenten in den USA zugute”, heißt es auch in den aktuellen volkswirtschaftlichen Prognosen der DekaBank. “Es wird erwartet, dass die US-Ölförderung 2018 den Rekord aus dem Jahr 1970 von 9,6 Millionen Barrel im Jahresdurchschnitt brechen wird.” Daher sei mittelfristig wieder mit einem Ölpreis um 55 US-Dollar zu rechnen.
Viele Optimisten

Vorhauser hält hingegen in den kommenden Monaten einen Ölpreis von 70 US-Dollar für möglich. “Die Aktien der Ölkonzerne werden weiter laufen”, meint der Händler. “Die Korrektur ist nur ein kleines Intermezzo.” Von Aktienanalysten kommen derzeit fast nur Kaufempfehlungen für Ölaktien: So rieten bei BP im November Credit Suisse, Morgan Stanley, HSBC, JP Morgan, Deutsche Bank und UBS zum Einstieg, lediglich Goldman Sachs und die Citigroup stufen die Aktie auf “Hold”, Verkaufsempfehlungen gibt es keine. Bezüglich Royal Dutch Shell sind sogar alle optimistisch: Credit Suisse, JP Morgan, Morgan Stanley, HSBC und die UBS empfahlen im November den Einstieg.

von: Anna-Maria Borse
16. November 2017, © Deutsche Börse AG

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