Was steht im Sportentwicklungsbericht 2015/2016? (Teil 3)

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MIL OSI – Source: DOSB –

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Was steht im Sportentwicklungsbericht 2015/2016? (Teil 3)
22.11.2017
Im Sommer ist der sechste Sportentwicklungsbericht erschienen. In einer mehrteiligen Serie werden wichtige Ergebnisse dieser bundesweiten Erhebung vorgestellt.

Die Integration von Mädchen und Frauen hat bei vielen Vereinen höchste Priorität. Foto: LSB NRW

Der Sportentwicklungsbericht widmet sich auf rund 100 Seiten erstmals in dieser Form mit einem eigenen Kapitel den „Integrationsleistungen der Sportvereine in Deutschland“ (Überschrift von Kap. 3). Dieser Fragestellung wird unter drei miteinander verbundenen Aspekten nachgegangen: Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die den Sportentwicklungsbericht konzipiert und jetzt in gedruckter Form vorgelegt haben, interessierten sich für die Einstellungen der Vereine gegenüber den (zu integrierenden) Bevölkerungsgruppen (1), sie wollten wissen, welche besonderen Maßnahmen die Sportvereine ergriffen haben, um bestimmte Bevölkerungskreise im Verein zu stärken (2), und sie wollten die Mitgliederanteile dieser Bevölkerungsgruppen in den Sportvereinen messen (3).
Als ein erstes hervorstechendes Ergebnis kann aufgeführt werden: Die höchste Priorität hat die gleichberechtigte Partizipation beider Geschlechter im Sport. Insgesamt vier Fünftel aller Sportvereine in Deutschland (das sind in Zahlen rund 72.700 bzw. genau 80,6 Prozent) siedeln dieses Ziel ganz oben an. Betrachtet man dazu die vorgelegte Tabelle 1 (auf Seite 101 in Band I) als eine Art von Ranking, dann folgt auf Platz zwei die Integration älterer Personen in den (aktiven) Sport, gefolgt von Sportangeboten für einkommensschwache Personen, sodann von Menschen mit Migrationshintergrund und eine starkes Engagement in der Jugendarbeit auf Rang fünf.
Was die Zielgruppen von Maßnahmen angeht, die Sportvereine eingerichtet haben, zeigt sich ein deutlicher Schwerpunkt im Kinder- und Jugendbereich: 71 Prozent aller Sportvereine (also demnach rund 64.100) haben solche Angebote im Programm, gefolgt von solchen speziell für Personen mit schwachem Einkommen (40,7 Prozent), für ältere Personen in der Altersspanne 65 aufwärts (35,5 Prozent) und Mädchen/Frauen (28,3 Prozent), Menschen mit Behinderungen (17,7 Prozent) und Menschen mit Migrationshintergrund (17,5 Prozent). Diese Menschengruppen werden dann in jeweils gesonderten Abschnitten noch einmal differenziert betrachtet hinsichtlich verschiedener Aspekte (z.B. im Zusammenhang der Mitgliedergröße der Sportvereine). Dazu exemplarisch etwas zu den Ergebnissen bezüglich der Integrationsleistungen von Mädchen und Frauen:
Die Einstellung der befragten Vereinsverantwortlichen korreliert positiv mit der Größe des Sportvereins – das soll heißen: Je größer ein Sportverein, umso größer ist das Bedürfnis Mädchen und Frauen zu integrieren bzw. sie im Sportverein zu fördern. Rund ein Drittel aller Sportvereine möchte dieser Aufgabe speziell mit der Einrichtung von besonderen Maßnahmen und Initiativen nachkommen, auch wieder mit der Tendenz, dass größere Vereine diese Aufgabe noch mehr im Fokus haben als kleinere. Das gleiche gilt für Mehrspartenvereine. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Gemeinde- bzw. Stadtgröße: In kleineren kommunalen Räumen passiert offensichtlich mehr (31,1 Prozent) als in Großstädten mit über 500.000 Einwohnern (24,5 Pro-zent).
Welche sportartenbezogenen Angebote die Vereine tatsächlich für Mädchen und Frauen offerieren, wurde (leider) nicht untersucht. Aber es gibt ein anderes Ergebnis, bei dem die Relevanz der Sportarten eine Rolle spielt – denn: Sportvereine mit Sportarten wie Badminton, Leichtathletik, Reitsport, Rudern, Schwimmen, Segeln, Skisport, Tauchen oder Tischtennis setzen demnach mehr auf solche adressatenspezifischen Maßnahmen als Vereine mit männlich dominierten Sportarten wie Fußball, Boxen und Schießsport. Förderung von Mädchen und Frauen im Sportverein geht aber auch noch ganz anders: Reduzierung von Mitgliedsbeiträgen für diese Gruppe, Kooperationen mit anderen Sportorganisationen (z.B. Fachverbänden) sowie Zusammenarbeit mit der Kommune (Ämter der Städte etc.) gehören dazu, wenn auch mit jeweils geringer Aus-prägung, was die Anzahl der Sportvereine angeht, die darauf zurückgreifen. Die Auswertung der anderen untersuchten Personengruppen erfolgt in etwa nach dem gleichen Schema (vergleiche Seite 121 bis 192 im Band I).
Literatur und Hinweise zum Sportentwicklungsbericht 2015/2016:
Breuer, C. (Hrsg.): Sportentwicklungsbericht 2015/2016. Band I: Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland. Hellenthal 2017: Sportverlag Strauß.
Breuer, C. (Hrsg.): Sportentwicklungsbericht 2015/2016. Band II: Weiterführende Strukturanalysen. Hellenthal 2017: Sportverlag Strauß.
Weitere Informationen zum Thema Sportentwicklungsbericht mit Downloadmöglichkeiten sind auf der Homepage des DOSB unter www.dosb.de/seb  abrufbar.
Für weitere Auskünfte steht Christian Siegel (siegel(at)dosb.de) im DOSB zur Verfügung.
(Quelle: DOSB/Prof. Detlef Kuhlmann)

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