Marktstimmung: “Eine Erholung ist nicht genug”

By   /  November 23, 2017  /  Comments Off on Marktstimmung: “Eine Erholung ist nicht genug”

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

Headline: Marktstimmung: “Eine Erholung ist nicht genug”

Zusammenfassung

Hiesige Anleger glauben unverändert an einen versöhnlichen Jahresausklang. Auch wenn 3 Prozent der professionellen Investoren Aktien verkauft haben und 3 Prozent short gegangen sind – mit +29 Punkten steht das Sentiment-Index dieser Anlegergruppe deutlich im optimistischen Bereich. Das Sentiment der privaten Anleger liegt mit +40 Punkten sogar auf Jahreshoch. Denn von dieser Gruppe haben 5 Prozent Aktien gekauft und 5 Prozent ihre Short-Engagements aufgegeben. Der DAX selbst liegt 200 Punkte über dem Niveau der Vorwoche.
Joachim Goldberg findet es bemerkenswert, dass sich hiesige mittelfristig orientierte Anleger von politischer Unbill wie geplatzte Koalitionsverhandlungen, Brexit und andere Reibungen in der EU nicht beirren lassen. Die wenigen Wechsler hätten vermutlich 1,5 Prozent Wochenplus zu Gewinnmitnahmen genutzt. Den Privatanlegern scheine das dagegen noch nicht genug Profit gewesen zu sein.
Die wenigen Reaktionen auf die Kurszulage zeigen dem Verhaltensökonom, dass die Einstiegspreise vieler Bullen über dem heutigen Niveau liegen. Das bedeute Behinderung bei ca. 13.300 Punkten durch die Reißleinen enttäuschter Bullen und nur noch wenig Unterstützung an der Unterseite. Goldberg gibt keine Entwarnung für den DAX.22. November 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Politische Börsen hätten kurze Beine, lautet eine bekannte Börsen-Binsenweisheit. Und dieser Spruch hat sich zum Wochenanfang wieder einmal bewahrheitet, als die Sondierungsgespräche für eine Jamaica-Koalition geplatzt waren. Seither nehmen die Diskussionen um die politische Situation in Deutschland kein Ende. Denn die Optionen, wie es hierzulande in Sachen Regierungsbildung weitergehen soll, sind zwar übersichtlich, aber durchaus mit Unsicherheit und Risiken verbunden.
Doch scheint das die Börsianer nur mäßig zu interessieren. Ob es nun eine Wiederauflage der Großen Koalition, eine Minderheitsregierung oder gar Neuwahlen gibt – die wirtschaftliche Situation sei in Deutschland robust genug, um die kommenden Tage und Wochen der Ungewissheit ohne Schaden zu überstehen, heißt es unisono. Eine Sichtweise, die man außerhalb Kontinentaleuropas nicht unbedingt teilt. So machen sich etwa US-amerikanische und britische Kommentatoren Sorgen um die Stabilität der Eurozone, falls und wie es in Deutschland ohne Angela Merkel weitergehen soll, ganz zu schweigen von Katalonien und den so genannten “Scheidungsverhandlungen” zum Brexit, bei denen, so war zu lesen, die britische Premierministerin Theresa May nun relativ gestärkt und sogar selbstbewusster auftreten könne.
All diese Bedenken scheinen die mittelfristig orientierten institutionellen Investoren, die wir allwöchentlich befragen, nicht zu teilen. Zwar ist der Optimismus dieses Panels im Vergleich zur Vorwoche, gemessen am Börse Frankfurt Sentiment-Index, um 6 Punkte auf einen Stand von +29 Punkte gefallen, aber wahrscheinlich nicht wegen politischer Bedenken. Vielmehr dürften Gewinnmitnahmen – der DAX ist im Wochenvergleich immerhin um 1,5 Prozent gestiegen – dafür gesorgt haben, dass sich ein kleiner Teil der Optimisten, nämlich 3 Prozent aller Befragten, direkt auf die andere Seite zu den Bären geschlagen hat.
Privatanleger überzeugter denn je
Den Privatanlegern ist die bisherige DAX-Erholung offensichtlich nicht genug. In diesem Panel sind nämlich so gut wie keine Gewinnmitnahmen zu beobachten. Stattdessen hat man offensichtlich die zwischenzeitlich schwächeren DAX-Stände unter 13.000 Zählern für weitere bullishe Engagements genutzt und bearishe Absicherungen sogar aufgelöst. Dies zeigt sich an einem um 10 Punkte auf nunmehr einen Stand von +40 Punkte gestiegenen Börse Frankfurt Sentiment-Index. Immerhin handelt es sich dabei um den höchsten Stand seit gut einem Jahr.
Die heutige Erhebung zeigt, zum einen absolut, aber auch relativ im Sechsmonats- und Einjahresvergleich einen recht hohen Optimismus. Zum anderen vermitteln die vergleichsweise geringfügigen Gewinnmitnahmen aus diesen Positionen – man hätte durchaus mehr erwarten können -, dass die Einstandspreise dieser Engagements noch nicht erreicht sind. Denn gerade nach dem Rücksetzer des Börsenbarometers am vergangenen Mittwoch auf rund 12.850 Zähler wäre der eine oder andere bullishe Akteur durchaus froh gewesen, diese unliebsame Episode schnellstmöglich zu vergessen und sich dieser mittlerweile schal gewordenen Engagements sobald wie möglich, aber dennoch ohne Verluste, zu entledigen.
Damit wird deutlich, dass weitere Kurssteigerungen beim DAX zwar möglich, aber durch drohende Abgaben aus vorgenannten bullishen Engagements (vermutlich spätestens bei ca. 13.300 Zählern) behindert werden. Um die Optimisten jedoch tatsächlich zum Aufgeben zu bewegen, müsste an der Unterseite erheblich mehr passieren, als wir bislang an Kursrückgängen gesehen haben. Letztlich mag dies dem DAX ein wenig helfen, aber die belastenden Faktoren sind am Ende durch den immer noch hohen Optimismus nicht viel weniger geworden, so dass für den DAX keine Entwarnung gegeben werden kann.

Ihre Meinung zählt: Markterwartungen von InvestorenDie Stimmen der professionellen Teilnehmer wurden bislang von privaten Anlegern ergänzt, die unter den aktivsten Tradern verschiedener Online-Broker rekrutiert wurden. Diesen Teil des Sentiment-Index stellt die Börse Frankfurt nun auf breitere Füße.Alle interessierten Anleger sind aufgerufen mitzumachen. Es dauert nur 15 Sekunden. Sie bekommen jeden Dienstag eine E-Mail mit einem Umfrage-Link. Ein Klick und fertig. Dafür erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse sofort per E-Mail zugesandt. Möchten Sie teilnehmen? Dann schreiben Sie einfach eine E-Mail an sentiment@deutsche-boerse.com.

Institutionelle Anleger

BullishBearishNeutralTotal54%25%21%ggü. letzter Erhebung-3%+3%unv.DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.150 (+200 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Institutionelle Anleger: +29 Punkte (Stand Vorwoche: +35 Punkte)
Private Anleger

BullishBearishNeutralTotal61%21%18%ggü. letzter Erhebung+5%-5%unv. DAX (Veränderung zu vergangener Woche): 13.150 (+200 Punkte) Börse Frankfurt Sentiment-Index Private Anleger: +40 Punkte (Stand Vorwoche: +30 Punkte)

22. November 2017, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de
[embedded content]Über den Börse Frankfurt Sentiment-IndexDer Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.
Über den Börse Frankfurt Sentiment-IndexDer Börse Frankfurt Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positiven in negative Werte markiert die neutrale Linie. Die Werte des früheren Cognitrend Bull/Bear-Index sind auf die neue Skalierung umgerechnet worden.

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