Mülltrennung und Abfallvermeidung fürs Gewerbe

By   /  November 28, 2017  /  Comments Off on Mülltrennung und Abfallvermeidung fürs Gewerbe

    Print       Email

MIL OSI – Source: NABU – Naturschutzbund Deutschland –

Headline: Mülltrennung und Abfallvermeidung fürs Gewerbe

Mehr haushaltsähnlicher Gewerbeabfall muss ins Recycling

Nach langer Wartezeit trat die neue Gewerbeabfallverordnung im August 2017 in Kraft. Bei den Vorgaben an Gewerbetreibende blieben ökologische Ziele wie Abfallvermeidung und die Vorbereitung zur Wiederverwendung weitgehend unbeachtet.

Gewerbeabfalltonne – Foto: NABU/Benjamin Bongardt

Eine ökologische Zielsetzung stand bei der Überarbeitung der alten Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) von 2002 erkennbar nicht im Vordergrund. Vielfach kann man die Kritik an der alten Verordnung auch auf die überarbeitete Fassung übertragen: Sie lässt minderwertige Verwertung, also Verbrennung und Verfüllung, zu, weil sie die vollziehenden Bundesländer vor intransparente Angaben und eine Vielzahl von Anfallstellen stellt. So gibt es für Betriebe noch immer zahlreiche Ausnahmetatbestände, um nicht getrennt sammeln zu müssen, obwohl das die Voraussetzung für jegliche hochwertige stoffliche Verwertung ist. Weil bisher nur circa 43 Prozent der 6,4 Millionen Tonnen Siedlungsabfall (Stand 2015) überhaupt mechanischen Vorbehandlungsanlagen zugeleitet wurden und oft auf „einfachste Weise“ sortiert wurden, beträgt die derzeitige Quote aussortierter Wertstoffe lediglich 16,5 Prozent. Untersuchungen zeigen, dass ein zusätzliches Recyclingpotenzial von 2,4 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr besteht. (Quelle: Umweltbundesamt). Da gibt es also sehr viel Luft nach oben.Es bleibt abzuwarten, wie die neuen Vorgaben für Unternehmer die in der EU seit 2008 geltende fünfstufige Abfallhierarchie für diesen Abfallstrom umsetzen sollen.Damit mehr Rohstoffe in den Gewerbeabfällen vor der Verbrennung verschont bleiben, forderte der NABU, dass Trennpflichten, Vorbehandlungsgebote und und Recyclingvorgaben in der neuen Verordnung eine wesentlich wichtigere Rolle spielen.. Denn es ist nicht nachvollziehbar, warum Privathaushalten die Getrenntsammlung sowie die nachfolgende Sortierung der Abfälle vorgeschrieben wird und die Gewerbebetriebe und Baustellen der Republik nahezu ohne Vorgaben Abfallstoffe gemischt erfassen dürfen und sie damit in der Regel der stofflichen Wiederverwertung entziehen.

Abfallhierarchie – Quelle: NABU/Benjamin Bongardt

Betrachtet man die Abfallhierarchie und vergleicht diese mit den Vorgaben der neuen GewAbfV, wird man enttäuscht: Ökologische Aspekte wie Abfallvermeidung und die Vorbereitung zur Wiederverwendung wurden auch in der neuen Fassung nicht konkretisiert. Gerade viele Bauteile, wie Fenster, Dachrinnen und Dachziegel aus technischen Bauwerken sind aber zu schade zum Recycling und haben ein zweites Leben verdient.Das sind die relevanten Vorgaben der neuen Gewerbeabfallverordnung in Kürze:

Betriebe müssen Papier, Glas, Metalle, Kunststoffe, Textilien, Holz und Bioabfälle getrennt sammeln, wenn das wirtschaftlich zumutbar und technisch möglich ist.Unsere Kritik: Fühlen sich die Betriebe nicht in der Lage (zu klein, zu viel Aufwand) ihren Müll zu trennen, dann müssen Sie das zwar nachweisen, aber nur auf Nachfrage der zuständigen Behörde. Da das erfahrungsgemäß gar nicht bis extrem selten passiert, wird die Getrennthaltung de facto nicht kontrolliert. Es gibt eine Recyclingquote nur für gemischte Gewerbeabfälle (wenn also Kunststoffe, Holz, Papier, etc. wahllos miteinander zusammengeworfen wurde)Unsere Kritik: Eine Recyclingquote ist auch für getrennt erfasste Abfälle nötig, denn sonst nutzen Entsorger die unklar formulierten Vorgaben der Verordnung dazu und geben selbst getrennt gesammelte Abfälle in die Verbrennung. Hier müssen die Vollzugsbehörden ganz genau kontrollieren, wie der Müll tatsächlich verwertet wird.Es dürfen nicht noch einmal zwölf Jahre vergehen. Die Bundespolitik muss sofort nachbessern. Wir werden kontrollieren.Sollte das Recyclingpotenzial bei Gewerbeabfällen sich nach Inkrafttreten der Verordnung nicht wie von der Politik erwartet einstellen, dürfen für die nächste Überarbeitung nicht wieder zwölf Jahre ins Land gehen. Die Bundespolitik muss dann sofort reagieren. Selbstlernende Recyclingvorgaben könnten eine sinnvolle Fortentwicklung darstellen. Entscheidend wird zunächst sein, die Schlupflöcher zu schließen. Deshalb gilt es, die häufig genannten Begriffe „wirtschaftliche Zumutbarkeit“ und „technische Machbarkeit“ bei der Getrennhaltungspflicht und bei den Behandlungsvorgaben noch eindeutiger zu definieren. Die Länderarbeitsgemeinschaft Abfall muss im Merkblatt 34 bis Ende 2018 hierzu eine klare Position beziehen. Die Erfahrung zeigt leider, dass sowohl öffentlich rechtliche (Beispiel Bioabfall), wie auch private Entsorger (Beispiel Gewerbliche Siedlungsabfälle) diese Lücke immer dann ausnutzen, wenn die minderwertige Verwertung sie schlicht günstiger kommt. Eine Verbrennungsabgabe wäre eine Lösung, dieses allgemeine Problem der deutschen Kreislaufwirtschaft zu lösen .

Download:

Mehr zum Thema

    Print       Email

You might also like...

Exzellenzwettbewerb: Forschungszentrum Jülich gratuliert seinen Partnern

Read More →