Was steht im Sportentwicklungsbericht 2015/2016? (Teil 4)

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MIL OSI – Source: DOSB –

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Was steht im Sportentwicklungsbericht 2015/2016? (Teil 4)
29.11.2017
Im Sommer ist der sechste Sportentwicklungsbericht erschienen. In einer mehrteiligen Serie werden wichtige Ergebnisse dieser bundesweiten Erhebung vorgestellt.

Was unternehmen Vereine zum Schutz vor sexualisierter Gewalt? Foto: LSB NRW

Das Thema „Prävention von und Intervention bei sexualisierter Gewalt im Sportverein“ wird erstmals im Rahmen der Sportentwicklungsberichte aufgegriffen. Rund fünf Jahre nach der sog. Münchener Erklärung zur Verantwortung für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Sport durch die Mitgliedsorganisationen des DOSB sollte vor allem untersucht werden, (1.) wie die Vereine die Relevanz dieser Thematik einschätzen, (2.) welche Maßnahmen sie zum Schutz der Kinder und Jugendlichen getroffen haben, (3.) welche Unterstützung sie dabei bekommen oder benötigen und (4.) wie sie mit Verdachts-/Vorfällen umgehen. Bei der Abfassung dieses Kapitels wurde Herausgeber Prof. Christoph Breuer namentlich unterstützt von seinen Kölner Kolleginnen Prof. Ilse Hartmann-Tews, Dr. Bettina Rulofs und Dr. Svenja Feiler.
Was die Relevanz des Themas angeht, kann mittlerweile von einer erhöhten Sensibilisierung innerhalb der Sportvereinslandschaft gesprochen werden: Knapp die Hälfte der Verantwortlichen in den Sportvereinen, die an der Befragung teilgenommen haben, geben das jedenfalls zu Protokoll. Gut ein Drittel gibt sogar an, dass die Thematik explizit angesprochen wird und man sich innerhalb des Vereins bzw. in den einzelnen Abteilungen aktiv und offensiv gegen sexualisierte Gewalt im Sport einsetzt. Auf der anderen Seite muss man zur Kenntnis nehmen, dass die Durchführung von gezielter Maßnahmen noch eher gering ist: Im Durchschnitt wurden pro Sportverein zwei von 14 vorgegebenen möglichen Präventionsmaßnahmen bisher tatsächlich realisiert. Das Thema sexualisierte Gewalt im Sport ist von Sportverein zu Sportverein unterschiedlich zu betrachten. Vielmehr scheint es so zu sein, dass das Thema umso mehr Bedeutung und Be-achtung findet, je größer ein Sportverein von der Mitgliederzahl ist; ähnliches gilt für die Ansiedelung des Vereins in größeren Gemeinden; auch wenn Kaderathletinnen und -athleten im Verein aktiv sind und wenn Frauen im Vorstand agieren, findet das Thema umso eher und umso mehr Aufmerksamkeit in der Prävention.  
Auch nach dem tatsächlichen Vorkommen von Verdacht- und Vorfällen wurde in der Studie gefragt. Demnach sind in genau 220 Vereinen (das sind 1,7 Prozent aller Sportvereine in Deutschland) in den vergangenen fünf Jahren solche Vorkommnisse aufgetreten bzw. bekannt geworden. Dabei waren „unerlaubte sexualisierte Berührungen am Körper und an Geschlechtsteilen“ die am häufigsten genanten Handlungen (insgesamt 35,4 Prozent), gefolgt von Formen verbalisierter sexualisierter Gewalt in Form von (anzüglichen) Witzen und (schmutzigen) Sprüchen bzw. Schimpfworten. Diese Formen werden im Band mit 32,4 Prozent ausgewiesen.
Was die Rollenverteilung von Täter und Opfer bei sexualisierter Gewalt im Sport angeht, ergibt sich laut Auswertung der Fragebögen des Sportentwicklungsberichtes in etwa folgendes Ergebnis: Opfer in den Sportvereinen sind überwiegend Mädchen und Frauen (73,1 Prozent), etwa ein Viertel der Delikte entfallen auf Jungen. Am meisten betroffen sind minderjährige Mädchen und Jungen (86,6 %). Die verdächtigen oder die sexualisierte Gewalt verursachenden Personen sind fast immer Jungen oder Männer (insgesamt 98,4 Prozent) und überwiegend volljährig (81,6 Prozent). In welcher Funktion sind die Täter bzw. Tatverdächtigen im Sportverein aktiv? Zu dieser Frage gibt es folgende Erkenntnisse: Etwa zur Hälfte sind es Trainer bzw. Übungsleiter (53,2 Prozent), aus der Gruppe der Athleten kommen 24,9 Prozent der Täter oder Tatverdächtigen.
Literatur und Hinweise zum Sportentwicklungsbericht 2015/2016:
Breuer, C. (Hrsg.): Sportentwicklungsbericht 2015/2016. Band I: Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland. Hellenthal 2017: Sportverlag Strauß.
Breuer, C. (Hrsg.): Sportentwicklungsbericht 2015/2016. Band II: Weiterführende Strukturanalysen. Hellenthal 2017: Sportverlag Strauß.
Weitere Informationen zum Thema Sportentwicklungsbericht mit Downloadmöglichkeiten sind auf der Homepage des DOSB unter www.dosb.de/seb  abrufbar.
Für weitere Auskünfte steht Christian Siegel (siegel(at)dosb.de) im DOSB zur Verfügung.
(Quelle: DOSB/Prof. Detlef Kuhlmann)

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