Wochenausblick: Rückenwind durch US-Steuerreform

By   /  December 4, 2017  /  Comments Off on Wochenausblick: Rückenwind durch US-Steuerreform

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MIL OSI – Source: Boerse Frankfurt –

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4. Dezember 2017. FRANKFURT (Börse Frankfurt) Rund 2,7 Prozent hat der deutsche Aktienindex im vergangenen Monat verloren. Allein in der vergangenen Woche steht ein Minus von 1,5 Prozent zu Buche. Am Freitag hatte Analysten zufolge eine Aussage Michael Flynns für Verkäufe an den Aktienmärkten gesorgt. Demnach sind dem ehemaligen US-Sicherheitsberater des Weißen Hauses seine Kontakte nach Moskau auf Wunsch von Donald Trump geknüpft worden. In Folge büßte der Dow Jones Industrial binnen wenigen Minuten zwischenzeitlich rund 350 Punkte bis auf 23.921 Punkte ein, erholte sich im Nachgang aber wieder bis auf 24.472 Zähler.
Diese Erholung basiere größtenteils auf der Billigung des vorliegenden Gesetzentwurfs zu einer aus Sicht des US-Präsidenten historischen Steuerreform. Sollten sich Senat und Repräsentantenhaus nun auf eine gemeinsame Vorlage einigen, werde das Gesetz auf den Weg gebracht. “Dies kann noch an Details scheitern, aber eine steuerliche Entlastung 2018 wird immer wahrscheinlicher”, meint Patrick Franke von der Helaba.

Der deutsche Aktienmarkt reagiert zum Wochenauftakt auf die Vorgaben mit einem deutlichen Plus. Der DAX steht nach den ersten Handelsstunden rund 100 Punkte im Plus, also etwa 1 Prozent.

Der insgesamt positive Trend sollte nach Ansicht von Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank zumindest bis zum anstehenden US-Arbeitsmarktbericht anhalten, sofern keine geopolitischen Ereignisse dazwischenfunken.

Es gibt Fallstricke

Hierzulande ist es dem DAX aus technischer Perspektive nach Beobachtung von Christian Schmidt wiederholt nicht gelungen, den für den tertiären Trend relevanten 21-Tagedurchschnitt bei 13.126 Punkten zu überwinden. “Hinzu kommt, dass das Handelsvolumen bei fallenden Kursen deutlich zugenommen hat und das Verhältnis von Gewinnern zu Verlierern am Gesamtmarkt zu wünschen übrig lässt”, bemerkt der Charttechniker der Helaba. Per Saldo macht Schmidt somit Warnhinweise aus. Kritisch wäre ein Rutsch unter die Unterstützungszone zwischen 12.904 und 12.983 DAX-Zählern. Bei letztgenannter Marke handele es sich um die für den Mittelfristtrend bedeutsame 55-Tagelinie.

Bitcoin-Euphorie fraglich

Mit einer Verzehnfachung des Wertes ist die Kryptowährung Bitcoin eines der erfolgreichsten Investments in diesem Jahr. Schickentanz sieht vor allem das spekulative Interesse chinesischer Privatanleger als Triebfeder für den bemerkenswerten Anstieg. Denn fundamental ließe sich die Entwicklung in keiner Weise begründen. Als Zahlungsmittel fehle den Digitalwährungen die Praxistauglichkeit. Unter anderem gebe es Probleme bei der Besteuerung, und die Umtauschkosten in gesetzliche Devisen seien hoch. Bitcoin stelle auch keineswegs das bessere Gold. Denn als physisches Edelmetall lasse sich Gold in Schmuck und Münzen formen und habe über Jahrtausende seinen Sicherheitsstatus erarbeitet. “Da kann die noch sehr junge Erfindung Bitcoin nicht mithalten.”

Transparenzschub möglich Die Technologie hinter einer Kryptowährung überzeugt hingegen, wie Robert Halver von der Baader Bank meint. Miteinander verkettete Blöcke, die sogenannte Blockchain stellten eine Art vollständig transparente dezentrale Datenbank mit Zugang für jeden, der mit seinem Computer an die Krypto-Währung angebunden sei. Auch könnten zwei Parteien ohne Zwischenschaltung einer dritten Instanz Verträge schließen und Zahlungsverkehr betreiben – bei gleichzeitiger Überwachung der Einhaltung einer Vereinbarung. “Ist zum Beispiel bei einer Autofinanzierung der Käufer säumig, könnte Blockchain über eine hinterlegte Verschlüsselung dafür sorgen, dass sich das betreffende Fahrzeug nicht mehr starten lässt.” Es ließe sich auch problemlos nachverfolgen, von welchem Hühnerhof ein Ei komme oder ob bei einer gekauften Makrele die Kühlkette eingehalten worden sei. Im Krankenversicherungssystem biete die Technologie das Potenzial, die Kosten deutlich zu drücken. Manipulierten Abrechnungen würde etwa einen Riegel vorgeschoben, da die Daten von jedem Rezept hinterlegt und damit kontrollierbar seien. Halver Hohe Risiken

Als Zahlmittel für jedermann eigneten sich Kryptowährungen hingegen kaum, wie auch Halver meint. “Kennt man die Geschäftspartner nicht persönlich, ist kriminellen Handlungen Tür und Tor geöffnet”, urteilt der Analyst, der auch in den begrenzten Rechenkapazitäten ein Handicap für den Zahlungsverkehr sieht. “Kryptisches Geld ist daher nicht beliebig vermehrbar mit der Konsequenz, dass sein Kurs allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird.” Welches Unternehmen akzeptiere aber eine Währung, die bei Kursverlusten die Gewinnmarge zerschlägt. Zudem gebe es die Transaktionen nicht zum Nulltarif. Der Gesamtmarkt für Kryptowährungen sei unübersichtlich. Der Kampf um das “richtige” Digitalgeld bringe viel zu viel Streuverluste mit sich. “Die Spreu hat sich noch lange nicht vom Weizen getrennt.”

Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten

Dienstag, 5. Dezember

22:30 Uhr. Deutschland: Indextermin. Der Arbeitskreis Aktienindizes entscheidet turnusgemäß über die Zusammensetzung der Aktienindizes ab 18. Dezember 2018.
Donnerstag, 7. Dezember

8.00 Uhr. Deutschland: Industrieproduktion Oktober. Die hiesige Industrie ist bislang nach Ansicht der DekaBank ein wichtiges Standbein für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Im August habe die deutsche Nettoproduktion ar den höchsten Anstieg im Vergleich zum Vormonat seit mehr als fünf Jahren verbuchen können. Für den Oktober rechnen die DekaBank-Analysten deshalb mit einer kleinen Verschnaufpause im produzierenden Gewerbe. Dies dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für die deutsche Industrie auf ein erfolgreiches Jahr 2017 hinauslaufe. Die Auftragsbücher seien weiterhin gut gefüllt und die Kapazitätsauslastung in Deutschland hoch.

Freitag, 8. Dezember

14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenquote und neu geschaffene Stellen November. Der Beschäftigungsaufbau in den Vereinigten Staaten war laut DekaBank in diesem Jahr mit durchschnittlich knapp 170.000 Stellen schwächer als im Jahr zuvor. Dennoch hätten einzelne Monate deutlich höhere Zuwächse erfahren. Für November rechnen die DekaBank-Analysten mit einem solchen Ausreißer. Die Mehrheit der bereits vorliegenden Frühindikatoren deuteten auf einen überdurchschnittlichen Beschäftigungsaufbau. Zudem wirkten im August und September Hurrikan-bedingte Belastungen, die mit dem starken Zuwachs im Oktober noch nicht vollständig wieder aufgeholt worden seien. Mit einem Stellenaufbau von 230.000 erwartet die DekaBank daher für November einen kräftigen Stellenzuwachs. Die Arbeitslosenquote werde hingegen aller Voraussicht nach auf dem Vormonatsniveau von 4,1 Prozent verharren.
Von: Iris Merker

4. Dezember 2017, © Deutsche Börse AG

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