Philipp Eng im Interview: „Ich lebe meinen Traum.“

By   /  December 20, 2017  /  Comments Off on Philipp Eng im Interview: „Ich lebe meinen Traum.“

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MIL OSI – Source: BMW Group –

Headline: Philipp Eng im Interview: „Ich lebe meinen Traum.“

München. BMW Werksfahrer Philipp Eng (AUT) ist neben Joel
Eriksson (SWE) einer von zwei Neulingen im DTM-Fahreraufgebot von
BMW für die Saison 2018. Zusätzlich zu diesem Meilenstein in seiner
Motorsport-Karriere wird er im kommenden Jahr Rennen im BMW M8 GTE
und im BMW M6 GT3 bestreiten. Im Interview spricht er über seine
Erwartungen an die Saison 2018 und seinen Werdegang in der BMW
Motorsport Familie.

 
Eng machte seine ersten Schritte im Motorsport in der Formel BMW und
kehrte nach einigen Jahren in anderen Rennserien und Fahrzeugen 2016
zu BMW zurück. Gleich in seinem ersten Jahr feierte er mit dem Sieg
bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps (BEL) den bisher größten Sieg
seiner Karriere. 2017 kämpfte er im ADAC GT Masters bis zum
Saisonfinale um den Titel. Im kommenden Jahr wird er beim BMW Team RBM
sein DTM-Debüt feiern und zudem bei ausgewählten Rennen im GT-Programm
von BMW Motorsport zum Einsatz kommen.

Philipp, was war Ihre erste Reaktion, als Sie erfahren haben,
dass Sie 2018 DTM fahren?
Philipp Eng: „Ich konnte es erst gar nicht fassen – und ehrlich
gesagt kann ich es noch immer nicht richtig glauben. Die DTM hat mich
in meiner Karriere lange begleitet, weil ich dort einige Jahre in den
Rahmenserien fuhr und auch in den vergangenen beiden Jahren für BMW
oft im Umfeld der Serie im Einsatz war. Mein Traum war immer, den BMW
M4 DTM einmal zu fahren. Das hatte ich mir schon mit meinem Test
erfüllt. Dass ich nun Stammfahrer bin, ist unglaublich.“

Sie sprechen den DTM Young Driver Test an, bei dem Sie
Erfahrungen im BMW M4 DTM gesammelt haben. Wie ist es dort gelaufen?
Eng: „Es war eine unglaubliche Erfahrung. Das Fahrzeug hat mich
extrem beeindruckt. Vor allem die Bremsen und die Aerodynamik des BMW
M4 DTM sind mit einem GT-Fahrzeug nicht ansatzweise zu vergleichen.
Auch die große Professionalität der Teams und der BMW Ingenieure bei
diesem Projekt zu erleben, hat mich sehr beeindruckt.“

Welche Erwartungen haben Sie an Ihre erste DTM-Saison?
Eng: „Mir ist klar, dass das Niveau in der DTM so hoch ist wie
vielleicht in keiner anderen Rennserie. Entsprechend groß ist die
Herausforderung für mich. Aber wie heißt es so schön: Man wächst mit
seinen Aufgaben. René Rast hat im vergangenen Jahr mit seinem
Titelgewinn bewiesen, dass selbst für einen Neuling in der DTM nichts
unmöglich ist. Ich freue mich riesig auf 2018 und lebe meinen Traum.“

 

Ihr bisher größer sportlicher Erfolg als BMW Werksfahrer war
der Sieg bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps…
Eng: „Auf jeden Fall. Einen so großen Erfolg gleich in meinem ersten
Jahr nach der Rückkehr zu BMW zu feiern, war fantastisch. Als wir nach
Spa kamen, konnten wir angesichts der Stärke unserer Konkurrenten
nicht mit dem Sieg rechnen. Wir wussten zwar, dass wir ein gutes Paket
hatten, aber für den ganz großen Triumph braucht man immer auch etwas
Glück. Das hatten wir in diesem Fall.“

Sie sind in der Saison 2017 bis zum Schluss um den Fahrertitel
im ADAC GT Masters gefahren, haben es aber am Ende nicht geschafft.
Wie fällt Ihr Saisonfazit aus?
Eng: „Ich denke, wir haben uns als BMW Team Schnitzer sehr gut
präsentiert. An der Resonanz vor Ort und in den sozialen Netzwerken
konnten wir sehen, dass wir viele Fans auf unserer Seite hatten. Mit
dem Sieg in Oschersleben hatten wir natürlich den perfekten Auftakt,
und auch danach standen wir noch ein paar Mal auf dem Podium.
Letztlich hat uns das schwache Wochenende in Zandvoort entscheidend
zurückgeworfen. Beim Finale in Hockenheim waren meine Chancen ohnehin
nur noch theoretisch. Ein Sieg im letzten Rennen wäre schön gewesen,
aber es sollte leider nicht sein.“

Sie sind als Allrounder schon fast alle aktuellen BMW
Rennfahrzeuge gefahren, auch den BMW M8 GTE. Welches macht am
meisten Spaß?
Eng: „Ich bin in der Tat schon den BMW M4 DTM, den BMW M8 GTE, den
BMW M6 GT3 und auch den BMW M4 GT4 gefahren – und alle machen auf ihre
Art und Weise Spaß. Der BMW M4 DTM bringt kompromisslose
Fahreigenschaften mit. Der BMW M8 GTE hat sich im Laufe der Tests, bei
denen ich dabei war, sehr positiv entwickelt. Besonders beeindruckend
finde ich seinen Sound. Im BMW M6 GT3 habe ich in den vergangenen
beiden Jahren sowohl bei Rennen als auch bei Tests die meiste Zeit
verbracht. Er hat für ein GT-Fahrzeug viel Abtrieb und macht daher vor
allem auf der Nordschleife und in Spa-Francorchamps sehr viel Spaß.
Der BMW M4 GT4 steht natürlich nicht in Konkurrenz zu den zuvor
genannten Fahrzeugen, ist aber ebenfalls toll zu fahren und aus meiner
Sicht das perfekte Kundenfahrzeug für Privatiers.“

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit in der Formel BMW?
Eng: „Eigentlich nur gute. Ich habe dort unendlich viel gelernt. Mehr
hätte ich mir nicht erträumen können. Ich hatte damals das Glück,
gleichzeitig von BMW und Red Bull gefördert zu werden. 2006 habe ich
gut angefangen, wurde dann aber etwas zu übermütig und habe die
Rookie-Wertung an meinen heutigen BMW Kollegen Jens Klingmann
verloren. Im Jahr danach habe ich schon wieder gegen Jens den Kürzeren
gezogen, konnte mich aber beim Formel BMW Weltfinale in Valencia
revanchieren. Das habe ich vor Marco Wittmann und Jens Klingmann
gewonnen und dafür einen Test im Formel-1-Auto erhalten.“

Ein weiteres Highlight Ihrer Karriere, oder?
Eng: „Das ist schon fast zehn Jahre her, aber ich kann mich immer
noch sehr gut daran erinnern. Für einen 18-Jährigen habe ich das ganz
gut gemeistert, denke ich. Das Gefühl damals war ähnlich wie nun im
BMW M4 DTM, nur dass Bremsen, Aerodynamik und Gewicht beim
Formel-1-Auto noch einmal extremer waren. Noch heute ist es schön, die
Bilder von sich im Formel-1-Cockpit anzuschauen.“

Wie sind Sie zum Motorsport gekommen?
Eng: „Auf der Kartbahn in Ampfing. Sie war ganz neu eröffnet worden,
und nachdem mir das Kartfahren in der Halle zu langweilig geworden
war, sind wir immer die 90 Kilometer von Salzburg dorthin gefahren.
Irgendwann haben wir uns dort sogar eine Wohnung genommen, weil wir
jedes Wochenende da waren.“

Wie würden Sie Ihren Charakter in drei Worten beschreiben?
Eng: „Pedantisch, also extrem detailverliebt. Manchmal leider
ungeduldig und immer fokussiert.“

Welcher war Ihr bester und schlimmster Moment im Motorsport?
Eng: „Der beste Moment war die Unterschrift unter meinem BMW
Werksfahrervertrag. Man sieht ja, zu welchen Erfolgen mich diese
Unterschrift geführt hat. Am schlimmsten war, im Alter von 16 Jahren
die Unterstützung durch Red Bull verloren zu haben. Das war zwar
berechtigt, weil ich damals einfach noch nicht gut genug war, aber
trotzdem brach für mich eine Welt zusammen. Meine Eltern hatten nicht
die finanziellen Mittel, um meine Karriere ohne Hilfe weiter zu
fördern, also war ich erst einmal aufgeschmissen. Aber damals habe ich
gelernt, dass es immer irgendwie weitergeht.“

Was wären Sie geworden, wenn es mit dem Rennsport nicht
geklappt hätte?
Eng: „Professioneller Rennradfahrer. Ich verbringe sehr viel Zeit auf
dem Rennrad und habe daran unglaublich viel Spaß. Mittlerweile habe
ich sogar ziemlich gute Kontakte in den Profi-Radsport. Von daher
hätte ich heute einen Plan B, den ich aber zum Glück nicht brauche.“

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